Bundeskanzler reist nach Singapur, Japan und Südkorea – Wirtschaft und Sicherheit im Mittelpunkt

Merz sucht neue Partner in Asien: Deutschland will unabhängiger von China werden

Neue Bündnisse für Deutschland

Von Alexander König 8 Min. Lesezeit

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Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem internationalen politischen Treffen. Vom 26. bis 30. Oktober 2026 besucht er Singapur, Japan und Südkorea, um die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit Deutschlands mit wichtigen asiatischen Partnern zu stärken.
Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem internationalen politischen Treffen. Vom 26. bis 30. Oktober 2026 besucht er Singapur, Japan und Südkorea, um die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit Deutschlands mit wichtigen asiatischen Partnern zu stärken. Foto: Guido Bergmann

Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist am Montag, dem 26. Oktober 2026, zu einer fünftägigen Asienreise aufgebrochen. Die Stationen Singapur, Japan und Südkorea sind bewusst gewählt: Deutschland will seine wirtschaftlichen Beziehungen breiter aufstellen und die Abhängigkeit von China in wichtigen Industriezweigen verringern. Begleitet wird Merz von einer Wirtschaftsdelegation. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen neue Handelsmöglichkeiten, künstliche Intelligenz, Hochtechnologie und die Sicherheit internationaler Lieferketten. Während der Kanzler neue Partnerschaften im Indopazifik knüpfen will, reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahezu zeitgleich nach China.

Deutschland sucht wirtschaftliche Alternativen zu China

Die internationale Wirtschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und der Wettbewerb um wichtige Technologien stellen die deutsche Industrie vor neue Herausforderungen.

Besonders deutlich wird dies im Verhältnis zu China.

Das Land gehört zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Deutsche Automobilhersteller, Maschinenbauunternehmen und Chemiekonzerne sind seit Jahrzehnten eng mit dem chinesischen Markt verbunden.

Gleichzeitig hat sich China zu einem leistungsfähigen Wettbewerber entwickelt.

Chinesische Hersteller gewinnen insbesondere bei Elektrofahrzeugen, Batterien und weiteren Zukunftstechnologien an Bedeutung. Hinzu kommen Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen und industriellen Vorprodukten.

Die Bundesregierung will diese Risiken verringern, ohne den wirtschaftlichen Austausch mit China grundsätzlich aufzugeben.

Singapur, Japan und Südkorea sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.

Alle drei Staaten verfügen über international bedeutende Unternehmen, eine leistungsfähige technologische Infrastruktur und enge wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland.

Erste Station: Singapur

Am Dienstag, dem 27. Oktober, beginnt das offizielle Besuchsprogramm in Singapur.

Merz wird dort mit Premierminister Lawrence Wong zusammentreffen. Auch ein Gespräch mit Präsident Tharman Shanmugaratnam ist vorgesehen.

Singapur gilt als eines der wichtigsten Finanz- und Handelszentren Asiens.

Der Stadtstaat besitzt einen international bedeutenden Hafen und spielt eine wichtige Rolle bei globalen Waren- und Finanzströmen.

Für deutsche Unternehmen ist Singapur zugleich ein Standort für regionale Unternehmenszentralen und Investitionen in Südostasien.

Die Gespräche sollen sich insbesondere mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit, technologischer Entwicklung und Fragen internationaler Sicherheit befassen.

Ein weiterer Programmpunkt ist die sogenannte Singapore Lecture.

Dabei wird Merz eine Grundsatzrede über Deutschlands Rolle im Indopazifik und die Bedeutung internationaler Partnerschaften halten.

Schon vor Reisebeginn hatte der Kanzler betont, dass offene Märkte und verlässliche Handelsregeln zu den Grundlagen des deutschen Wohlstands gehören.

Japan: Zusammenarbeit bei Zukunftstechnologien

Am Mittwoch, dem 28. Oktober, reist der Bundeskanzler nach Japan weiter.

In Tokio wird er von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi empfangen.

Japan gehört zu den führenden Industrienationen der Welt und ist insbesondere im Maschinenbau, in der Automobilindustrie, bei Halbleitermaterialien und in der Robotik international bedeutend.

Deutschland und Japan verbindet eine lange wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Beide Staaten verfügen über starke industrielle Mittelständler und hoch spezialisierte Unternehmen.

Während seines Aufenthalts wird Merz am German-Japanese Business Summit teilnehmen.

Die Veranstaltung soll den Austausch zwischen deutschen und japanischen Unternehmen fördern und neue Kooperationsmöglichkeiten aufzeigen.

Außerdem ist der Besuch eines japanischen Unternehmens vorgesehen, das mit deutschen Partnern zusammenarbeitet.

Für die Bundesregierung steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie beide Volkswirtschaften ihre technologische Wettbewerbsfähigkeit stärken können.

