Alarm am Dresdner Zwinger

Dresden: Mutmaßlicher Einbruch in Porzellansammlung – LKA ermittelt

Zwei Verdächtige auf der Flucht

Von Emilia Schubert 4 Min. Lesezeit

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Blick auf den Dresdner Zwinger mit seiner barocken Architektur, dem historischen Kronentor und dem weitläufigen Innenhof.
Blick auf den Dresdner Zwinger mit seiner barocken Architektur, dem historischen Kronentor und dem weitläufigen Innenhof. Foto: Staatsbetrieb Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dresden. Zwei unbekannte Männer haben am frühen Dienstagmorgen, 27. Oktober 2026, möglicherweise versucht, in die weltberühmte Porzellansammlung des Dresdner Zwingers einzubrechen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen führten die Verdächtigen vermutlich Einbruchswerkzeug mit sich. Als ein Sicherheitsmitarbeiter sie ansprach, ergriffen sie die Flucht. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt haben Ermittlungen aufgenommen. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die historischen Kunstsammlungen wurden inzwischen verstärkt.

Verdächtige betreten Zwinger über das Kronentor

Der Vorfall ereignete sich zwischen 6.10 und 6.30 Uhr am Dienstagmorgen. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand gelangten zwei bislang unbekannte Männer durch das Kronentor in den bereits geöffneten Innenhof des Dresdner Zwingers.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Männer wahrscheinlich Werkzeuge bei sich hatten, die für einen Einbruch verwendet werden könnten.

Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurde auf die Personen aufmerksam und sprach sie an. Daraufhin flüchteten beide durch das Kronentor in unbekannte Richtung.

Zu einem nachgewiesenen Eindringen in die Ausstellungsräume kam es nach den bisher veröffentlichten Angaben nicht. Auch ein Diebstahl wurde nicht gemeldet.

Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen vermuten dennoch, dass die Männer einen Einbruch im Bereich der Porzellansammlung vorbereiteten.

Ob sie tatsächlich bestimmte Kunstgegenstände stehlen wollten, ist bislang ungeklärt.

Weltberühmte Porzellansammlung möglicherweise im Visier

Die Porzellansammlung im Dresdner Zwinger gehört zu den bedeutendsten Sammlungen keramischer Kunst weltweit.

Ihre Bestände gehen wesentlich auf die Sammelleidenschaft von August dem Starken zurück. Neben zahlreichen Werken aus Meißen gehören ostasiatische Porzellane zu den herausragenden Stücken.

Besonders wertvoll sind einzelne historische Gefäße aus China, deren Seltenheit sie auch auf dem internationalen Kunstmarkt zu begehrten Objekten macht.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden gibt es derzeit keine bestätigten Hinweise darauf, welche Gegenstände die beiden Männer möglicherweise im Visier hatten.

Die Porzellansammlung ist wegen Bauarbeiten noch bis einschließlich 30. Oktober für Besucher geschlossen.

Bereits Anfang 2026 Warnung vor möglichem Kunstdiebstahl

Der neue Vorfall erhält durch frühere Erkenntnisse eine besondere Bedeutung.

Bereits Anfang 2026 sollen ausländische Sicherheitsbehörden vor einem geplanten Diebstahl besonders wertvoller chinesischer Porzellanstücke aus dem Dresdner Zwinger gewarnt haben.

Nach Recherchen mehrerer Medien ging es dabei um eine seltene Ru-Keramik-Schale und eine historische Drachenvase.

Die beiden Objekte sollen einen Wert im zweistelligen Millionenbereich besitzen. Eine vergleichbare Ru-Schale erzielte 2017 bei einer Versteigerung des Auktionshauses Sotheby's einen Preis von 37,7 Millionen US-Dollar.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden reagierten damals mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Die gefährdeten Kunstwerke sollen vorsorglich an sichere Orte gebracht worden sein.

Ob die beiden unbekannten Männer vom Dienstag mit den früheren Warnhinweisen in Verbindung stehen, ist nicht bekannt.

