Machtkampf nach der Brasilien-Wahl

Bolsonaro-Netzwerk: Wie Trump und Milei mit Brasiliens Rechten verbunden sind

Internationale Verbindungen unter Druck

Von Sebastian Krüger 4 Min. Lesezeit

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Historisches Porträt von Jair Bolsonaro bei einer offiziellen Veranstaltung. Der ehemalige brasilianische Präsident steht im Mittelpunkt eines internationalen politischen Netzwerks, zu dem auch Kontakte zu Donald Trump und Javier Milei gehören.
Historisches Porträt von Jair Bolsonaro bei einer offiziellen Veranstaltung. Der ehemalige brasilianische Präsident steht im Mittelpunkt eines internationalen politischen Netzwerks, zu dem auch Kontakte zu Donald Trump und Javier Milei gehören. Foto: wikipedia

Brasília. Die Familie des früheren brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro verfügt über weitreichende politische Kontakte in die Vereinigten Staaten und nach Argentinien. Besonders eng sind die Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump. Auch Argentiniens Präsident Javier Milei gehört zu den internationalen Politikern, deren Nähe die Bolsonaros gesucht haben. Nach der verlorenen Präsidentschaftswahl vom 25. Oktober 2026 geraten diese Beziehungen erneut in den Mittelpunkt. Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters zeigen, wie amerikanische Regierungsvertreter versucht haben sollen, die Rückkehr der Familie an die Macht zu unterstützen.

Trump-Regierung soll Rückkehr der Bolsonaros unterstützt haben

Nach Recherchen von Reuters engagierten sich zwei hochrangige Mitarbeiter des US-Außenministeriums dafür, den politischen Einfluss der Familie Bolsonaro in Brasilien wiederherzustellen.

Im Mittelpunkt stehen Darren Beattie, ein Berater für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre, und Ricardo Pita, ebenfalls ein ranghoher Mitarbeiter des Ministeriums.

Reuters beruft sich auf zehn gegenwärtige und ehemalige amerikanische Regierungsbeamte, die mit den Vorgängen vertraut sein sollen.

Demnach verfolgten die beiden zunächst das Ziel, Jair Bolsonaro wieder an die Macht zu bringen. Nachdem der ehemalige Präsident wegen seiner Rolle beim versuchten Umsturz nach der Wahl 2022 zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, richtete sich die Unterstützung auf seinen Sohn Flávio Bolsonaro.

Die amerikanischen Beamten sollen sich unter anderem für Sanktionen gegen brasilianische Justizvertreter eingesetzt haben.

Ob sie dabei auf ausdrückliche Weisung Donald Trumps handelten, konnte Reuters nicht feststellen.

Das US-Außenministerium erklärte, seine Maßnahmen dienten dem Schutz amerikanischer Interessen und der Meinungsfreiheit. Das Weiße Haus nahm zu den konkreten Vorwürfen nicht Stellung.

Flávio Bolsonaro verliert Wahl gegen Lula

Flávio Bolsonaro, Senator und ältester Sohn des früheren Präsidenten, trat bei der Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva an.

Bei der Stichwahl am 25. Oktober setzte sich Lula mit rund 51,8 Prozent der Stimmen durch. Flávio Bolsonaro erhielt etwa 48,2 Prozent.

Der unterlegene Kandidat stellte das Ergebnis zunächst infrage und erhob Vorwürfe über mögliche Unregelmäßigkeiten.

Nach Angaben der Wahlbehörden gab es jedoch keine Belege dafür, dass die von Bolsonaro kritisierten organisatorischen Maßnahmen das Wahlergebnis verfälschten.

Die Niederlage bedeutet einen erheblichen Rückschlag für die Familie. Dennoch verfügt das politische Lager der Bolsonaros weiterhin über Einfluss im brasilianischen Kongress und in mehreren Bundesstaaten.

Eduardo Bolsonaro pflegt Kontakte nach Washington

Eine wichtige Rolle in den internationalen Verbindungen spielt Eduardo Bolsonaro, ein weiterer Sohn des ehemaligen Präsidenten.

Der frühere brasilianische Abgeordnete lebt in den Vereinigten Staaten und unterhält enge Kontakte zu politischen Kreisen im Umfeld Donald Trumps.

Er setzte sich öffentlich gegen das Vorgehen brasilianischer Justizbehörden gegen seinen Vater ein.

Die brasilianische Justiz verurteilte Eduardo wegen seiner Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Versuch, ausländischen Druck auf die Justiz auszuüben.

