Lebensrettung bei Dunkelheit: Bautzener Rettungshubschrauber trainiert für bundesweit neues Einsatzverfahren
Neue Rettungstechnik für Ostsachsen
Bautzen. In der Oberlausitz beginnen am Montag, dem 26. Oktober 2026, besondere Trainingsflüge für den Rettungshubschrauber „Christoph 62“. Die Besatzungen üben künftig auch in den Abend- und Nachtstunden, Menschen mithilfe einer Rettungswinde aus schwer zugänglichem Gelände zu bergen. Ab dem 1. Januar 2027 soll der in Bautzen stationierte Hubschrauber solche Einsätze auch bei Dunkelheit im öffentlich beauftragten Rettungsdienst übernehmen. Nach Angaben der DRF Luftrettung handelt es sich um ein bundesweit neuartiges Einsatzangebot. Für Anwohner in mehreren Gemeinden zwischen Bautzen und Löbau kann es während der Übungen vorübergehend lauter werden.
Trainingsflüge beginnen in vier Gemeinden
Die Übungen finden in den kommenden Wochen in einem größeren Gebiet der Oberlausitz statt.
Betroffen sind insbesondere die Gemeinden Großpostwitz, Lawalde, Cunewalde und Hochkirch.
Nach Angaben der DRF Luftrettung werden die Trainingsflüge in den Abendstunden und während der ersten Nachthälfte durchgeführt.
Der erste Ausbildungsabschnitt ist vom 26. Oktober bis zum 15. November vorgesehen. Weitere Übungstermine können sich bis in den November erstrecken.
In der ersten Dezemberhälfte soll eine abschließende Ausbildungsphase folgen, die auf drei Trainingstage begrenzt ist.
Die DRF Luftrettung hat das Übungsgebiet bewusst großzügig gewählt, um die Belastungen für die Bevölkerung möglichst gering zu halten.
Die Besatzungen wollen überwiegend in dünn besiedelten Bereichen trainieren und Ortskerne nach Möglichkeit meiden.
Einzelne Überflüge von Wohngebieten lassen sich allerdings nicht vollständig vermeiden.
Rettung per Winde künftig auch nachts
Der Bautzener Rettungshubschrauber verfügt bereits über eine fest installierte Rettungswinde.
Sie ermöglicht es, Rettungskräfte zu verletzten oder erkrankten Menschen abzulassen, wenn eine Landung des Hubschraubers nicht möglich ist.
Solche Situationen können beispielsweise in steilem Gelände, in Wäldern oder an schwer erreichbaren Einsatzorten entstehen.
Bisher war die öffentliche Beauftragung für derartige Windeneinsätze bei Dunkelheit in Deutschland besonders eingeschränkt.
Zum Jahresbeginn 2027 soll sich dies in Bautzen ändern.
Nach Angaben der DRF Luftrettung wird „Christoph 62“ als erster Rettungshubschrauber in Deutschland im Rahmen seiner öffentlich-rechtlichen Beauftragung auch Nachtwindeneinsätze durchführen können.
Die Technik eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, Menschen unabhängig von Tageslicht aus schwierigem Gelände zu retten.
Nachtsichtgeräte helfen den Besatzungen
Die Rettung aus der Luft stellt bei Dunkelheit besonders hohe Anforderungen an Piloten und medizinisches Personal.
Bereits tagsüber müssen Wind, Gelände, Hindernisse und die Bewegungen des Hubschraubers genau berücksichtigt werden.
Nachts kommen eingeschränkte Sichtverhältnisse hinzu.
Die Besatzungen arbeiten deshalb mit speziellen Nachtsichtgeräten, sogenannten Night Vision Goggles.
Diese verstärken vorhandenes Restlicht und erleichtern die Orientierung.
Dennoch ersetzen sie nicht die sorgfältige Vorbereitung und die Erfahrung der Besatzung.
Gerade bei Windenrettungen müssen Pilot, Notarzt und weiteres Rettungspersonal eng zusammenarbeiten.
