Bad Langensalza: Forscher entwickeln Schnelltest gegen gefährliche Bienenseuche
Neue Hoffnung für Bienenvölker
Bad Langensalza. Eine gefährliche Bienenkrankheit könnte künftig wesentlich schneller erkannt werden. Wissenschaftler des Forschungszentrums für Medizintechnik und Biotechnologie (fzmb) in Bad Langensalza haben gemeinsam mit dem Länderinstitut für Bienenkunde einen neuartigen Schnelltest entwickelt. Das Verfahren erkennt die Amerikanische Faulbrut innerhalb von nur 15 Minuten und kann dabei zwei besonders wichtige Varianten des Krankheitserregers unterscheiden. Eine entscheidende Verbesserung gegenüber bisherigen Schnelltests. Die Innovation aus Thüringen könnte Imkern helfen, infizierte Bienenvölker früher zu erkennen und eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern.
Gefährliche Krankheit bedroht ganze Bienenvölker
Die Amerikanische Faulbrut zählt zu den gefürchtetsten Krankheiten der Honigbiene.
Verursacht wird sie durch das Bakterium Paenibacillus larvae, das ausschließlich die Bienenbrut infiziert. Erwachsene Bienen erkranken nicht selbst, können den Krankheitserreger jedoch weitertragen.
Besonders gefährdet sind junge Bienenlarven. Gelangen die Bakteriensporen über verunreinigtes Futter in ihren Körper, können sie dort auskeimen und sich vermehren.
Die infizierten Larven sterben schließlich ab.
Das Problem: Die Bakterien bilden extrem widerstandsfähige Sporen, die unter günstigen Bedingungen über Jahrzehnte überleben können.
Sie gelangen beispielsweise über kontaminierte Waben, Honig, Geräte oder räubernde Bienen von einem Bienenvolk zum nächsten.
Wird die Erkrankung nicht frühzeitig entdeckt, kann sie sich innerhalb einer Imkerei und darüber hinaus ausbreiten.
In Deutschland ist die Amerikanische Faulbrut eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bei einem Verdacht müssen die zuständigen Veterinärbehörden eingeschaltet werden.
Thüringer Forscher entwickeln Test für zwei Erregervarianten
Am Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie in Bad Langensalza beschäftigt sich ein Wissenschaftlerteam seit längerer Zeit mit neuen Verfahren zur Diagnose von Bienenkrankheiten.
Gemeinsam mit dem Länderinstitut für Bienenkunde wurde nun ein sogenannter AFB-Duplex-Schnelltest entwickelt.
Seine Besonderheit liegt darin, dass er zwei unterschiedliche Genotypen des Krankheitserregers erkennen kann.
Dabei handelt es sich um die Varianten ERIC I und ERIC II.
Bisher verfügbare Schnelltests weisen nach Angaben des Forschungszentrums lediglich eine dieser beiden Varianten nach.
Das ist problematisch, weil sich die Infektionen unterschiedlich entwickeln.
Beim Genotyp ERIC I sterben die befallenen Larven häufig erst nach der Verdeckelung ihrer Brutzellen. Dabei entstehen die typischen sichtbaren Symptome der Faulbrut.
Anders verläuft die Erkrankung beim Genotyp ERIC II.
Hier können die Larven bereits vor der Verdeckelung sterben. Die charakteristischen Anzeichen der Krankheit bleiben deshalb häufig aus.
Eine Infektion kann dadurch übersehen werden, obwohl der Erreger im Bienenvolk vorhanden ist.
Genau an diesem Punkt setzt die neue Entwicklung aus Bad Langensalza an.
Ergebnis bereits nach 15 Minuten
Der neue Schnelltest funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie die bekannten Corona-Antigentests.
Für die Untersuchung wird eine verdächtige, abgestorbene Bienenlarve benötigt.
Das Probenmaterial wird entsprechend dem Testverfahren aufbereitet und anschließend auf einem speziellen Teststreifen untersucht.
Liegt eine Infektion mit der Amerikanischen Faulbrut vor, kann der Test nach Angaben der Entwickler innerhalb von etwa 15 Minuten ein Ergebnis liefern.
Zugleich lässt sich feststellen, welche der beiden untersuchten Erregervarianten nachgewiesen wurde.
Die Entwickler bezeichnen ihr Verfahren als Lateral-Flow-Assay.
Solche Tests arbeiten mit einer Flüssigkeit, die durch einen speziell beschichteten Teststreifen wandert und dabei eine sichtbare Nachweisreaktion auslösen kann.
Für die Imkerei könnte dies einen erheblichen Fortschritt darstellen.
Denn bisher sind für zahlreiche Untersuchungen auf die Amerikanische Faulbrut aufwendige Laborverfahren erforderlich.
Bei bakteriologischen Untersuchungen von Futterkranzproben können nach Angaben des Forschungszentrums ein bis zwei Wochen vergehen, bevor das Ergebnis feststeht.
Der neue Schnelltest könnte deshalb die Zeit bis zu einer ersten Einschätzung bei verdächtigen Larven deutlich verkürzen.
Allerdings ersetzt er nicht sämtliche bisher eingesetzten Diagnoseverfahren.
Insbesondere der Nachweis von Sporen in Honig oder Futterkranzproben erfordert weiterhin eine geeignete Laboruntersuchung.
Früherkennung kann Ausbreitung der Seuche verhindern
Der wichtigste Vorteil einer schnelleren Diagnose liegt in der Möglichkeit, früher auf einen Krankheitsverdacht zu reagieren.