Seine Unterstützer betrachten diese Maßnahmen als politisch motiviert. Die brasilianischen Behörden verweisen dagegen auf die Unabhängigkeit der Justiz und den Schutz staatlicher Institutionen.

Die unterschiedlichen Bewertungen sind Teil des anhaltenden Konflikts über die juristische Aufarbeitung der Ereignisse nach der Präsidentschaftswahl 2022.

Javier Milei als politischer Ansprechpartner

Neben Donald Trump pflegt das Bolsonaro-Lager Kontakte zum argentinischen Präsidenten Javier Milei.

Beide politischen Bewegungen vertreten in mehreren Fragen ähnliche Positionen. Dazu gehören eine kritische Haltung gegenüber linken Regierungen und die Betonung wirtschaftlicher Liberalisierung sowie konservativer gesellschaftspolitischer Forderungen.

Flávio Bolsonaro suchte während seines Wahlkampfs ausdrücklich die Nähe Mileis und weiterer rechtsgerichteter Politiker in Lateinamerika.

Eine gemeinsame politische Organisation oder verbindliche internationale Koalition ist dadurch allerdings nicht nachgewiesen.

Die Kontakte verdeutlichen vielmehr den Versuch, über nationale Grenzen hinweg politische Unterstützung und Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Auch wirtschaftliche Interessen spielen eine Rolle

Die Beziehungen zwischen Washington und dem Bolsonaro-Lager betreffen nicht ausschließlich politische Gemeinsamkeiten.

Brasilien verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen und gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der Vereinigten Staaten und Chinas.

Besonders strategisch bedeutsam sind seltene Erden und andere Rohstoffe, die für Batterien, Elektronik und militärische Technologien benötigt werden.

Reuters berichtete vor der Wahl, dass eine Regierung unter Flávio Bolsonaro voraussichtlich eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Washington angestrebt hätte.

Gleichzeitig hätte Brasilien darauf achten müssen, seine Beziehungen zu China nicht erheblich zu beschädigen.

Nach Lulas Wiederwahl bleibt offen, wie sich die Handelsgespräche mit den Vereinigten Staaten entwickeln.

USA wollen Bolsonaro-Familie einreisen lassen

Nach der Wahlniederlage kam es zu einer weiteren Entwicklung.

Das amerikanische Außenministerium erklärte am 27. Oktober, Flávio Bolsonaro und seine Familienangehörigen könnten Visa für die Einreise in die Vereinigten Staaten erhalten.

Zuvor waren Berichte aufgekommen, dass der Politiker Brasilien verlassen haben könnte. Seine politischen Vertrauten konnten seinen Aufenthaltsort zeitweise nicht bestätigen.

In Brasilien laufen gegen Flávio Bolsonaro Ermittlungen wegen mutmaßlicher Finanzdelikte. Er bestreitet die Anschuldigungen.

Die Gewährung eines Visums bedeutet nicht automatisch die Anerkennung eines Asylantrags. Ob Bolsonaro einen entsprechenden Antrag gestellt hat, ist aus den bislang bestätigten Angaben nicht ersichtlich.

Donald Trump erklärte, die Familie sei in den Vereinigten Staaten willkommen.

Politischer Einfluss trotz Wahlniederlage

Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass die Familie Bolsonaro ihre politische Bedeutung nicht allein aus früheren Regierungsämtern bezieht.

Ihre internationalen Kontakte reichen in amerikanische Regierungskreise, zu konservativen Parteien und zu politischen Bewegungen in Lateinamerika.

Zugleich ist zwischen persönlichen Beziehungen, politischer Unterstützung und nachweisbaren Eingriffen in staatliche Entscheidungsprozesse zu unterscheiden.

Die Reuters-Recherche wirft konkrete Fragen nach dem Einsatz amerikanischer Außenpolitik zugunsten der Bolsonaros auf. Sie belegt jedoch nicht, dass sämtliche genannten Politiker gemeinsam eine koordinierte internationale Strategie verfolgen.

Für Lula beginnt nach seiner Wiederwahl eine weitere Amtszeit unter schwierigen Bedingungen. Die Opposition bleibt stark, und im Kongress verfügen konservative Kräfte weiterhin über erheblichen Einfluss.

Die Familie Bolsonaro hat die Präsidentschaftswahl verloren. Ihre politischen Kontakte nach Washington und in andere lateinamerikanische Hauptstädte bestehen jedoch fort.

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