Die kommenden Übungen dienen dazu, diese Abläufe unter realistischen Bedingungen zu trainieren.
Schnelle Hilfe in der Oberlausitz und darüber hinaus
Der Rettungshubschrauber „Christoph 62“ ist am Flugplatz Bautzen stationiert.
Er wird von der DRF Luftrettung betrieben und steht rund um die Uhr für Einsätze zur Verfügung.
Als Luftfahrzeug kommt ein Airbus H145 mit fünf Rotorblättern zum Einsatz.
Die Maschine verfügt über moderne medizinische Ausstattung und eine Rettungswinde mit einer Seillänge von 90 Metern.
Nach Angaben der DRF Luftrettung kann der Hubschrauber Notfallorte im Umkreis von etwa 60 Kilometern innerhalb von maximal 15 Flugminuten erreichen.
Das Einsatzgebiet umfasst damit weite Teile der Oberlausitz.
Bei Bedarf sind auch überregionale Einsätze möglich.
Besonders in der Sächsischen Schweiz und im Erzgebirge kann die Rettungswinde eine wichtige Rolle spielen.
Dort sind manche Einsatzorte über Straßen oder Wanderwege nur schwer erreichbar.
Neue Möglichkeiten auch in bebauten Gebieten
Der geplante Einsatzbereich beschränkt sich nicht ausschließlich auf Berg- und Waldregionen.
Die DRF Luftrettung nennt ausdrücklich auch schwer zugängliches städtisches Gelände als mögliches Einsatzgebiet.
Dazu können Situationen gehören, in denen Menschen von Einsatzkräften am Boden nur mit erheblichem Aufwand erreicht werden können.
Welche Rettungstechnik im konkreten Notfall eingesetzt wird, entscheidet die zuständige Besatzung anhand der Bedingungen vor Ort.
Dabei stehen die Sicherheit des Patienten und der Rettungskräfte im Mittelpunkt.
Die Windenrettung ist kein Ersatz für gewöhnliche bodengebundene Rettungsdienste.
Sie ergänzt vielmehr die vorhandenen Möglichkeiten in besonderen Einsatzsituationen.
Gemeinsame Ausbildung ist entscheidend
Damit Windeneinsätze bei Nacht sicher durchgeführt werden können, müssen die beteiligten Fachkräfte regelmäßig trainieren.
Zu den Übungen gehören insbesondere die Abstimmung zwischen Pilot und Windenpersonal sowie das sichere Absetzen und Aufnehmen von Rettungskräften.
Auch der Umgang mit möglichen Hindernissen und schwierigen Geländebedingungen spielt eine Rolle.
In der Vergangenheit haben die Bautzener Luftretter bereits mit anderen Rettungsorganisationen zusammengearbeitet.
So fanden beispielsweise Übungen mit Höhenrettern der Berufsfeuerwehr Bautzen statt.
Mit dem neuen Ausbildungsprogramm sollen die Besatzungen nun gezielt auf die erweiterten Einsatzmöglichkeiten vorbereitet werden.
Offizieller Start für Januar geplant
Der Beginn der regulären Nachtwindenrettung ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Bis dahin müssen die erforderlichen Ausbildungsmaßnahmen abgeschlossen werden.
Für die Bevölkerung sind die nächtlichen Trainingsflüge zunächst das sichtbarste Zeichen dieser Entwicklung.
Die DRF Luftrettung bittet Anwohner in den betroffenen Gemeinden um Verständnis für mögliche Fluggeräusche.
Die Übungen sollen sicherstellen, dass die Teams künftig auch bei Dunkelheit zuverlässig helfen können.
Für die Oberlausitz bedeutet die Erweiterung des Rettungsdienstes eine zusätzliche Möglichkeit der Notfallversorgung.
Gerade bei schweren Unfällen oder medizinischen Notfällen in schwer zugänglichem Gelände kann die Rettung aus der Luft von entscheidender Bedeutung sein.