Auszeichnung für historisches Erbe

Perleberg: Bronzemodell der Sankt-Nicolai-Kirche wird Denkmal des Monats

Bürgerverein erhält besondere Würdigung

Von Helena Markwardt 3 Min. Lesezeit

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Klaus Voigt, Vorsitzender des Bürgervereins Perleberg, Bürgermeister Axel Schmidt und der Künstler Bernd Streiter (v.l.n.r.) am Bronzemodell der Sankt-Nicolai-Kirche.
Klaus Voigt, Vorsitzender des Bürgervereins Perleberg, Bürgermeister Axel Schmidt und der Künstler Bernd Streiter (v.l.n.r.) am Bronzemodell der Sankt-Nicolai-Kirche. Foto: Rolandstadt Perleberg/Renè Hill

Perleberg. Das Bronzemodell der ehemaligen Sankt-Nicolai-Kirche in Perleberg wird als „Denkmal des Monats November“ ausgezeichnet. Die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg übergibt die Ehrung am Donnerstag, 12. November 2026, um 10 Uhr auf dem Sankt-Nicolai-Kirchplatz. Gewürdigt wird dabei auch der Bürgerverein Perleberg, der das Projekt ins Leben gerufen, über Jahre begleitet und den größten Teil der Kosten übernommen hat.

Verschwundene Kirche als Bronzemodell zurückgekehrt

Seit Oktober 2024 erinnert ein detailreiches Bronzemodell auf dem sanierten Sankt-Nicolai-Kirchplatz an das frühere Gotteshaus. Geschaffen wurde es vom Prignitzer Künstler Bernd Streiter gemeinsam mit dem 3D art Studio von Peter Barczewski.

Die ursprüngliche Kirche entstand um das Jahr 1300. Sie gehörte über Jahrhunderte zum Stadtbild Perlebergs, hatte jedoch mit erheblichen baulichen Problemen zu kämpfen.

Der Untergrund in der Nähe des Wassers erwies sich als instabil. Dadurch geriet die Kirche im Laufe der Zeit in Schieflage.

Der Künstler griff diese Besonderheit auf: Auch das Bronzemodell steht bewusst nicht vollkommen gerade auf seinem Sockel.

Ein weiteres historisches Ereignis ist ebenfalls dargestellt. Im Jahr 1632 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein und setzte die Turmspitze in Brand. Am Modell sind deshalb Flammen zu erkennen, die aus dem Turm und dem Dach schlagen.

Um 1770 wurde die Kirche schließlich vollständig abgetragen. Mit dem Bronzemodell ist ihre Geschichte heute wieder unmittelbar am einstigen Standort sichtbar.

Archäologische Funde halfen bei der Rekonstruktion

Die Idee, den ehemaligen Kirchenstandort aufzuwerten, entstand bereits vor mehreren Jahren.

Im Jahr 2018 begannen Bürgergespräche über die künftige Gestaltung des Sankt-Nicolai-Kirchplatzes. Ein Jahr später starteten die Umgestaltungsarbeiten.

Begleitende archäologische Untersuchungen lieferten neue Erkenntnisse über den früheren Kirchenbau und die historische Entwicklung des Platzes.

Diese Ergebnisse nutzte Bernd Streiter für die Gestaltung seines Modells. Dadurch konnte er zahlreiche bauliche Einzelheiten der verschwundenen Kirche rekonstruieren.

Im Mai 2022 wurde der neugestaltete Platz offiziell übergeben. Zwei Jahre später folgte die Aufstellung des Bronzemodells.

Heute können Besucher dort nicht nur die frühere Gestalt der Kirche betrachten, sondern auf einer Bronzetafel auch wichtige Stationen ihrer Geschichte nachlesen.

Bürgerverein trägt Großteil der Kosten

Eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung spielte der Bürgerverein Perleberg.

Der Verein beschäftigte sich bereits seit Langem mit der Frage, wie sich die Geschichte der verschwundenen Kirche wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken ließe.

Nach zahlreichen Gesprächen entstand schließlich die Idee eines dreidimensionalen Kirchenmodells.

Mit Bernd Streiter konnte ein Künstler gewonnen werden, mit dem der Verein bereits bei der Gestaltung der Lotte-Lehmann-Büste zusammengearbeitet hatte.

„Wir haben mit ihm schon bei der Lotte-Lehmann-Büste zusammengearbeitet und waren mit seiner Arbeit sehr zufrieden“, erklärt der Vereinsvorsitzende Klaus Voigt.

Der Bürgerverein begleitete das Vorhaben von der Planung bis zur Fertigstellung und übernahm nach Angaben der Stadt den überwiegenden Teil der Finanzierung.

Die Auszeichnung soll deshalb nicht allein das Kunstwerk würdigen, sondern ausdrücklich auch den ehrenamtlichen Einsatz der Vereinsmitglieder.

Seit fast 30 Jahren für Perlebergs Stadtgeschichte aktiv

Der Bürgerverein Perleberg wurde 1997 gegründet und zählt heute knapp 150 Mitglieder.

In den vergangenen Jahrzehnten hat er zahlreiche Vorhaben zur Pflege und Vermittlung der Stadtgeschichte umgesetzt.

Dazu gehören das bronzene Stadtmodell, das steinerne Stadtwappen und die Restaurierung historischer Figuren am Knaggenhaus.

Auch die Beschilderung geschichtsträchtiger Gebäude geht auf das Engagement des Vereins zurück.

Darüber hinaus beteiligte er sich an der Finanzierung der Gottfried-Arnold-Büste, die ebenfalls vom Künstler Bernd Streiter geschaffen wurde.

Mit diesen Projekten trägt der Bürgerverein dazu bei, historische Persönlichkeiten, Bauwerke und Ereignisse dauerhaft im Stadtbild sichtbar zu halten.

Auszeichnung am 12. November mit Altstadtrundgang

Die feierliche Übergabe der Auszeichnung findet am Donnerstag, 12. November 2026, um 10 Uhr direkt am Bronzemodell auf dem Sankt-Nicolai-Kirchplatz statt.

Die Stadt Perleberg lädt ausdrücklich alle interessierten Bürger zur Teilnahme ein.

Im Anschluss ist ein geführter Rundgang durch die historische Altstadt geplant. Dabei werden verschiedene Projekte vorgestellt, die der Bürgerverein in den vergangenen Jahren verwirklicht hat.

Gegen 11.30 Uhr soll die Veranstaltung im Großen Sitzungssaal des Perleberger Rathauses ausklingen.

Mit der Auszeichnung „Denkmal des Monats“ rückt die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen ein Projekt in den Mittelpunkt, das historische Forschung, künstlerische Gestaltung und bürgerschaftliches Engagement miteinander verbindet.

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