Steinmeier-Nachfolge 2027

Ines Claus als Bundespräsidentin? Merz widerspricht Berichten über Favoritin

CDU und CSU uneinig

Von Sebastian Krüger 4 Min. Lesezeit

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Porträt der hessischen CDU-Politikerin Ines Claus. Die Juristin und Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag wird als mögliche Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehandelt.
Porträt der hessischen CDU-Politikerin Ines Claus. Die Juristin und Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag wird als mögliche Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehandelt. Foto: CDU Hessen

Berlin. Die Suche nach einer Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sorgt für neue Spannungen innerhalb der Union. Mit der hessischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Ines Claus wird seit Dienstag, 27. Oktober 2026, eine weitere mögliche Kandidatin gehandelt. Berichten zufolge soll Bundeskanzler Friedrich Merz die 49-Jährige unterstützen. Aus dem Umfeld des Kanzlers kam am Mittwoch jedoch eine Klarstellung: Merz habe weder eine Entscheidung getroffen noch einen Personalvorschlag unterbreitet. Die CSU hält unterdessen an ihrer Wunschkandidatin Ilse Aigner fest.

Ines Claus zeigt Interesse am höchsten Staatsamt

Ines Claus führt die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag und gehört als stellvertretende Bundesvorsitzende auch der engeren Parteiführung an. Bundesweit war die Juristin bislang weniger bekannt als andere Politikerinnen, die für das Bundespräsidentenamt im Gespräch sind.

Das änderte sich am Dienstag. Die „Rheinische Post“ berichtete unter Berufung auf CDU-Kreise, dass Claus für die Nachfolge Steinmeiers infrage komme und dabei auch auf Unterstützung von Friedrich Merz zählen könne.

Claus selbst reagierte zurückhaltend, aber offen. Sie bezeichnete es als große Ehre, im Zusammenhang mit dem Amt genannt zu werden. Zugleich verwies sie auf das notwendige Abstimmungsverfahren innerhalb der Union und mit dem Koalitionspartner SPD.

Eine offizielle Kandidatur kündigte sie nicht an.

Die CDU-Politikerin verbindet eine konservative Grundhaltung mit der Forderung nach einer stärkeren Beteiligung von Frauen an politischen Führungspositionen. Sie gehört zu den wenigen Frauen, die in Deutschland eine CDU-Landtagsfraktion führen.

Innerhalb der Union könnte sie damit sowohl für die stärkere Repräsentation von Frauen als auch für eine Kandidatur aus den eigenen Reihen der CDU stehen.

Merz stellt klar: Noch keine Entscheidung getroffen

Die Berichte über eine mögliche Favoritenrolle von Ines Claus erreichten den Bundeskanzler während seiner Asienreise.

Am Mittwoch, 28. Oktober, erklärte sein Umfeld, dass noch keine Personalentscheidung gefallen sei. Merz habe bislang niemanden für das Amt vorgeschlagen.

Der Bundeskanzler wolle zunächst Gespräche mit den CDU-Ministerpräsidenten, den Landesvorsitzenden und der CSU führen.

Als wichtiger Termin gilt die Sitzung des CDU-Präsidiums am 9. November. Anschließend sollen die Gespräche mit SPD und Grünen fortgesetzt werden.

Merz beansprucht für die CDU das Vorschlagsrecht, weil sie innerhalb der Bundesversammlung die stärkste politische Kraft stellt.

Ob sich die Union auf eine Kandidatin aus der CDU oder der CSU verständigt, ist weiterhin offen.

CSU hält an Ilse Aigner fest

Die neue Personaldebatte trifft auf einen bereits bekannten Vorschlag aus Bayern.

CSU-Chef Markus Söder unterstützt die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner. Beim jüngsten CSU-Parteitag bekräftigte er seine Unterstützung für die frühere Bundesministerin.

