Gen-Z-Proteste: Tausende demonstrieren gegen Wehrpflicht und soziale Kürzungen
Die Jugend macht Druck: In zahlreichen Städten gingen am Samstag Tausende auf die Straße.
Tausende junge Menschen haben am Samstag, 31. Oktober, in deutschen Städten gegen eine Wehrpflicht, steigende Lebenshaltungskosten und unzureichende Bildungsangebote demonstriert. Aufgerufen hatte die Initiative „Gen Z regelt“. Auch in Leipzig, Dresden, Erfurt, Magdeburg und Berlin fanden Proteste statt.
Die Forderungen reichen von mehr Geld für Schulen und psychotherapeutische Angebote bis zu bezahlbarem Wohnen und stärkerem Klimaschutz. Die Initiative lehnt außerdem eine Ausweitung staatlicher Überwachung ab. Bei den Kundgebungen wurde deutlich, wie eng die Teilnehmer diese Themen mit ihren persönlichen Zukunftsaussichten verbinden.
Kritik an Merz und der Wehrpflicht
In Leipzig richtete sich der Protest ausdrücklich gegen Bundeskanzler Friedrich Merz. Nach einem Bericht des MDR kritisierten Redner die Schuldenpolitik der Bundesregierung und den Abbau sozialer Leistungen. Wiederholt wurde der Kanzler zum Rücktritt aufgefordert.
In Dresden standen unter anderem der Zustand der Schulen, Schwierigkeiten bei der Ausbildungssuche und fehlende Therapieplätze im Mittelpunkt. Die Demonstrierenden warfen der Politik vor, über die Zukunft junger Menschen zu entscheiden, ohne sie ausreichend einzubeziehen. Besonders die mögliche Einführung einer Wehrpflicht stieß auf Ablehnung.
Rund 7.000 Demonstranten in Leipzig
Nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig beteiligten sich rund 7.000 Menschen an der Demonstration in der Innenstadt. Sie verlief weitgehend friedlich. Wegen der deutlich höheren Teilnehmerzahl als angemeldet wurde die Route während des Aufzugs angepasst.
Die Polizei registrierte allerdings mehr als 80 Straftaten im Zusammenhang mit Vermummungen und dem Abbrennen von Pyrotechnik. Rund 500 Einsatzkräfte waren im Einsatz.
Bereits vor dem Ende der Kundgebung zogen Gruppen in den Leipziger Süden. Aus einer Gruppe von etwa 250 Personen wurden laut Polizei Baustelleneinrichtungen und Straßenschilder auf die Karl-Liebknecht-Straße geworfen. Außerdem gingen Scheiben von Haltestellen zu Bruch. Die Polizei schritt ein.
Ausschreitungen in mehreren Städten
Auch andernorts blieb es nicht überall friedlich. In Frankfurt am Main wurden am Abend Geschäfte geplündert und beschädigt. Nach Polizeiangaben wurden zudem Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen. In Hamburg brannten Barrikaden.
Diese Vorfälle standen neben zahlreichen friedlichen Kundgebungen. Die politischen Forderungen der Demonstrierenden und die späteren Gewalttaten müssen deshalb getrennt betrachtet werden. Eine bundesweit einheitliche, abschließende Polizeibilanz lag in den ausgewerteten Berichten zunächst nicht vor.