Halbleiterindustrie für Ostdeutschland besonders wichtig

Die geplanten Gespräche in Japan sind auch für ostdeutsche Industriestandorte von Bedeutung.

Insbesondere Sachsen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem wichtigen europäischen Zentrum der Mikroelektronik entwickelt.

In Dresden und Umgebung sind zahlreiche Halbleiterunternehmen, Zulieferer und Forschungseinrichtungen angesiedelt.

Die Branche ist auf internationale Lieferketten angewiesen.

Dazu gehören spezialisierte Maschinen, chemische Materialien, elektronische Bauteile und technische Dienstleistungen.

Japanische Unternehmen zählen in mehreren dieser Bereiche zu den weltweit führenden Anbietern.

Eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit könnte deshalb auch für die Halbleiterindustrie in Sachsen interessant sein.

Ob aus der Reise konkrete zusätzliche Investitionen in Ostdeutschland hervorgehen, ist allerdings noch offen.

Neue Standortentscheidungen oder entsprechende Vereinbarungen wurden vor Reisebeginn nicht bestätigt.

Südkorea: Merz trifft Präsident Lee Jae Myung

Die letzte Station der Reise ist Südkorea.

Am Donnerstag, dem 29. Oktober, wird Merz in Seoul mit Präsident Lee Jae Myung zusammentreffen.

Südkorea gehört zu den bedeutenden Technologie- und Industriestandorten Asiens.

Internationale Konzerne wie Samsung und Hyundai prägen die Wirtschaft des Landes.

Besonders wichtig sind Halbleiter, Batterietechnologie, Elektronik und Fahrzeugbau.

Auch bei der industriellen Nutzung künstlicher Intelligenz gewinnt Südkorea zunehmend an Bedeutung.

Für Deutschland bieten sich damit verschiedene Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Die Bundesregierung möchte insbesondere den wirtschaftlichen Austausch stärken und neue gemeinsame Projekte im Bereich zukunftsweisender Technologien anstoßen.

Konkrete Ergebnisse der Gespräche liegen bislang nicht vor.

Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft.

Merz wird die Veranstaltung am Freitag, dem 30. Oktober, in Seoul eröffnen.

Die Konferenz gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Austauschformaten zwischen Deutschland und der Asien-Pazifik-Region.

Vertreter aus Unternehmen, Politik und Verbänden beraten dort über Handelsbeziehungen, Investitionen und internationale wirtschaftliche Entwicklungen.

Für deutsche Unternehmen ist die Region von erheblicher Bedeutung.

Asiatische Volkswirtschaften gehören zu den wichtigsten Absatzmärkten und Produktionsstandorten weltweit.

Gleichzeitig entstehen dort zahlreiche Technologien, die künftig auch für die deutsche Industrie entscheidend sein könnten.

Zu den zentralen Fragen gehört, wie Unternehmen ihre Lieferketten widerstandsfähiger gestalten und neue Absatzmärkte erschließen können.

Die Bundesregierung betrachtet solche Kooperationen als wichtigen Bestandteil ihrer wirtschaftspolitischen Strategie.

Besuch an der Grenze zu Nordkorea

Neben den wirtschaftlichen Gesprächen steht auch die Sicherheitspolitik auf dem Programm.

Am Freitag will Merz die demilitarisierte Zone an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea besuchen.

Die stark gesicherte Grenzregion trennt beide Staaten seit dem Waffenstillstand von 1953.

Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht geschlossen.

Die koreanische Halbinsel gehört deshalb weiterhin zu den sicherheitspolitisch angespannten Regionen der Welt.

Nordkorea verfügt über ein Atomwaffenprogramm und unterhält enge Beziehungen zu Russland.

Die militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern hat seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine international Aufmerksamkeit erregt.

Mit dem Besuch an der Grenze setzt Merz auch ein diplomatisches Zeichen gegenüber Südkorea.

Die Bundesregierung möchte die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Partnerstaaten im Indopazifik weiter ausbauen.

Steinmeier reist gleichzeitig nach China

Während Merz Singapur, Japan und Südkorea besucht, führt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Gespräche in China.

Beide Reisen beginnen nahezu zeitgleich, verfolgen jedoch unterschiedliche diplomatische Schwerpunkte.

Steinmeier will in Peking unter anderem mit Präsident Xi Jinping sprechen.

Im Mittelpunkt stehen die deutsch-chinesischen Beziehungen und wirtschaftliche Fragen.

Deutschland ist weiterhin stark mit der chinesischen Wirtschaft verflochten.

Besonders die Automobilindustrie ist auf den dortigen Absatzmarkt angewiesen.

Gleichzeitig bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten über wirtschaftliche Wettbewerbsbedingungen, Menschenrechte und internationale Sicherheitsfragen.