Aigner verfügt über langjährige Erfahrung in Regierungsämtern und steht bereits an der Spitze eines Landesparlaments. Die CSU führt diese Erfahrung als Argument für ihre Kandidatur an.

Auch aus der SPD erhielt Aigner positive Rückmeldungen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sprach sich für die bayerische Politikerin aus.

Die Diskussion um Ines Claus könnte deshalb zu einer Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU führen. Während Söder eine Kandidatin aus seiner Partei unterstützt, gibt es in der CDU Stimmen, die das höchste Staatsamt ausdrücklich mit einer eigenen Politikerin besetzen möchten.

Eine gemeinsame Entscheidung beider Unionsparteien liegt noch nicht vor.

Weitere Namen aus der CDU im Gespräch

Neben Ines Claus werden mehrere andere Christdemokratinnen als mögliche Nachfolgerinnen Steinmeiers genannt.

Dazu gehört Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die seit März 2025 das zweithöchste Staatsamt Deutschlands bekleidet.

Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien und die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer stehen auf der Liste möglicher Kandidatinnen.

Kramp-Karrenbauer war bereits Verteidigungsministerin und leitet inzwischen die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Darüber hinaus wird der hessische Ministerpräsident Boris Rhein als möglicher männlicher Kandidat diskutiert.

Unionsfraktionschef Thorsten Frei machte deutlich, dass die Personalentscheidung nicht überstürzt werden solle. Er hält es für wahrscheinlich, dass Deutschland erstmals eine Bundespräsidentin bekommt, wollte sich jedoch nicht auf eine bestimmte Person festlegen.

Die Vielzahl möglicher Kandidaten zeigt, dass die Union noch keine abschließende Einigung erzielt hat.

Kritik aus den Reihen der Grünen

Auch außerhalb der Union stößt die Diskussion auf unterschiedliche Reaktionen.

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour äußerte sich kritisch zur möglichen Kandidatur von Ines Claus. Er verwies auf seine Erfahrungen mit der hessischen Landespolitik und stellte infrage, ob sie die notwendige überparteiliche Autorität für das Bundespräsidentenamt mitbringe.

Nouripour sprach sich stattdessen für Ilse Aigner aus.

Die Kritik verdeutlicht, dass die Auswahl nicht allein eine Angelegenheit der Union ist. Für eine möglichst breite Unterstützung müssen CDU und CSU auch die Positionen anderer Parteien berücksichtigen.

Zwar verfügen Union und SPD in der Bundesversammlung rechnerisch über eine gemeinsame Mehrheit. Die Wahl erfolgt jedoch geheim, sodass die Unterstützung der Parteiführungen keine Garantie für das tatsächliche Abstimmungsverhalten der Wahlleute bietet.

Entscheidung soll im November vorbereitet werden

Am 30. Januar 2027 tritt die Bundesversammlung zusammen, um das neue Staatsoberhaupt zu wählen.

Frank-Walter Steinmeier scheidet nach zwei Amtszeiten am 18. März 2027 aus dem Amt. Eine unmittelbar anschließende dritte Amtszeit ist nach dem Grundgesetz nicht zulässig.

Die Bundesversammlung setzt sich aus den Mitgliedern des Bundestages und einer ebenso großen Zahl von Vertretern zusammen, die von den Landesparlamenten gewählt werden.

In den ersten beiden Wahlgängen ist die absolute Mehrheit der Mitglieder erforderlich. Erst in einem möglichen dritten Wahlgang genügt die relative Mehrheit.

Für Friedrich Merz steht damit eine politisch bedeutsame Personalentscheidung an. Er muss unterschiedliche Interessen innerhalb der Union berücksichtigen und zugleich eine Kandidatur finden, die über die eigenen Parteigrenzen hinaus Unterstützung erhält.

Ines Claus gehört nun zum Kreis der diskutierten Namen. Ob sie tatsächlich von der CDU nominiert wird, entscheidet sich erst im weiteren Auswahlverfahren.

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