Neue Forschungspartnerschaft in der Lausitz

Medizinische Universität Cottbus und AOK Nordost wollen Versorgungslücken mit Gesundheitsdaten erkennen

Patientendaten sollen Versorgung verbessern

Von Pressemitteilung 8 Min. Lesezeit

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(Martin Ender / MUL – CT): Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Gründungsvorständin Wissenschaft der MUL – CT; Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende AOK Nordost – Die Gesundheitskasse und Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der MUL – CT, nach der Unterzeichnung der Kooperation am 21. Oktobe
(Martin Ender / MUL – CT): Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Gründungsvorständin Wissenschaft der MUL – CT; Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende AOK Nordost – Die Gesundheitskasse und Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der MUL – CT, nach der Unterzeichnung der Kooperation am 21. Oktobe Foto: Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem

Wo fehlen Fachärzte? Welche Behandlungen helfen Patienten tatsächlich? Und wie können die Beiträge der Krankenversicherten möglichst wirksam eingesetzt werden? Antworten auf solche Fragen wollen die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) in Cottbus und die AOK Nordost künftig gemeinsam finden. Beide Einrichtungen haben eine Rahmenvereinbarung zur langfristigen Zusammenarbeit unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen medizinische Behandlungs- und Abrechnungsdaten, die wissenschaftlich ausgewertet werden sollen. Ziel ist es, Versorgungslücken früher zu erkennen, Behandlungsergebnisse zu untersuchen und die Gesundheitsversorgung insbesondere in der Lausitz zu verbessern.

Cottbuser Universitätsmedizin startet neue Forschungspartnerschaft

Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem und die AOK Nordost bauen ihre Zusammenarbeit aus.

Mit einer neuen Rahmenvereinbarung schaffen beide Einrichtungen die Grundlage für gemeinsame Forschungsprojekte im Gesundheitswesen.

Dabei geht es um die Frage, wie medizinische Angebote besser an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet werden können.

Die Universität bringt ihre wissenschaftliche Kompetenz ein. Die Krankenkasse verfügt über umfangreiche Informationen aus dem Versorgungsalltag ihrer Versicherten.

Durch die gemeinsame Auswertung sollen Erkenntnisse entstehen, die bei zukünftigen Entscheidungen über medizinische Angebote helfen können.

Besonders für ländliche Regionen könnte dies von Bedeutung sein.

Denn dort sind die Wege zu Arztpraxen und spezialisierten Behandlungsangeboten häufig länger als in großen Städten.

Diagnosen, Medikamente und Behandlungen werden untersucht

Im Mittelpunkt der Kooperation stehen sogenannte Routinedaten.

Dabei handelt es sich um Informationen, die im Gesundheitswesen ohnehin regelmäßig dokumentiert werden.

Zu ihnen gehören beispielsweise ärztliche Diagnosen, verordnete Medikamente und durchgeführte Behandlungen.

Die Daten entstehen vor allem bei der medizinischen Versorgung und deren Abrechnung.

Für wissenschaftliche Untersuchungen können sie zusätzlich genutzt werden.

Dadurch lassen sich unter anderem Fragen beantworten, die bei der Betrachtung einzelner Patienten nur schwer zu erkennen sind.

Die Forschenden könnten beispielsweise untersuchen, ob bestimmte Patientengruppen medizinische Leistungen seltener in Anspruch nehmen oder welche Behandlungen in der Versorgungspraxis besonders häufig angewendet werden.

Auch Unterschiede zwischen Regionen lassen sich auf dieser Grundlage analysieren.

Die Vereinbarung legt zunächst den Rahmen für die Zusammenarbeit fest. Welche konkreten Untersuchungen durchgeführt werden, soll jeweils gesondert entschieden werden.

Versorgungslücken sollen früher sichtbar werden

Ein wichtiges Ziel ist die bessere Erkennung medizinischer Versorgungsbedarfe.

Wenn bestimmte Behandlungen in einer Region besonders häufig benötigt werden, kann dies ein Hinweis auf einen erhöhten Versorgungsbedarf sein.

Umgekehrt können auffällige Unterschiede bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen Fragen aufwerfen.

So könnte untersucht werden, ob Angebote fehlen, ob Patienten lange Wege zurücklegen müssen oder ob vorhandene Leistungen ausreichend genutzt werden.

Dabei müssen wissenschaftliche Auswertungen verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigen.

Eine geringe Zahl dokumentierter Behandlungen bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass eine medizinische Unterversorgung besteht.

Auch die Altersstruktur der Bevölkerung, bestehende Erkrankungen oder unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten können eine Rolle spielen.

Die Forschenden wollen deshalb aus den Daten belastbare Erkenntnisse über die tatsächliche Versorgung ableiten.

AOK Nordost betreut rund 1,6 Millionen Versicherte

Die AOK Nordost gehört zu den größten gesetzlichen Krankenkassen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Nach eigenen Angaben betreut sie rund 1,6 Millionen Versicherte.