Die Bundesregierung verfolgt deshalb das Ziel, bestehende Beziehungen zu erhalten und gleichzeitig wirtschaftliche Risiken zu verringern.

Die beiden Reisen stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinander.

Sie verdeutlichen vielmehr den Versuch, die deutsche Außenwirtschaftspolitik breiter aufzustellen.

Merz will keine vollständige Abkopplung von China

Die Bundesregierung spricht bei ihrer Strategie von einer Diversifizierung der Wirtschaftsbeziehungen.

Gemeint ist damit, dass Unternehmen nicht zu stark von einzelnen Ländern oder Lieferanten abhängig sein sollen.

Neue Handelspartner können helfen, wirtschaftliche Risiken zu verteilen.

Das gilt beispielsweise für kritische Rohstoffe, Halbleiter und andere technisch anspruchsvolle Produkte.

Eine vollständige Abkopplung von China ist nach der bisherigen Linie der Bundesregierung nicht vorgesehen.

China bleibt ein bedeutender Markt und ein wichtiger Bestandteil internationaler Lieferketten.

Der Ausbau neuer Partnerschaften soll deshalb ergänzend erfolgen.

Für deutsche Unternehmen kann eine solche Strategie allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden sein.

Neue Lieferanten müssen gefunden, Geschäftsbeziehungen aufgebaut und Produktionsabläufe gegebenenfalls angepasst werden.

Langfristig können breiter aufgestellte Lieferketten jedoch dazu beitragen, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern.

Auch die deutsche Automobilindustrie steht im Mittelpunkt

Die Veränderungen auf den asiatischen Märkten sind besonders für die deutsche Automobilindustrie relevant.

Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz sind seit vielen Jahren in China aktiv.

Doch die Konkurrenz durch chinesische Anbieter hat erheblich zugenommen.

Vor allem im Bereich der Elektromobilität und bei digitalen Fahrzeugfunktionen stehen deutsche Unternehmen unter Wettbewerbsdruck.

Japan und Südkorea besitzen ebenfalls bedeutende Automobilindustrien.

Zugleich entwickeln dortige Unternehmen wichtige Batterietechnologien und elektronische Komponenten.

Kooperationen können deshalb helfen, neue technische Entwicklungen schneller voranzubringen.

Allerdings sind die asiatischen Hersteller nicht ausschließlich mögliche Partner.

Sie konkurrieren zugleich mit deutschen Unternehmen auf internationalen Märkten.

Eine engere Zusammenarbeit wird deshalb immer auch von wirtschaftlichen Interessen und konkreten Geschäftsmodellen abhängen.

Bundesregierung setzt auf offene Märkte und wirtschaftliche Sicherheit

Merz hatte bereits bei einer Rede in Berlin am 21. Oktober die Bedeutung offener Märkte hervorgehoben.

Freier Handel und internationale Zusammenarbeit seien wichtige Grundlagen des deutschen Wohlstands.

Gleichzeitig müsse Europa auf wirtschaftliche Praktiken reagieren können, die den Wettbewerb verzerren.

Dazu gehören aus Sicht der Bundesregierung unter anderem unfair subventionierte Produkte, Überkapazitäten und aggressive Preispolitik.

Die Reise nach Asien soll deshalb auch die Zusammenarbeit mit Staaten stärken, die auf verlässliche internationale Handelsregeln setzen.

Singapur, Japan und Südkorea gehören zu den Ländern, mit denen Deutschland entsprechende Interessen teilt.

Die Bundesregierung verbindet damit wirtschaftspolitische und sicherheitspolitische Ziele.

Denn die Verfügbarkeit wichtiger Technologien und Rohstoffe besitzt inzwischen auch strategische Bedeutung.

Fünf Tage mit weitreichenden wirtschaftlichen Zielen

Die Asienreise des Bundeskanzlers ist eng mit der Frage verbunden, wie Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern kann.

Singapur bietet Zugang zu wichtigen Handels- und Finanznetzwerken.

Japan gehört zu den führenden Standorten für industrielle Technologien und spezialisierte Zulieferprodukte.

Südkorea besitzt besondere Stärken in der Halbleiter-, Batterie- und Elektronikindustrie.

Für Deutschland sind diese Staaten deshalb wichtige Partner bei der Entwicklung neuer wirtschaftlicher Beziehungen.

Zugleich verdeutlicht der Besuch an der Grenze zu Nordkorea, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit und Sicherheitspolitik zunehmend miteinander verbunden sind.

Ob die Reise konkrete neue Investitionen, Handelsvereinbarungen oder industrielle Kooperationen hervorbringt, wird sich erst nach den Gesprächen zeigen.

Fest steht bereits: Deutschland sucht angesichts wachsender internationaler Spannungen nach zusätzlichen Partnern, um seine wirtschaftlichen Interessen langfristig abzusichern und einseitige Abhängigkeiten zu verringern.

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