Wird eine Infektion entdeckt, können die zuständigen Veterinärbehörden notwendige Maßnahmen zur Eindämmung einleiten.
Dazu gehören Untersuchungen weiterer Bienenvölker, die Festlegung von Schutzmaßnahmen und gegebenenfalls die Einrichtung von Sperrbezirken.
Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt vom jeweiligen Infektionsgeschehen ab.
Die Amerikanische Faulbrut lässt sich nicht mit einer einfachen Behandlung wie eine gewöhnliche Infektionskrankheit beseitigen.
Je nach Befallssituation kommen unterschiedliche Sanierungsverfahren infrage. In bestimmten Fällen kann auch die Abtötung erkrankter Bienenvölker angeordnet werden.
Für Imker bedeutet ein Seuchenausbruch daher nicht nur den möglichen Verlust ihrer Tiere.
Auch wirtschaftliche Schäden, zusätzliche Untersuchungen und erhebliche Einschränkungen bei der Bewirtschaftung der Bienenstände können die Folge sein.
Ein zuverlässiger und schneller Nachweis kann helfen, solche Folgen möglichst frühzeitig zu begrenzen.
Warum gesunde Bienen für die Landwirtschaft wichtig sind
Die Bedeutung der Entwicklung reicht weit über einzelne Imkereien hinaus.
Honigbienen spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung zahlreicher Nutzpflanzen.
Obstbäume, Beerensträucher und verschiedene landwirtschaftliche Kulturen profitieren von ihrer Bestäubungsleistung.
Neben der Honigproduktion tragen Bienenvölker damit zur landwirtschaftlichen Erzeugung und zur Stabilität ökologischer Zusammenhänge bei.
Gesunde Bienenvölker sind deshalb sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht von Bedeutung.
Dabei stehen Honigbienen bereits unter verschiedenen Belastungen.
Zu den wichtigsten Problemen gehören Parasiten wie die Varroamilbe, verschiedene Krankheitserreger und die Auswirkungen ungünstiger Umweltbedingungen.
Die Amerikanische Faulbrut stellt eine zusätzliche Gefahr dar.
Besonders problematisch ist, dass sich der Erreger nicht immer sofort durch auffällige Veränderungen im Bienenstock bemerkbar macht.
Ein Test, der auch bisher schwer erkennbare Infektionsverläufe nachweisen kann, könnte die Seuchenüberwachung deshalb sinnvoll ergänzen.
Forschung aus Bad Langensalza mit überregionaler Bedeutung
Das Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie gehört zu den wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen Thüringens.
Seine Wissenschaftler beschäftigen sich mit diagnostischen Verfahren, Medizintechnik, Biotechnologie und Tiergesundheit.
Der Standort in Bad Langensalza verbindet wissenschaftliche Entwicklung mit praktischen Anwendungen.
Bei der Bienengesundheit verfolgt das Forschungszentrum das Ziel, einfache und kostengünstige Untersuchungsverfahren bereitzustellen, die möglichst direkt vor Ort eingesetzt werden können.
Das neue Testverfahren für die Amerikanische Faulbrut ist ein Beispiel für diese Arbeit.
Die Entwicklung zeigt zugleich, welche Bedeutung spezialisierte Forschungseinrichtungen außerhalb großer Universitätsstädte haben können.
In Bad Langensalza entsteht damit eine diagnostische Technologie, deren Einsatzmöglichkeiten weit über Thüringen hinausreichen.
Markteinführung und praktische Anwendung bleiben entscheidend
Trotz der vielversprechenden Entwicklung sind noch wichtige Fragen für den breiten praktischen Einsatz zu klären.
Entscheidend ist unter anderem, wie zuverlässig das Verfahren unter unterschiedlichen Bedingungen arbeitet und wie es in die bestehende veterinärmedizinische Diagnostik eingebunden werden kann.
Auch die Verfügbarkeit und die Kosten für Imker spielen eine wichtige Rolle.
Im Rahmen eines öffentlich geförderten Forschungsvorhabens wird an den Voraussetzungen für die Markteinführung von Schnelltests zur Erkennung von Bienenbrutkrankheiten gearbeitet.
Das Projekt läuft nach den veröffentlichten Angaben bis Ende 2026.
Perspektivisch wird auch ein Vertrieb über Deutschland hinaus angestrebt.
Damit könnte die Entwicklung aus Thüringen künftig für Imkereien in weiteren europäischen Ländern interessant werden.
Ein bereits flächendeckender Einsatz des neuen Verfahrens ist damit allerdings noch nicht belegt.
Ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen die Faulbrut
Mit dem AFB-Duplex-Schnelltest haben Wissenschaftler aus Bad Langensalza ein Verfahren entwickelt, das die Diagnose einer gefährlichen Bienenkrankheit deutlich vereinfachen könnte.
Besonders wichtig ist die Möglichkeit, sowohl den Genotyp ERIC I als auch ERIC II nachzuweisen.
Damit lassen sich auch Infektionen erkennen, die wegen ihrer untypischen Symptome bislang leichter übersehen werden konnten.
Für Imker eröffnet dies die Chance, schneller Gewissheit über verdächtige Krankheitsfälle zu erhalten.
Für Veterinärbehörden könnte die Technologie eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, Infektionsketten früher zu unterbrechen.
Ob und wann der Schnelltest in größerem Umfang eingesetzt wird, hängt von seiner weiteren praktischen Einführung ab.
Die Forschung aus Bad Langensalza zeigt aber bereits jetzt, wie innovative Diagnostik dazu beitragen kann, Bienenvölker besser vor einer gefährlichen Seuche zu schützen.