Jena/Ilmenau. Ein deutliches Signal für den Industriestandort Thüringen: Der Laborgerätehersteller Analytik Jena hat rund 96 Millionen Euro in neue Produktions-, Labor- und Verwaltungsgebäude in Jena und Ilmenau investiert. Am Donnerstag, 15. Oktober 2026, wurde der neue Campus am Gründungsstandort Jena offiziell eingeweiht. Auch der Neubau in Ilmenau ist fertiggestellt und soll am Freitag eröffnet werden. Insgesamt bieten die beiden Standorte Platz für rund 840 Beschäftigte.

Die Investitionen erfolgen in einer Zeit, in der zahlreiche deutsche Industrieunternehmen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zurückhaltenden Investitionsentscheidungen kämpfen. Analytik Jena setzt dagegen auf moderne Produktionskapazitäten, neue Technologien und langfristiges Wachstum.

Hinter dem Unternehmen steht die Schweizer Endress+Hauser-Gruppe, die Analytik Jena seit 2013 zu ihrem Unternehmensverbund zählt.

64 Millionen Euro für einen neuen Campus in Jena

Der größte Teil der Investition entfällt auf den Standort Jena.

Rund 64 Millionen Euro flossen in den Neubau eines modernen Campus-Hauptgebäudes im Stadtteil Göschwitz.

Auf einer Fläche von etwa 15.000 Quadratmetern sind neue Produktions- und Lagerflächen, Büros sowie Labore entstanden.

Das Unternehmen ersetzt damit einen Teil seiner bisherigen Gebäude, deren Ursprünge bis in die 1960er-Jahre zurückreichen.

Der Neubau soll die Voraussetzungen für die Entwicklung und Herstellung moderner Labor- und Analysegeräte deutlich verbessern.

Dabei setzt Analytik Jena auf die räumliche Verbindung von Forschung, Entwicklung und Produktion.

Kürzere Wege zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen sollen die Zusammenarbeit erleichtern und technische Entwicklungsprozesse effizienter gestalten.

Der Campus ist langfristig für bis zu 600 Arbeitsplätze ausgelegt.

Aktuell arbeiten nach Unternehmensangaben rund 420 Beschäftigte am Jenaer Standort.

Ilmenau erhält neuen Produktionsstandort für 32 Millionen Euro

Auch in Ilmenau wurde ein umfangreiches Bauprojekt umgesetzt.

Rund 32 Millionen Euro investierte die Unternehmensgruppe in einen neuen Gebäudekomplex im Gewerbegebiet Am Ehrenberg Ost.

Der Neubau umfasst etwa 10.000 Quadratmeter und bietet Flächen für Produktion, Entwicklung, Logistik, Labore und Verwaltung.

Bisher waren verschiedene Bereiche des Unternehmens auf zwei Standorte in Ilmenau verteilt.

Mit dem Neubau werden diese Aktivitäten an einem gemeinsamen Standort zusammengeführt.

Das soll die Zusammenarbeit zwischen den Beschäftigten verbessern und zusätzliche Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der Produktion schaffen.

Der neue Gebäudekomplex ist für bis zu 240 Arbeitsplätze ausgelegt.

Zum Zeitpunkt der Fertigstellung arbeiten dort zunächst mehr als 80 Beschäftigte.

Die Eröffnung des Ilmenauer Standortes ist für Freitag, 16. Oktober 2026, vorgesehen.

Analytik Jena entwickelt Technik für Labore weltweit

Das Unternehmen gehört zu den international tätigen Herstellern von Analysemesstechnik.

Seine Geräte werden unter anderem in Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen, medizinisch orientierten Laboren und der Umweltanalytik eingesetzt.

Die Technik ermöglicht es beispielsweise, chemische Bestandteile von Proben zu untersuchen oder die Qualität unterschiedlicher Materialien zu kontrollieren.

Eine wichtige Anwendung ist die Untersuchung von Wasser auf mögliche Schadstoffe.

Auch in der pharmazeutischen Forschung und bei der Entwicklung neuer Medikamente werden analytische Messverfahren benötigt.

Weitere Einsatzgebiete finden sich in der Molekularbiologie und in der industriellen Qualitätskontrolle.

In Ilmenau liegt ein Schwerpunkt auf der Entwicklung und Produktion von Messgeräten für die Untersuchung chemischer Elemente und weiterer Bestandteile von Laborproben.

Dazu kommen Systeme, die Proben für die eigentliche Analyse vorbereiten und verarbeiten.

Diese Technologien bilden eine wichtige Grundlage für zahlreiche wissenschaftliche und industrielle Prozesse.

840 Arbeitsplätze an beiden Standorten vorgesehen

Die neuen Gebäude sollen nicht nur modernere Arbeitsbedingungen schaffen, sondern auch weiteres Wachstum ermöglichen.

