Panda-Apothekerin Elisabeth Kutter sorgt mit Aussagen über deutsche Gene für Streit
Umstrittene Rede auf Kundgebung
Bielefeld. Die Auseinandersetzung um die Bielefelder Apothekerin Elisabeth Kutter hat eine neue Wendung genommen. Nachdem die Inhaberin der Panda-Apotheke AfD-Anhänger aufgefordert hatte, ihr Geschäft zu meiden, sorgen nun Äußerungen über die genetische Herkunft von Kindern für Kritik. Bei einer Kundgebung am 22. Oktober 2026 sprach Kutter über einen angeblichen Zusammenhang zwischen dem Erbgut der Eltern und der Intelligenz ihrer Kinder. Für die wissenschaftliche Behauptung nannte sie keine überprüfbare Studie.
Apothekerin spricht über Erbgut und Intelligenz
Ausgangspunkt der erneuten Kontroverse ist ein Videoausschnitt von einer Demonstration vor der Panda-Apotheke an der Radrennbahn in Bielefeld. Dort hatte sich Kutter an die Teilnehmer einer Kundgebung gegen die AfD gewandt.
In ihrer Rede bezog sie sich auf eine angebliche amerikanische Studie, von der ihr vor rund 40 Jahren ein Arzt erzählt habe. Sie räumte ein, die Untersuchung selbst nicht gelesen zu haben.
Nach ihrer Darstellung soll eine größere genetische Unterschiedlichkeit zwischen Eltern dazu führen, dass deren Kinder intelligenter werden. Anschließend stellte sie die rhetorische Frage, welche Folgen es habe, wenn Deutsche ausschließlich mit Deutschen Kinder bekämen.
Die Äußerung wurde in sozialen Netzwerken aufgegriffen und als pauschale Herabsetzung von Menschen deutscher Herkunft kritisiert.
Kutter formulierte in dem bekannten Ausschnitt allerdings keine ausdrückliche Aufforderung, Deutsche sollten keine Kinder miteinander bekommen. Auch die im Internet verbreitete Behauptung, sie habe alle Kinder deutscher Eltern als weniger intelligent bezeichnet, ist in diesem Wortlaut nicht belegt.
Wissenschaftlicher Beleg für die Behauptung fehlt
Die Aussagen werfen auch fachliche Fragen auf. Die Intelligenz eines Menschen ist ein komplexes Merkmal, das von zahlreichen genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen beeinflusst wird.
Dazu gehören unter anderem die gesundheitliche Entwicklung, Ernährung, Bildung und soziale Lebensbedingungen. Ein einfacher Zusammenhang, wonach Kinder allein durch eine unterschiedliche nationale Herkunft ihrer Eltern intelligenter würden, lässt sich daraus nicht ableiten.
Hinzu kommt, dass Nationalität keine eindeutig abgegrenzte genetische Kategorie ist. Die Staatsangehörigkeit zweier Menschen sagt für sich genommen wenig darüber aus, wie ähnlich oder unterschiedlich ihr Erbgut ist.
Welche amerikanische Untersuchung Kutter gemeint haben könnte, bleibt unklar. Eine genaue Quellenangabe oder eine Stellungnahme von Genetikern zu ihrer konkreten Behauptung liegt in den bisher ausgewerteten Berichten nicht vor.
Streit begann mit Video gegen AfD-Wähler
Bereits Mitte Oktober hatte die Apothekerin mit einer politischen Videobotschaft bundesweit Aufmerksamkeit erregt.
Darin erklärte sie, mit Menschen, die die AfD wählen oder unterstützen, kein Geld verdienen zu wollen. Sie bat diese Kunden deshalb, ihre Apotheke zu meiden und stattdessen andere Geschäfte aufzusuchen.
Die Äußerung löste unterschiedliche Reaktionen aus. Während Unterstützer ihr Engagement begrüßten, kritisierten andere die pauschale Ablehnung von Kunden aufgrund ihrer politischen Überzeugungen.
Kutter stellte später klar, dass sie niemandem Medikamente verweigere. Auch AfD-Anhänger würden in ihrer Apotheke ordnungsgemäß versorgt und erhielten den gleichen Service wie andere Kunden.
Apotheken unterliegen in Deutschland besonderen gesetzlichen Versorgungspflichten. Eine tatsächliche Verweigerung notwendiger Arzneimittel allein wegen der politischen Einstellung eines Kunden ist durch die bisherigen Berichte nicht belegt.
AfD veranstaltet Infostand vor der Apotheke
Am Donnerstag, 22. Oktober, errichtete die AfD einen Informationsstand in unmittelbarer Nähe der Panda-Apotheke. An der Aktion beteiligten sich unter anderem die Bundestagsabgeordneten Stephan Brandner und Maximilian Kneller.
Parallel organisierte das Bielefelder Bündnis gegen Rechts eine Gegendemonstration. Nach Angaben des Westdeutschen Rundfunks beteiligten sich rund 600 Menschen an der Kundgebung.
Die Apothekerin und ihre Unterstützer betrachteten den AfD-Infostand als Versuch der Einschüchterung. Kneller wies diese Darstellung zurück. Die Partei wolle darauf aufmerksam machen, dass auch ihre Wähler potenzielle Kunden der Apotheke seien.
Bei dieser Veranstaltung fiel die inzwischen umstrittene Aussage über die genetische Herkunft von Kindern.
Staatsschutz ermittelt wegen Drohungen
Die öffentliche Auseinandersetzung blieb nicht auf politische Meinungsverschiedenheiten beschränkt. Nach Angaben Kutters gingen zahlreiche beleidigende Nachrichten und Drohungen bei ihrer Apotheke ein.
Der Staatsschutz der Polizei Bielefeld nahm Ermittlungen auf. Dabei geht es um mögliche strafbare Äußerungen und Bedrohungen gegen die Apothekerin.
Zusätzlich kursierten manipulierte Videos, die den Eindruck erwecken sollten, Kutter verweigere bestimmten Kunden Medikamente. Solche Darstellungen sind nach den bisherigen Recherchen nicht authentisch.
Auch andere Bielefelder Apotheken gerieten ins Visier negativer Internetbewertungen, obwohl sie an dem Streit nicht beteiligt waren.
Die Apothekerin berichtete zugleich von erheblicher Unterstützung. Nach ihren Angaben stieg der Umsatz ihres Betriebs seit Beginn der Kontroverse deutlich an.
Debatte über politische Haltung und wissenschaftliche Verantwortung
Der Streit verbindet inzwischen mehrere Fragen: Wie weit dürfen Geschäftsinhaber ihre politische Haltung gegenüber Kunden ausdrücken? Welche besonderen Pflichten gelten für Apotheken? Und wie sollten öffentliche Aussagen über genetische Unterschiede und Intelligenz bewertet werden?
Während Kutter ihre Äußerungen gegenüber der AfD als Ausdruck ihrer politischen Überzeugung verteidigt, hat ihre spätere Rede eine zusätzliche Debatte ausgelöst.
Für die Aussagen über das Erbgut fehlt bislang eine konkret benannte wissenschaftliche Grundlage. Ebenso wenig ist belegt, dass Kutter mit ihrer Rede eine bestimmte Bevölkerungsgruppe ausdrücklich von der Fortpflanzung ausschließen wollte.
Eine Stellungnahme der Apothekerin zu der jüngsten Kritik an ihrer Genetik-Aussage konnte bei der Recherche nicht verifiziert werden.