Atommüll-Endlager: Sachsen ausgeschlossen – Sachsen-Anhalt weiter im Rennen
Nur fünf Prozent bleiben übrig
Dresden. Sachsen wird bei der bundesweiten Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll nicht mehr berücksichtigt. Das geht aus dem aktuellen Arbeitsstand der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor, der am 27. Oktober 2026 vorgestellt wurde. Auch Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland gehören nicht mehr zu den weiter betrachteten Gebieten. In Sachsen-Anhalt und Teilen Brandenburgs wird die Suche dagegen fortgesetzt.
Nur noch ein kleiner Teil Deutschlands kommt infrage
Die Suche nach einem dauerhaft sicheren Lagerort für hochradioaktive Abfälle ist einen wichtigen Schritt vorangekommen.
Nach Angaben der BGE werden inzwischen weniger als fünf Prozent der Fläche Deutschlands weiter untersucht. Im Jahr 2025 waren es noch etwa 25 Prozent.
Damit hat die Gesellschaft innerhalb eines Jahres den Umfang der betrachteten Flächen erheblich reduziert.
Die neue Eingrenzung beruht auf geologischen Untersuchungen und der Bewertung vorhandener Daten. Entscheidend sind unter anderem die Eigenschaften geeigneter Gesteinsschichten, ihre langfristige Stabilität und mögliche Risiken durch Wasserbewegungen oder geologische Veränderungen.
Ein endgültiger Endlagerstandort steht damit noch nicht fest.
Sachsen und Berlin sind aus der Suche ausgeschieden
Für Sachsen bedeutet die neue Bewertung, dass keine Gebiete des Freistaates mehr in die weiteren Untersuchungsschritte einbezogen werden.
Auch Berlin und Hessen wurden im Jahr 2026 vollständig ausgeschlossen. Rheinland-Pfalz war bereits 2025 aus der engeren Suche ausgeschieden, das Saarland schon früher.
Andere Teile Deutschlands bleiben dagegen im Verfahren.
Nach Angaben der BGE liegen weiter betrachtete Gebiete unter anderem in Sachsen-Anhalt, im Süden Brandenburgs und in weiteren Regionen Nord- und Süddeutschlands.
Ob ein konkreter Ort später tatsächlich für eine vertiefte Erkundung vorgeschlagen wird, ist offen.
Die aktuelle Einstufung darf deshalb nicht mit einer endgültigen Standortentscheidung verwechselt werden.
Endlager muss eine Million Jahre Sicherheit bieten
Deutschland benötigt ein Endlager für hochradioaktive Abfälle aus seinen früheren Kernkraftwerken.
Nach dem deutschen Standortauswahlgesetz soll der ausgewählte Standort die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleisten.
Die Suche konzentriert sich auf geeignete geologische Formationen. Dazu gehören insbesondere Steinsalz, Tongestein und kristallines Gestein.
Die Eignung hängt nicht allein von der Gesteinsart ab. Auch die geologische Entwicklung, mögliche Störungen und die Eigenschaften der umgebenden Schichten werden berücksichtigt.
Das Verfahren soll wissenschaftsbasiert und nachvollziehbar erfolgen.
Gerade deshalb werden Gebiete schrittweise ausgeschlossen, sobald die verfügbaren Erkenntnisse gegen ihre weitere Berücksichtigung sprechen.
Ende 2027 sollen Standortregionen vorgeschlagen werden
Die BGE will Ende 2027 diejenigen Regionen benennen, die für eine übertägige Erkundung infrage kommen.
In dieser nächsten Phase würden ausgewählte Gebiete vor Ort genauer untersucht.
Dazu können zusätzliche geologische Messungen und weitere wissenschaftliche Prüfungen gehören.
Die nun veröffentlichte Eingrenzung ist damit eine wichtige Vorbereitung, aber noch kein Beschluss über konkrete Erkundungsstandorte.
Am Ende des gesetzlich geregelten Auswahlverfahrens entscheidet der Bundestag.
Betroffene Regionen können Standorte selbst prüfen
Die BGE veröffentlicht ihre Bewertungen im sogenannten Endlagersuche-Navigator.
Mit der digitalen Kartenanwendung können Bürger anhand ihres Wohnortes oder ihrer Postleitzahl nachvollziehen, wie ihre Region derzeit eingestuft wird.
Die farbliche Darstellung unterscheidet zwischen ausgeschlossenen Gebieten und Flächen, die weiter betrachtet werden.
Für die Menschen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg bietet das die Möglichkeit, den aktuellen Stand der Untersuchungen nachzuvollziehen.
Gleichzeitig bleibt die Frage, wie sich mögliche Standorte langfristig auf die betroffenen Regionen auswirken würden.
Eine endgültige Auswahl wird erst nach weiteren Untersuchungen und politischen Entscheidungen möglich sein.