Zusammen bieten die Standorte in Jena und Ilmenau Kapazitäten für etwa 840 Beschäftigte.

Dabei handelt es sich um die vorgesehene Arbeitsplatzkapazität der Neubauten und nicht um 840 neu geschaffene Stellen.

Bestehende Arbeitsplätze werden in die neuen Gebäude verlagert. Gleichzeitig entstehen räumliche Voraussetzungen für künftige Erweiterungen.

Analytik-Jena-Geschäftsführer Oliver Klaeffling bezeichnete die Investition als Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Moderne Produktions- und Laborbedingungen sollen dazu beitragen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Für Thüringen ist das Projekt deshalb auch ein Signal, dass industrielle Wertschöpfung und hochqualifizierte Beschäftigung an den bestehenden Standorten gehalten und ausgebaut werden sollen.

Neue Gebäude setzen auf Energieeffizienz

Bei der Planung der Neubauten spielte auch der Energieverbrauch eine wichtige Rolle.

Der Jenaer Campus wurde unter anderem mit moderner Wärmerückgewinnung und Photovoltaik ausgestattet.

Hinzu kommt die Nutzung von Fernwärme.

Auch eine Dachbegrünung gehört zum Gebäudekonzept.

In Ilmenau setzt das Unternehmen ebenfalls auf Photovoltaik, ein begrüntes Dach und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der energetischen Eigenschaften.

Damit soll der Betrieb der Gebäude langfristig wirtschaftlicher und ressourcenschonender gestaltet werden.

Gerade für Unternehmen mit energieintensiven Labor- und Produktionsbereichen gewinnt eine effiziente Gebäudetechnik zunehmend an Bedeutung.

Die tatsächlichen Einsparungen werden sich allerdings erst im laufenden Betrieb zeigen.

Thüringen profitiert von internationaler Unternehmensgruppe

Analytik Jena ist eng mit der Industriegeschichte Ostdeutschlands verbunden.

Das Unternehmen wurde 1990 gegründet und gehört zu den Firmen, die nach dem Umbruch der ostdeutschen Wirtschaft neue Geschäftsfelder erschlossen.

Seine Entwicklung ist zugleich eng mit dem traditionsreichen Optik- und Technologiestandort Jena verknüpft.

Aus einem regionalen Unternehmen wurde ein international tätiger Hersteller von Analyse- und Labortechnik.

Seit 2013 gehört Analytik Jena zur Schweizer Endress+Hauser-Gruppe.

Die Unternehmensgruppe ist weltweit in der Mess- und Automatisierungstechnik tätig und investiert in die Entwicklung industrieller Technologien.

Mit den beiden Neubauten setzt sie nun auf eine langfristige Weiterentwicklung ihrer Thüringer Standorte.

Die Investitionsentscheidung zeigt, dass internationale Konzerne auch in Ostdeutschland erhebliche Mittel in moderne Produktions- und Forschungskapazitäten investieren.

Ministerpräsident sieht Stärkung des Technologiestandortes

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) würdigte die Investitionen als wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Freistaates.

Jena und Ilmenau gehören zu den bedeutenden Wissenschafts- und Technologiestandorten Thüringens.

Beide Städte verfügen über Hochschulen, Forschungseinrichtungen und spezialisierte Industrieunternehmen.

Für technologieorientierte Betriebe entstehen daraus Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei Forschung, Entwicklung und der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte.

Besonders die Nähe zur Technischen Universität Ilmenau ist für den dortigen Neubau von Bedeutung.

Auch in Jena profitieren Unternehmen von der engen Verbindung zwischen Wissenschaft und Industrie.

Diese Standortvorteile spielen für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit forschungsintensiver Unternehmen eine wichtige Rolle.

Großinvestition als Signal für die ostdeutsche Industrie

Die Eröffnung der neuen Gebäude ist auch über die beiden Standorte hinaus bemerkenswert.

Während vielerorts über Stellenabbau, Produktionsverlagerungen und hohe Standortkosten diskutiert wird, investiert Analytik Jena gezielt in bestehende ostdeutsche Industriezentren.

Dabei geht es nicht um eine kurzfristige Erweiterung einzelner Produktionslinien, sondern um langfristig angelegte Gebäude für Entwicklung, Produktion und Forschung.

Die Investition schafft zusätzliche räumliche Kapazitäten und verbessert die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum.

Ob und in welchem Umfang daraus weitere Arbeitsplätze entstehen, wird vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens und der internationalen Nachfrage nach Analysemesstechnik abhängen.

Mit der Fertigstellung der beiden Neubauten ist jedoch bereits ein wichtiger Schritt vollzogen.

Für Jena und Ilmenau bedeutet das eine langfristige Stärkung ihrer industriellen Infrastruktur. Für Thüringen insgesamt ist es ein Beispiel dafür, dass moderne Technologieproduktion weiterhin eine wirtschaftliche Perspektive in Ostdeutschland besitzt.