Kahla: Betrüger nutzen Insolvenz des Porzellanherstellers mit falschen Onlineshops aus
Kunden melden verdächtige Bestellungen
Kahla. Die angekündigte Schließung des traditionsreichen Porzellanherstellers Kahla ruft offenbar auch Internetbetrüger auf den Plan. Das Thüringer Unternehmen warnt vor mehreren gefälschten Onlineshops, die seine Produkte zu auffällig günstigen Preisen anbieten. Kunden haben bereits berichtet, auf solchen Seiten Bestellungen aufgegeben zu haben. Der Hersteller und die Kanzlei des Insolvenzverwalters prüfen rechtliche Schritte, um die betrügerischen Internetangebote entfernen zu lassen.
Kunden entdecken gefälschte Verkaufsseiten
Nach Angaben des Unternehmens wurde Kahla-Porzellan durch Hinweise von Kunden auf die verdächtigen Internetangebote aufmerksam.
Die Betreiber der Seiten nutzen offenbar den bekannten Namen des Porzellanherstellers, um Käufer anzulocken.
Zu den ausdrücklich beanstandeten Internetadressen gehört „kahla-official.com“.
Diese Website steht nach Angaben des Unternehmens in keiner Verbindung zum Hersteller.
Kahla warnt deshalb davor, dort Produkte zu bestellen oder persönliche Daten einzugeben.
Die Polizei hat mögliche strafrechtliche Folgen und konkrete Schäden aus einzelnen Bestellungen in den bislang ausgewerteten Meldungen nicht abschließend beziffert.
Insolvenz führt zu großem Kundenansturm
Der Hintergrund des möglichen Betrugs ist die wirtschaftliche Krise des Traditionsunternehmens.
Am 7. Oktober wurde die endgültige Schließung des Porzellanwerks bekannt gegeben.
Der Hersteller war 2026 erneut in die Insolvenz geraten. Inzwischen ist die Produktion neuen Porzellans eingestellt worden.
Der große Brennofen wurde nach Unternehmensangaben in der vergangenen Woche endgültig abgeschaltet.
Seit Bekanntwerden der Schließung ist die Nachfrage nach den verbliebenen Beständen erheblich gestiegen.
Im Werksverkauf bildeten sich zeitweise lange Warteschlangen. Viele Kunden wollen sich vor dem endgültigen Ende der Produktion noch Geschirr und andere Produkte des bekannten Herstellers sichern.
Auch der offizielle Onlineshop wurde von der Nachfrage überrascht.
Echter Onlineshop derzeit geschlossen
Nach Angaben von Marketingleiter Jaden Käding musste der offizielle Internetverkauf wegen des hohen Bestellaufkommens vorübergehend eingestellt werden.
Die Mitarbeiter seien mit der Bearbeitung und Verpackung der eingegangenen Bestellungen nicht mehr hinterhergekommen.
Das Unternehmen weist darauf hin, dass es nur einen offiziellen Onlineshop betreibt.
Dieser ist unter [www.kahlaporzellan.com](http://www.kahlaporzellan.com) erreichbar und wird derzeit nicht regulär für neue Bestellungen genutzt.
Eine Wiederaufnahme des Verkaufs soll nach Angaben des Herstellers schrittweise erfolgen.
Der Werksverkauf in Kahla bleibt dagegen geöffnet. Dort können Kunden weiterhin vorhandene Warenbestände erwerben.
Insolvenzverwalter prüft rechtliche Schritte
Auch die Kanzlei des Insolvenzverwalters Rolf Rombach beschäftigt sich mit den gefälschten Internetangeboten.
Gemeinsam mit dem Unternehmen wird geprüft, wie sich die Seiten möglichst schnell abschalten lassen.
Das betrifft insbesondere die unberechtigte Verwendung des Unternehmensnamens und mögliche Täuschungen von Verbrauchern.
Ob bereits Ermittlungen gegen konkrete Betreiber eingeleitet wurden, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor.
Ebenso ist derzeit nicht belegt, wie viele Kunden Geld an die mutmaßlichen Betreiber überwiesen haben.
Die Hinweise der Käufer zeigen allerdings, dass die Angebote zumindest einzelne Verbraucher erreicht haben.
Was Kunden bei verdächtigen Angeboten beachten sollten
Wer im Internet noch Kahla-Porzellan kaufen möchte, sollte besonders auf die genaue Internetadresse achten.
Die offizielle Website des Herstellers lautet [www.kahlaporzellan.com](http://www.kahlaporzellan.com).
Andere Seiten können durch ähnliche Domainnamen, bekannte Produktbilder und auffällige Preisnachlässe den Eindruck erwecken, zum Unternehmen zu gehören.
Ein verdächtiges Angebot sollte deshalb nicht allein aufgrund des verwendeten Markenlogos oder eines professionell wirkenden Internetauftritts als seriös eingestuft werden.
Wer bereits bei einer fragwürdigen Website bestellt hat, sollte seine Zahlungsunterlagen sichern und sich gegebenenfalls umgehend mit seinem Zahlungsdienstleister in Verbindung setzen.
Eine Anzeige bei der Polizei kann helfen, mögliche Betrugsfälle zu dokumentieren.
Für Kahla kommt die Warnung in einer ohnehin schwierigen Situation. Während das Unternehmen seinen verbleibenden Warenbestand verkauft, versuchen offenbar Unbekannte, die außergewöhnlich hohe Nachfrage für eigene Zwecke auszunutzen.