Damit verfügt die Krankenkasse über eine umfangreiche Datenbasis aus dem Gesundheitswesen.

Diese Informationen könnten helfen, Entwicklungen über längere Zeiträume zu untersuchen.

Dazu gehören beispielsweise Veränderungen bei Erkrankungshäufigkeiten, Behandlungen oder der Versorgung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Allerdings sind Krankenkassendaten nicht mit einer vollständigen Erfassung der gesamten Bevölkerung gleichzusetzen.

Sie bilden zunächst die Versorgung der jeweils Versicherten ab.

Für übergreifende Aussagen müssen deshalb mögliche Unterschiede zwischen Versichertengruppen wissenschaftlich berücksichtigt werden.

Datenschutz spielt eine zentrale Rolle

Die geplante Nutzung von Gesundheitsdaten berührt besonders sensible Informationen.

Diagnosen, Behandlungsverläufe und verordnete Medikamente gehören zu den personenbezogenen Daten, für die strenge rechtliche Schutzvorgaben gelten.

Die Kooperationspartner betonen deshalb, dass sämtliche Datenverarbeitungen unter Beachtung der geltenden Datenschutzbestimmungen erfolgen sollen.

Welche technischen Verfahren zur Anonymisierung oder Pseudonymisierung bei den einzelnen Forschungsprojekten eingesetzt werden, wird in der Pressemitteilung nicht näher erläutert.

Auch die konkreten Datenzugriffsrechte und der Umfang möglicher Datensätze wurden noch nicht veröffentlicht.

Diese Fragen werden bei der praktischen Umsetzung der Kooperation eine wichtige Rolle spielen.

Die Rahmenvereinbarung bedeutet nicht, dass Forschende uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche persönlichen Gesundheitsakten der AOK-Versicherten erhalten.

Vielmehr müssen konkrete Forschungsvorhaben innerhalb der jeweils geltenden rechtlichen Voraussetzungen umgesetzt werden.

Universitätsvorstand sieht wichtigen Schritt für die Lausitz

Prof. Dr. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem, bezeichnet die Vereinbarung als wichtigen Schritt für die weitere Entwicklung der Forschung.

Die Zusammenarbeit mit der AOK Nordost bestehe bereits seit dem Beginn des Universitätsaufbaus.

Beide Einrichtungen engagieren sich unter anderem im Innovations- und Netzwerkrat der Modellregion Gesundheit Lausitz.

Dort sollen neue Ansätze für die medizinische Versorgung entwickelt und miteinander verknüpft werden.

Nagel betont, dass die Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung die Grundlage dafür schaffe, wissenschaftliche Erkenntnisse künftig stärker in konkrete Verbesserungen umzusetzen.

Im Mittelpunkt stehe das Ziel, Menschen eine bessere Gesundheitsversorgung und möglichst viele gesunde Lebensjahre zu ermöglichen.

Wissenschaft soll Behandlungsergebnisse messbar machen

Auch Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Gründungsvorständin Wissenschaft der Cottbuser Universitätsmedizin, hebt die Bedeutung der Kooperation hervor.

„Gute Gesundheitsversorgung ist eine gemeinschaftliche Aufgabe“, erklärt sie.

Aus wissenschaftlicher Sicht gehe es darum, Erkenntnisse zu gewinnen, die sowohl die Qualität als auch die Wirtschaftlichkeit der medizinischen und pflegerischen Versorgung verbessern.

Die Kooperation verbinde wissenschaftliche Kompetenz mit konkreten Fragen aus dem Versorgungsalltag.

Für die junge Medizinische Universität sei dies ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung ihrer Forschungsschwerpunkte.

Entscheidend sei letztlich, welchen Nutzen die Ergebnisse für die Menschen hätten.

Damit verfolgt die Universität einen Ansatz, bei dem wissenschaftliche Forschung und praktische Gesundheitsversorgung enger miteinander verbunden werden sollen.

Krankenkasse will Beitragsgelder gezielter einsetzen

Für die AOK Nordost steht neben der Versorgungsqualität auch die wirtschaftliche Verwendung der verfügbaren Mittel im Mittelpunkt.

Vorstandsvorsitzende Daniela Teichert erklärt, dass Versicherte möglichst genau die medizinischen Leistungen erhalten sollen, die sie tatsächlich benötigen.

Die Zusammenarbeit mit der Universität soll helfen, solche Bedarfe besser zu erkennen.

Zugleich möchte die Krankenkasse ihre Beitragsmittel gezielter und effizienter einsetzen.

Dafür sollen bestehende Versorgungskonzepte untersucht und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

Ob durch die Kooperation tatsächlich finanzielle Einsparungen erzielt werden können, ist allerdings noch offen.

Die Vereinbarung selbst enthält keine veröffentlichten Angaben über konkrete Einsparziele oder bereits nachgewiesene Verbesserungen.

Diese müssten erst durch entsprechende Forschungsprojekte und deren Auswertung belegt werden.

