IT-Systeme nach Hackerangriff abgeschaltet

Cyberangriff auf Universität Leipzig: Studierende kommen nicht an Noten und Stundenpläne

Mehr als 30.000 Studierende betroffen

Von Clara Winterfeld 4 Min. Lesezeit

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Der Campus der Universität Leipzig am Augustusplatz mit dem Augusteum, dem Paulinum und dem City-Hochhaus. Die Universität ist von einem Cyberangriff betroffen, der zentrale IT-Systeme lahmgelegt hat. Studierende können derzeit nur eingeschränkt auf digitale Lernplattformen, Prüfungsnoten und Stunde
Der Campus der Universität Leipzig am Augustusplatz mit dem Augusteum, dem Paulinum und dem City-Hochhaus. Die Universität ist von einem Cyberangriff betroffen, der zentrale IT-Systeme lahmgelegt hat. Studierende können derzeit nur eingeschränkt auf digitale Lernplattformen, Prüfungsnoten und Stunde Foto: Universität Leipzig

Ein Cyberangriff auf die Universität Leipzig hat den Hochschulbetrieb erheblich beeinträchtigt. Seit Mittwoch, 28. Oktober 2026, sind wichtige IT-Systeme abgeschaltet. Mehr als 30.000 Studierende können nicht wie gewohnt auf ihre Stundenpläne, Prüfungsnoten und Studienbescheinigungen zugreifen. Auch die universitären E-Mail-Dienste sind gestört. Die Hochschule rechnet frühestens am Montag mit dem schrittweisen Wiederhochfahren ihrer Server. Wann sämtliche Anwendungen wieder funktionieren, ist noch unklar.

Die Universität hat einen Krisenstab eingerichtet, externe IT-Spezialisten hinzugezogen und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der reguläre Lehrbetrieb soll trotz der technischen Einschränkungen weitergehen.

Universität schaltet Server nach Cyberangriff ab

Der Angriff auf die IT-Infrastruktur wurde am Mittwochvormittag festgestellt. Daraufhin entschied die Universität, sämtliche mit dem Internet verbundenen Server und Dienste vorsorglich abzuschalten.

Die Maßnahme soll verhindern, dass sich mögliche Schadsoftware weiter ausbreitet oder zusätzliche Schäden entstehen.

Unter Leitung von Rektorin Eva Inés Obergfell wurde ein Krisenstab eingerichtet. Beschäftigte des Universitätsrechenzentrums untersuchen gemeinsam mit einem externen IT-Notfall-Dienstleister die betroffenen Systeme.

Auch die zuständigen Behörden wurden informiert.

Bislang ist nicht öffentlich geklärt, wie sich die Angreifer Zugang verschafft haben. Ebenso ist unklar, ob persönliche Daten von Studierenden oder Beschäftigten abgeflossen sind.

Die Ermittlungen dauern an.

AlmaWeb und Moodle nicht erreichbar

Besonders deutlich sind die Folgen im Studienalltag zu spüren. Die zentralen Plattformen AlmaWeb und Moodle stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Über AlmaWeb organisieren Studierende unter anderem ihren Studienverlauf und greifen auf wichtige Verwaltungsinformationen zu. Moodle wird für Lehrmaterialien, Aufgaben und die digitale Begleitung von Lehrveranstaltungen genutzt.

Durch den Ausfall können viele Studierende derzeit weder ihre Noten einsehen noch auf Veranstaltungsverzeichnisse, Stundenpläne oder Mitteilungen der Universität zugreifen.

Auch Immatrikulationsbescheinigungen lassen sich nicht wie gewohnt herunterladen. Solche Dokumente werden beispielsweise für BAföG-Anträge, Kindergeldangelegenheiten und andere Nachweise benötigt.

Hinzu kommen Probleme bei der Orientierung auf dem Campus. Digitale Anzeigetafeln vor Hörsälen funktionieren teilweise nicht, sodass sich Veranstaltungsorte und kurzfristige Änderungen schwieriger nachvollziehen lassen.

