Fortschritt in der Neurochirurgie

Görlitz: Neue OP-Technik soll Lähmungen nach Hirneingriffen verhindern

Mehr Sicherheit bei Operationen

Von Clara Winterfeld 3 Min. Lesezeit

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Oberärztin Dr. Peggy Hoche bei der Operation mit dem neuen System.
Oberärztin Dr. Peggy Hoche bei der Operation mit dem neuen System. Foto: Städtisches»Klinikum Görlitz gGmbH

Görlitz. Das Städtische Klinikum Görlitz setzt bei schwierigen Operationen an Gehirn und Rückenmark auf ein neues Überwachungssystem. Die Technik soll Chirurgen helfen, empfindliche Nervenbahnen während eines Eingriffs zu erkennen und dauerhafte Schäden zu vermeiden. Nach Angaben des Krankenhauses wurde das neue Gerät bereits vergangene Woche erstmals erfolgreich eingesetzt.

Nervensystem wird während der Operation überwacht

Bei neurochirurgischen Eingriffen besteht das Risiko, dass wichtige Nervenbahnen verletzt werden. Mögliche Folgen sind Lähmungen, Sprachstörungen oder Einschränkungen des Hör- und Sehvermögens. Besonders anspruchsvoll sind Operationen in Gehirnregionen, die für Bewegung, Sprache und andere grundlegende Körperfunktionen verantwortlich sind.

Um solche Risiken zu verringern, nutzt das Klinikum Görlitz bereits seit 1995 das sogenannte intraoperative Neuromonitoring (IONM). Dabei werden die Funktionen des Nervensystems während einer Operation kontinuierlich überprüft.

Das Krankenhaus hat diese Technik nun durch ein modernes System mit der Bezeichnung ISIS IOM erweitert. Es ermöglicht zusätzliche Untersuchungen und soll den Operateuren während besonders schwieriger Eingriffe präzisere Informationen liefern.

Das Verfahren wird unter anderem bei Hirntumoren, Aneurysmen, Tumoren des Rückenmarks sowie stabilisierenden Operationen an der Wirbelsäule eingesetzt.

Elektrische Signale warnen vor möglichen Nervenschäden

Während der Operation überwacht eine neurophysiologische Fachkraft die Reaktionen des Nervensystems auf einem Bildschirm. Über Elektroden werden schwache elektrische Reize gesetzt, um bestimmte Nervenfunktionen zu überprüfen.

Die Untersuchungen betreffen beispielsweise die Bewegungsfähigkeit, das Gefühlsempfinden sowie das Hör- und Sehvermögen.

Verändern sich die gemessenen Signale, informiert die Fachkraft unmittelbar den Operateur. Dieser kann daraufhin sein Vorgehen anpassen, bevor eine Nervenbahn dauerhaft geschädigt wird.

Das Verfahren ermöglicht damit eine laufende Kontrolle von Körperfunktionen, die während der Operation selbst nicht unmittelbar beobachtet werden können.

Neuer Sauger erkennt empfindliche Nervenbahnen

Eine Besonderheit des neuen Systems ist der sogenannte Mapping-Sauger. Das Instrument verbindet zwei Aufgaben, für die bislang unterschiedliche Geräte erforderlich waren.

Während der Sauger Gewebe und Flüssigkeit aus dem Operationsgebiet entfernt, kann seine rund zwei Millimeter kleine, freiliegende Spitze zugleich elektrische Impulse abgeben.

Nähert sich das Instrument einer wichtigen motorischen Nervenbahn, kann dadurch eine Muskelreaktion ausgelöst werden. Diese wird über Elektroden erfasst und auf dem Monitor angezeigt.

Die Operateure erhalten so unmittelbar Hinweise darauf, wo empfindliche Nervenstrukturen verlaufen.

Bisher musste der Chirurg den Sauger ablegen und eine gesonderte Sonde verwenden, um entsprechende Messungen durchzuführen. Dieser Instrumentenwechsel entfällt nun.

Klinikum verweist auf geringeres Risiko dauerhafter Schäden

Dr. Peggy Hoche, leitende Oberärztin am Städtischen Klinikum Görlitz, verantwortet das Neuromonitoring seit dessen Einführung.

„Der Anspruch ist eine funktionserhaltende Neurochirurgie“, erklärt die Medizinerin.

Sie betont, dass die Vermeidung dauerhafter Einschränkungen für Patienten und Operationsteam gleichermaßen von Bedeutung sei.

„Wir bangen genauso wie unsere Patienten, dass keine Folgeschäden bleiben.“

Nach Angaben der Oberärztin kann das moderne Neuromonitoring dazu beitragen, Lähmungen, Sprachstörungen und den Verlust wichtiger Nervenfunktionen zu verhindern.

Bei Operationen in funktionell bedeutenden Hirnregionen könne die Überwachung laut Studien das Risiko dauerhafter neurologischer Ausfälle um 25 bis 40 Prozent senken.

Die genannte Risikoreduktion ist allerdings keine Garantie für einen komplikationsfreien Eingriff. Das individuelle Operationsrisiko hängt unter anderem von der Erkrankung, ihrer Lage und dem gesundheitlichen Zustand des Patienten ab.

Neurochirurgie in Görlitz wird personell verstärkt

Mit der technischen Modernisierung baut das Städtische Klinikum auch seine personellen Kapazitäten aus.

Eine zusätzliche Mitarbeiterin verstärkt die neurophysiologische Abteilung und wird derzeit für den Einsatz beim intraoperativen Neuromonitoring eingearbeitet.

Das Krankenhaus verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 30 Jahre Erfahrung mit der Überwachung von Nervenfunktionen während neurochirurgischer Eingriffe.

Für Patienten aus Görlitz und der Oberlausitz soll die neue Technik die wohnortnahe Behandlung komplexer Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks weiter verbessern.

Das Klinikum sieht darin einen wichtigen Beitrag zur regionalen medizinischen Versorgung. Eingriffe, die eine umfangreiche Überwachung des Nervensystems erfordern, können dadurch weiterhin unmittelbar in Görlitz durchgeführt werden.

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