Die Behörden haben einen solchen Zusammenhang bislang weder bestätigt noch ausgeschlossen.

Hackerangriff auf Kunstsammlungen wirft weitere Fragen auf

Im Januar 2026 waren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden außerdem Ziel eines Cyberangriffs geworden.

Dabei wurden Teile der digitalen Infrastruktur beeinträchtigt. Nach damaligen Angaben waren die eigentlichen Sicherheitssysteme der Museen nicht betroffen.

Medien berichteten später über den Verdacht, der Angriff könnte im Zusammenhang mit einem geplanten Kunstdiebstahl gestanden haben.

Auch diese mögliche Verbindung ist bislang nicht abschließend nachgewiesen.

Die jüngsten Ereignisse werfen deshalb die Frage auf, ob die Porzellansammlung unabhängig voneinander ins Visier verschiedener Täter geraten ist oder ob es einen Zusammenhang zwischen den früheren Erkenntnissen und dem aktuellen Vorfall gibt.

Eine belastbare Antwort darauf müssen die weiteren Ermittlungen liefern.

Erinnerung an den Einbruch ins Grüne Gewölbe

Der mutmaßliche Einbruchsversuch weckt in Dresden Erinnerungen an den spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe.

Am 25. November 2019 drangen mehrere Täter in die Schatzkammer im Residenzschloss ein und entwendeten kostbare Schmuckstücke.

Der Versicherungswert der gestohlenen Gegenstände wurde mit rund 116 Millionen Euro beziffert.

Nach umfangreichen Ermittlungen wurden mehrere Tatbeteiligte verurteilt. Ein Teil der Beute konnte später sichergestellt werden.

Der damalige Fall führte zu einer intensiven Diskussion über die Sicherheit der Dresdner Museen.

Zwischen den Tätern von 2019 und den derzeit gesuchten Männern am Zwinger gibt es nach dem öffentlich bekannten Ermittlungsstand keinen belegten Zusammenhang.

Polizei und Kunstsammlungen verschärfen Sicherheitsmaßnahmen

Nach dem Vorfall haben die Polizeidirektion Dresden und der Sicherheitsdienst der Staatlichen Kunstsammlungen ihre Schutzmaßnahmen am Zwinger verstärkt.

Eine Sprecherin der Kunstsammlungen verwies gegenüber dem MDR auf die große Bedeutung der Sicherheit der historischen Kunstbestände.

Dabei spielt nach ihren Angaben insbesondere die sichtbare Präsenz des Wachpersonals eine wichtige Rolle.

Der aktuelle Vorfall zeigt aus Sicht der Verantwortlichen, dass das frühzeitige Eingreifen der Sicherheitsmitarbeiter einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Sammlungen leisten kann.

Konkrete Angaben zu zusätzlichen technischen oder organisatorischen Schutzmaßnahmen machten die Behörden nicht.

Landeskriminalamt bittet Bevölkerung um Hinweise

Für die Aufklärung suchen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt nach Zeugen.

Gesucht werden insbesondere Personen, die sich am Dienstag, 27. Oktober, zwischen 6.10 und 6.30 Uhr am Theaterplatz oder in unmittelbarer Nähe des Zwingers aufgehalten haben.

Von Interesse sind Beobachtungen zu zwei Männern, die den Innenhof über das Kronentor betreten oder verlassen haben könnten.

Zeugen können sich unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 855 2055 beim Landeskriminalamt melden.

Außerdem nimmt die sächsische Polizei Hinweise über ihr Online-Hinweisportal entgegen.

Die Ermittler müssen nun klären, wer die beiden Männer sind, weshalb sie sich am frühen Morgen auf dem Gelände aufhielten und ob tatsächlich ein gezielter Einbruch in die Porzellansammlung geplant war.

Themen: DresdenLandeskriminalamt SachsenEinbruchsversuchStaatliche Kunstsammlungen DresdenSuchmaschine & KennzeichnungDresdner ZwingerPorzellansammlungKronentorKunstdiebstahlGrünes Gewölbe## Adresse

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