Forschung gegen Krebs

Greifswald: 1,34 Millionen Euro für neue Krebstherapie mit Nanoantikörpern

Gezieltere Behandlung wird erforscht

Von Clara Winterfeld 4 Min. Lesezeit

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Dr. Christian Hentschker, Team Ymolution und Abteilung Funktionelle Genomforschung Dr. Alexander Reder, Team Ymolution und Abteilung Funktionelle Genomforschung Prof. Jan Krönke, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin C Prof. Uwe Völker, Interfakultäres Institut für Genetik und Funkti
Dr. Christian Hentschker, Team Ymolution und Abteilung Funktionelle Genomforschung Dr. Alexander Reder, Team Ymolution und Abteilung Funktionelle Genomforschung Prof. Jan Krönke, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin C Prof. Uwe Völker, Interfakultäres Institut für Genetik und Funkti Foto: Universitätsmedizin Greifswald

Greifswald. Die Universitätsmedizin Greifswald und das Biotechnologieunternehmen Ymolution entwickeln gemeinsam einen neuen Ansatz zur Krebsbehandlung. Mithilfe besonders kleiner, synthetisch hergestellter Antikörper wollen die Forschenden krebsrelevante Proteine gezielt erkennen und untersuchen, wie sich diese für künftige Therapien nutzen lassen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert das Projekt mit rund 1,34 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Wolfgang Blank übergab den Förderbescheid am Mittwoch, 28. Oktober 2026, im Greifswalder BioTechnikum.

Nanoantikörper sollen Krebszellen gezielt erkennen

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „OncoImmuNEX“ stehen sogenannte Nanoantikörper. Sie sind deutlich kleiner als herkömmliche Antikörper und können bestimmte Strukturen von Proteinen erkennen und daran binden.

Antikörper werden bereits in verschiedenen Bereichen der Krebsmedizin eingesetzt. Sie ermöglichen es beispielsweise, bestimmte Merkmale von Tumorzellen gezielt anzugreifen.

Allerdings befinden sich viele therapeutisch interessante Proteine innerhalb der Zellen. Für herkömmliche Antikörper sind diese Bereiche nur schwer erreichbar.

Die Greifswalder Wissenschaftler wollen deshalb untersuchen, wie Nanoantikörper auch solche bislang schwer zugänglichen Zielstrukturen erreichen könnten.

„Hierfür sucht unser gemeinsames Projekt eine Lösung“, erklärt Dr. Alexander Reder, Mitgründer von Ymolution.

Zunächst geht es darum, geeignete Nanoantikörper zu entwickeln und ihre Eigenschaften unter Laborbedingungen zu untersuchen. Ein klinisch einsetzbares Medikament ist daraus noch nicht entstanden.

Junges Unternehmen verzichtet bei Herstellung auf Tierversuche

Eine Besonderheit des Projekts ist die Technologie des Greifswalder Unternehmens Ymolution.

Die Anfang 2026 gegründete Firma stellt besonders kleine Antikörper vollständig synthetisch her. Nach Unternehmensangaben werden dafür keine Versuchstiere benötigt.

Die zugrunde liegende Technologie wurde ursprünglich an der Universitätsmedizin Greifswald entwickelt. Diese ist auch als Gesellschafterin an der Unternehmensgründung beteiligt.

Für die weitere Forschung arbeiten Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete zusammen.

Ymolution übernimmt die Entwicklung und Optimierung der Nanoantikörper. Anschließend untersucht die Arbeitsgruppe von Prof. Uwe Völker am Interfakultären Institut für Genetik und Funktionelle Genomforschung, wie präzise die entwickelten Moleküle an ihre jeweiligen Zielproteine binden.

Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um zu beurteilen, ob ein Nanoantikörper für eine mögliche therapeutische Anwendung geeignet sein könnte.

Tumorzellen von Patienten werden im Labor untersucht

Ein weiterer Teil der Forschung findet unter Leitung von Prof. Jan Krönke statt. Er ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin C an der Universitätsmedizin Greifswald.