Prüfungsfristen bis zum 6. November verlängert

Die Universität hat auf die Einschränkungen reagiert und Abgabefristen für betroffene schriftliche Prüfungsleistungen verlängert.

Für entsprechende Online-Abgaben gilt nach den veröffentlichten Informationen nun der 6. November 2026 als verlängerte Frist.

Das ist insbesondere für Studierende wichtig, die Hausarbeiten, Abschlussarbeiten oder andere prüfungsrelevante Dokumente digital einreichen müssen.

Da die Lernplattformen ausgefallen sind, können Unterlagen teilweise weder hochgeladen noch heruntergeladen werden.

Auch Prüfungsämter sind betroffen. An der Medizinischen Fakultät können derzeit unter anderem Notenübersichten, bestimmte BAföG-Bescheinigungen und Studienverlaufsdokumente nicht wie gewohnt bearbeitet werden.

Die Hochschule bittet Studierende, sich über die veröffentlichten Notfallinformationen auf dem Laufenden zu halten.

Lehrveranstaltungen finden weiterhin statt

Trotz des umfangreichen IT-Ausfalls ist die Universität nicht vollständig geschlossen.

Präsenzveranstaltungen sollen grundsätzlich nach Plan stattfinden. Digitale Lehrangebote müssen teilweise verschoben oder über externe Systeme organisiert werden.

Auch die Universitätsbibliothek bleibt nach Angaben der Hochschule am Wochenende geöffnet.

Für die Kommunikation wurden inzwischen Ersatzmöglichkeiten geschaffen. Fakultäten und zentrale Einrichtungen können teilweise über ein externes E-Mail-System erreicht werden.

Dazu gehören unter anderem die Universitätsbibliothek, das Zentrum für Hochschulsport und das Sprachenzentrum.

Studierende und Beschäftigte können aktuelle Mitteilungen über die vorübergehend eingerichtete Informationsseite unter der gewohnten Internetadresse der Universität abrufen.

Server bleiben mindestens über das Wochenende offline

Eine schnelle vollständige Wiederherstellung ist vorerst nicht zu erwarten.

Nach Angaben eines Universitätssprechers sollen die abgeschalteten Server frühestens am Montag, 2. November, wieder hochgefahren werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche IT-Dienste an diesem Tag wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Vor der Freigabe müssen die Systeme untersucht und mögliche Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden. Erst danach können Anwendungen schrittweise wieder in Betrieb genommen werden.

Für die Betroffenen bleibt daher ungewiss, wann digitale Studienverwaltung, Lehrplattformen und E-Mail-Dienste wieder zuverlässig funktionieren.

Ursache und mögliche Datenverluste noch ungeklärt

Bereits am 21. Oktober hatte die Universität Leipzig aufgrund einer weltweiten Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP mehrere digitale Dienste vorsorglich eingeschränkt.

Nach einem Sicherheitsupdate konnten zahlreiche Anwendungen zunächst wieder freigegeben werden.

Ob zwischen dieser Sicherheitslücke und dem Cyberangriff vom 28. Oktober ein Zusammenhang besteht, ist bislang nicht bekannt.

Auch zu den möglichen Tätern und ihren Motiven liegen keine gesicherten öffentlichen Erkenntnisse vor.

Der Vorfall zeigt, wie abhängig der Hochschulbetrieb inzwischen von funktionierenden digitalen Systemen ist. Neben Lehrveranstaltungen und Prüfungen betrifft der Ausfall auch Verwaltungsabläufe, die für Studierende finanzielle und organisatorische Folgen haben können.

Für die Universität Leipzig hat deshalb die sichere Wiederherstellung ihrer IT-Infrastruktur Vorrang. Bis dahin müssen Studierende und Beschäftigte mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

Themen: SachsenLeipzigHochschulenDatenschutzIT-SicherheitUniversität LeipzigStudierendeCyberangriffHackerangriffAlmaWebMoodle

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