Forschung für ländliche Regionen

Die Lausitz steht vor besonderen Herausforderungen bei der medizinischen Versorgung.

Viele Gemeinden sind ländlich geprägt.

Gleichzeitig verändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung.

Damit können sich auch die Anforderungen an ärztliche und pflegerische Angebote verändern.

Für die Versorgung ist beispielsweise wichtig, wo künftig zusätzliche Kapazitäten benötigt werden und wie unterschiedliche medizinische Einrichtungen zusammenarbeiten können.

Eine wissenschaftlich fundierte Betrachtung solcher Entwicklungen könnte helfen, begrenzte Ressourcen besser einzusetzen.

Die neue Kooperation ist deshalb eng mit dem Anspruch der Medizinischen Universität verbunden, innovative Versorgungsmodelle für ländliche Räume zu entwickeln.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nach den Vorstellungen der Partner nicht auf Cottbus beschränkt bleiben.

Auch andere Regionen könnten langfristig von geeigneten Forschungsergebnissen profitieren.

3,7 Milliarden Euro für die neue Universitätsmedizin

Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem wurde am 1. Juli 2024 gegründet.

Sie ist die erste und einzige staatliche Universitätsmedizin Brandenburgs.

Der Aufbau gehört zu den größten Strukturwandelprojekten im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus der Braunkohleförderung.

Bund und Land wollen die Entwicklung der Universität bis 2038 mit insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro unterstützen.

Damit soll Cottbus zu einem bedeutenden Standort für medizinische Versorgung, Forschung und Lehre werden.

Die Universität konzentriert sich insbesondere auf die Gesundheitssystemforschung und die Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Beide Bereiche sollen dazu beitragen, neue medizinische Versorgungsformen zu entwickeln und bestehende Strukturen besser miteinander zu vernetzen.

Erste 38 Medizinstudierende haben begonnen

Zum Wintersemester 2026/2027 hat an der neuen Universität auch die Ausbildung im Studiengang Humanmedizin begonnen.

Die ersten 38 Studierenden wurden in den Modellstudiengang aufgenommen.

Damit übernimmt die Einrichtung neben der Versorgung von Patienten zunehmend auch Aufgaben in der akademischen Ausbildung.

Derzeit beschäftigt die Universitätsmedizin nach eigenen Angaben rund 4.300 Menschen aus mehr als 60 Nationen.

Ab 2028 sollen weitere Studienangebote hinzukommen.

Geplant sind die Masterstudiengänge Advanced Nursing Practice, Medical Data Science und Gesundheitssystemwissenschaften.

Diese Ausrichtung verdeutlicht, dass die Universität nicht allein zusätzliche Ärzte ausbilden möchte.

Auch Pflegewissenschaft, medizinische Datenanalyse und die Organisation des Gesundheitswesens sollen wichtige Bestandteile der akademischen Entwicklung werden.

Gemeinsames Gremium soll Forschungsprojekte koordinieren

Die neue Zusammenarbeit zwischen Universität und Krankenkasse wird durch ein gemeinsames Steuerungsgremium begleitet.

Dieses soll die Kooperation koordinieren und die Entwicklung weiterer Projekte unterstützen.

Neben wissenschaftlichen Untersuchungen sind auch der Austausch von Forschungsergebnissen und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vorgesehen.

Konkrete Projekte müssen jeweils in gesonderten Vereinbarungen festgelegt werden.

Damit ist zunächst die organisatorische Grundlage geschaffen.

Welche medizinischen Fragestellungen zuerst untersucht werden, haben die Partner noch nicht öffentlich bekannt gegeben.

Auch ein Zeitplan für erste Forschungsergebnisse wurde nicht genannt.

Können Gesundheitsdaten die Versorgung tatsächlich verbessern?

Die Zusammenarbeit zeigt, welche Bedeutung medizinische Daten für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens gewinnen.

Sie können Hinweise darauf liefern, wo Patienten besondere Unterstützung benötigen und welche Versorgungsstrukturen gut funktionieren.

Gleichzeitig müssen die Ergebnisse sorgfältig interpretiert werden.

Denn aus Abrechnungsdaten allein lässt sich nicht in jedem Fall beurteilen, warum bestimmte Behandlungen stattfinden oder ausbleiben.

Für belastbare Schlussfolgerungen können deshalb zusätzliche Informationen und wissenschaftliche Untersuchungsmethoden notwendig sein.

Wenn es gelingt, solche Daten verantwortungsvoll auszuwerten, könnten daraus neue Ansätze für eine gezieltere medizinische Versorgung entstehen.

Mit der Rahmenvereinbarung zwischen der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem und der AOK Nordost beginnt nun die Vorbereitung entsprechender gemeinsamer Forschungsprojekte.

Für die Lausitz ist dies ein weiterer Schritt beim Aufbau eines Gesundheits- und Forschungsstandortes, der neue wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar mit den Bedürfnissen der Bevölkerung verbinden soll.

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