Gemeinsam mit Prof. Christian Steinebach vom Institut für Pharmazie der Universität Greifswald untersucht sein Team, wie sich die neuen Nanoantikörper gegen ein Protein auf der Oberfläche bestimmter Krebszellen einsetzen lassen.

Darüber hinaus wollen die Forschenden Wege finden, die Moleküle auch im Inneren von Zellen wirksam werden zu lassen.

Für die Untersuchungen nutzen sie etablierte Zelllinien und Tumorzellen von Patienten. Diese werden außerhalb des Körpers unter kontrollierten Laborbedingungen untersucht.

Dadurch können die Wissenschaftler prüfen, wie die Nanoantikörper mit den Krebszellen zusammenwirken und ob sie grundsätzlich für weitere therapeutische Entwicklungen infrage kommen.

Vor einer möglichen Behandlung von Patienten wären allerdings zusätzliche präklinische Untersuchungen und klinische Studien erforderlich.

Land stellt 1,34 Millionen Euro bereit

Das gemeinsame Forschungsvorhaben hat ein Gesamtvolumen von rund 1,6 Millionen Euro.

Davon übernimmt das Land Mecklenburg-Vorpommern rund 1,34 Millionen Euro. Die Förderung erfolgt über das Technologie-Beratungsinstitut TBI.

Wirtschaftsminister Wolfgang Blank übergab den Förderbescheid am Mittwoch im Greifswalder BioTechnikum.

Mit der Unterstützung will die Landesregierung sowohl die medizinische Forschung als auch den Aufbau innovativer Unternehmen stärken.

„Aus neuesten Forschungsergebnissen sollen wirksame medizinische Anwendungen und innovative Unternehmen entstehen – und das made in MV“, erklärte Blank.

Aus Sicht des Ministers zeigt die Unternehmensgründung Ymolution, welches wirtschaftliche Potenzial in der Forschung der Hochschulen und Universitätskliniken des Landes steckt.

Greifswald will Wirkstoffforschung ausbauen

Auch die Universitätsmedizin verspricht sich von dem Vorhaben langfristige Vorteile.

„Mit diesem Vorhaben verbinden wir Grundlagenforschung, klinische Erfahrung und die Entwicklung einer medizinisch nutzbaren Technologie“, erklärte der Wissenschaftliche Vorstand Prof. Karlhans Endlich.

Die Förderung ermögliche es, vielversprechende Ansätze weiterzuentwickeln und die Möglichkeiten der Wirkstoffforschung auszubauen.

Ein wichtiges Ziel besteht darin, die im Projekt entwickelten Verfahren später auch anderen Forschungsgruppen zur Verfügung zu stellen.

Damit könnten die Erkenntnisse über Nanoantikörper über das konkrete Krebsforschungsprojekt hinaus genutzt werden.

Prof. Uwe Völker betont, dass die Forschenden zunächst besser verstehen wollen, wie die kleinen Antikörper mit ihren Zielproteinen zusammenwirken.

Solche Erkenntnisse könnten auch für weitere Projekte zur Entwicklung neuer Wirkstoffe hilfreich sein.

Bis zur Anwendung am Menschen ist weitere Forschung nötig

Ob aus dem Projekt tatsächlich eine neue Krebstherapie entsteht, lässt sich gegenwärtig nicht beurteilen.

Die Wissenschaftler müssen zunächst nachweisen, dass die entwickelten Nanoantikörper ihre Zielstrukturen zuverlässig erkennen und unter geeigneten Bedingungen wirksam werden können.

Anschließend wären Untersuchungen zur Sicherheit und möglichen Wirksamkeit erforderlich, bevor klinische Studien mit Patienten beginnen könnten.

Die Förderung von 1,34 Millionen Euro dient deshalb der Forschung und Entwicklung, nicht der Einführung einer bereits verfügbaren Behandlung.

Für Greifswald ist das Projekt dennoch von wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung. Es verbindet die medizinische Forschung der Universität mit einer jungen Biotechnologiefirma und soll dazu beitragen, neue Technologien am Standort Mecklenburg-Vorpommern weiterzuentwickeln.

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