Putin wirbt um Afrika: 48 Staaten bei Russland-Gipfel in Moskau
Moskau baut Beziehungen aus
Moskau. Russland verstärkt seine Bemühungen um politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Afrika. Beim dritten Russland-Afrika-Gipfel, der am Mittwoch, 28. Oktober 2026, in Moskau begonnen hat, treffen Vertreter zahlreicher afrikanischer Staaten mit der russischen Führung zusammen. Nach Angaben des Kremls nehmen Delegationen aus 48 der 54 afrikanischen Länder teil. Die Gespräche drehen sich unter anderem um Energie, Rohstoffe, Handel, Landwirtschaft und militärische Zusammenarbeit.
22 afrikanische Staatschefs angekündigt
Der zweitägige Gipfel findet im Großen Kremlpalast statt.
Nach Angaben des außenpolitischen Beraters von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, haben 48 afrikanische Staaten ihre Teilnahme zugesagt.
22 Länder sollen durch ihre Staatsoberhäupter vertreten sein.
Das Treffen wird von Putin und Burundis Präsident Évariste Ndayishimiye geleitet, der zugleich den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat.
Neben politischen Delegationen wurden rund 4.000 russische und afrikanische Unternehmer zur Veranstaltung eingeladen.
Für die russische Regierung ist der Gipfel ein wichtiger Bestandteil ihrer außenpolitischen Beziehungen zu Staaten außerhalb Europas und Nordamerikas.
Putin spricht von einer neuen Weltordnung
Zum Auftakt des Treffens stellte Putin die Beziehungen zu Afrika in den Zusammenhang einer veränderten internationalen Ordnung.
Russland wolle seine Zusammenarbeit mit Staaten ausbauen, die eine größere Mitsprache bei weltpolitischen Entscheidungen verlangten.
Die russische Regierung stellt sich dabei als Partner dar, der afrikanische Staaten bei ihrer wirtschaftlichen und politischen Eigenständigkeit unterstützen wolle.
Diese Darstellung ist Teil der russischen Außenpolitik.
Mehrere afrikanische Regierungen verfolgen jedoch eigene Interessen und unterhalten zugleich Beziehungen zu europäischen Staaten, den Vereinigten Staaten, China und weiteren Partnern.
Eine Teilnahme am Gipfel bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich ein Staat außenpolitisch auf die Seite Russlands stellt.
Rohstoffe und Energie im Mittelpunkt
Ein wichtiges Thema der Gespräche ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Russland gehört zu den bedeutenden Exporteuren von Getreide und Düngemitteln. Für mehrere afrikanische Länder sind entsprechende Lieferungen wichtig, weil ihre Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung teilweise von internationalen Importen abhängen.
Auch bei der Energieversorgung bietet Moskau Kooperationen an.
Besonders die Nutzung der Kernenergie spielt in russischen Angeboten an afrikanische Staaten eine Rolle.
Der russische Staatskonzern Rosatom arbeitet bereits seit Jahren daran, Verträge über Kernkraftwerke und andere Nuklearprojekte außerhalb Russlands abzuschließen.
Für afrikanische Regierungen können solche Vorhaben langfristige Stromlieferungen und den Ausbau technischer Infrastruktur versprechen.
Gleichzeitig entstehen finanzielle und politische Abhängigkeiten, die bei großen Infrastrukturprojekten über Jahrzehnte bestehen können.
Russische Rüstungsindustrie sucht neue Kunden
Neben Handel und Energie ist auch die militärische Zusammenarbeit Bestandteil der russischen Afrikapolitik.
Am Rande des Gipfels wirbt der staatliche russische Rüstungsexporteur für seine Waffensysteme.
Russland unterhält seit Jahrzehnten militärische Beziehungen zu verschiedenen afrikanischen Staaten.
Diese umfassen unter anderem Rüstungslieferungen, Ausbildung und sicherheitspolitische Zusammenarbeit.
In einigen Ländern ist die russische Präsenz besonders umstritten, weil russische Sicherheitskräfte beziehungsweise russlandnahe bewaffnete Gruppen mit Menschenrechtsvorwürfen konfrontiert sind.
Die wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen sollten deshalb nicht unabhängig von den innenpolitischen Entwicklungen der jeweiligen Partnerstaaten betrachtet werden.
Ghana will Ukraine-Krieg ansprechen
Der Gipfel befasst sich nicht ausschließlich mit Afrika.
Ghanas Präsident John Mahama kündigte an, sich bei Putin für eine Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine einsetzen zu wollen.
Damit bringt ein afrikanischer Teilnehmer einen Konflikt zur Sprache, der auch weitreichende wirtschaftliche Folgen für afrikanische Länder hat.
Steigende Energiepreise und Unsicherheiten bei Getreideexporten können die Lebenshaltungskosten erhöhen und staatliche Haushalte belasten.
Wie Putin auf die Initiative reagieren wird und ob daraus konkrete diplomatische Schritte entstehen, ist noch offen.
Eine Einigung über eine Waffenruhe wurde zum Auftakt des Gipfels nicht bekannt gegeben.
Russland sucht Partner trotz westlicher Sanktionen
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 haben westliche Staaten umfassende Sanktionen gegen Russland verhängt.
Die russische Regierung versucht deshalb verstärkt, Handelsbeziehungen mit anderen Regionen auszubauen.
Afrika spielt in dieser Strategie eine wichtige Rolle.
Dort sieht Moskau Absatzmärkte für Rohstoffe, Energieprodukte, Lebensmittel und Rüstungsgüter. Gleichzeitig bieten afrikanische Staaten Möglichkeiten für Investitionen und politische Zusammenarbeit in internationalen Organisationen.
Die Beziehungen sind jedoch nicht einseitig.
Afrikanische Regierungen versuchen ihrerseits, Investitionen, Infrastrukturprojekte und bessere Handelsbedingungen auszuhandeln.
Ob die Angebote des Gipfels langfristig wirtschaftliche Ergebnisse bringen, hängt daher von konkreten Verträgen, Finanzierungsmöglichkeiten und ihrer tatsächlichen Umsetzung ab.
Gipfel endet am 29. Oktober
Die Gespräche werden am Donnerstag fortgesetzt.
Am zweiten Gipfeltag dürften weitere bilaterale Treffen und mögliche gemeinsame Erklärungen im Mittelpunkt stehen.
Welche Vereinbarungen verbindlich geschlossen werden, lässt sich erst nach Abschluss der Verhandlungen beurteilen.
Mit dem Treffen unterstreicht Russland seine Absicht, seinen Einfluss in Afrika auszubauen.
Für die afrikanischen Teilnehmer bietet der Gipfel zugleich die Möglichkeit, eigene wirtschaftliche und politische Interessen gegenüber Moskau zu vertreten.