Automobilindustrie im Wandel

VW Zwickau zerlegt jetzt Autos – 90 Millionen Euro für neues Geschäftsfeld

Recycling statt nur Neuwagen

Von Christian Richter 3 Min. Lesezeit

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CE-Demontagelinie in Zwickau: Abbau der Hinterachse
CE-Demontagelinie in Zwickau: Abbau der Hinterachse Foto: Volkswagen AG

Im Volkswagen-Werk Zwickau hat eine neue industrielle Demontagelinie ihren Betrieb aufgenommen. Während die deutsche Automobilindustrie unter Kostendruck und Stellenabbau leidet, investiert VW am sächsischen Standort in die Wiederverwertung von Fahrzeugen und Bauteilen.

Neue Demontagelinie in Zwickau eröffnet

Am Mittwoch, 28. Oktober 2026, eröffnete Volkswagen im Fahrzeugwerk Zwickau eine industrielle Demontagelinie.

Die Anlage verfügt über acht Arbeitsstationen und soll zunächst für Vorserienfahrzeuge sowie perspektivisch für ältere Autos eingesetzt werden.

Dabei werden Fahrzeuge systematisch zerlegt. Noch verwendbare Komponenten sollen aufbereitet und erneut verkauft werden, während andere Materialien in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden.

Volkswagen will damit einen neuen Geschäftsbereich aufbauen, der langfristig zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven für den Standort schaffen soll.

Nach Angaben des Unternehmens beginnt nun der schrittweise Hochlauf des Demontagebetriebs.

Bereits 100 Mitarbeiter wurden für die neuen Aufgaben umgeschult. Sie sollen ab 2027 in dem Bereich eingesetzt werden.

Volkswagen Newsroom

Bis zu 15.000 Fahrzeuge pro Jahr

Für 2027 ist zunächst die Demontage von rund 4.100 Vorserien- und Altfahrzeugen im Zweischichtbetrieb vorgesehen.

Langfristig strebt Volkswagen eine deutlich höhere Kapazität an. Nach bisherigen Planungen sollen künftig bis zu 15.000 Fahrzeuge jährlich zerlegt werden können.

Das neue Geschäftsfeld ist Teil eines sogenannten Circular Economy Hubs, mit dem VW die Kreislaufwirtschaft stärker in die industrielle Produktion integrieren will.

Dabei geht es nicht allein um das Recycling von Metallen und Kunststoffen.

Besonders wertvoll sind funktionsfähige Fahrzeugteile, die nach einer Prüfung erneut verwendet oder als Ersatzteile verkauft werden können.

Freistaat Sachsen unterstützt das Projekt

Volkswagen plant nach Angaben von Reuters Investitionen von bis zu 90 Millionen Euro in den neuen Recyclingbereich.

Der Freistaat Sachsen unterstützt den Aufbau mit rund 10,7 Millionen Euro.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter bezeichnete das Vorhaben bei der Eröffnung als wichtigen Schritt für die industrielle Zukunft des Standorts.

Mit dem Projekt betritt Zwickau nach Einschätzung des Ministeriums technologisches Neuland innerhalb des VW-Konzerns.

Bereits bei der Umstellung auf die Elektromobilität hatte das Werk eine Vorreiterrolle übernommen. Nun soll sich die Anlage erneut als Standort für neue Produktionsverfahren etablieren.

Medienservice Sachsen

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Forscher zweifeln an kurzfristiger Wirtschaftlichkeit

Ob sich die Zerlegung alter Fahrzeuge bereits heute wirtschaftlich rechnet, ist umstritten.

Der Chemnitzer Fraunhofer-Forscher Thomas Hipke erklärte gegenüber dem MDR, dass die Wiederverwertung vieler Materialien bislang teurer sei als der Einkauf neuer Rohstoffe.

Zusätzliche Kosten entstehen beim Einsammeln, Sortieren, Reinigen und Aufbereiten der Materialien.

Die Europäische Union schreibt bereits hohe Verwertungsquoten für Altfahrzeuge vor. Ohne solche rechtlichen Vorgaben wäre der wirtschaftliche Anreiz zum Recycling nach Einschätzung des Forschers deutlich geringer.

Anders sieht es bei funktionsfähigen Ersatzteilen aus.

Diese lassen sich teilweise mit vergleichsweise geringem Aufwand erneut verkaufen und können damit einen erheblichen Teil der Einnahmen erwirtschaften.

Langfristig könnten steigende Rohstoffpreise und eine stärkere Nachfrage nach wiederverwendeten Materialien das Geschäftsmodell zusätzlich verbessern.

tagesschau.de

Können damit Arbeitsplätze gerettet werden?

Die Investition erfolgt vor dem Hintergrund erheblicher Veränderungen in der europäischen Automobilindustrie.

Volkswagen steht unter Druck, Produktionskosten zu senken und bestehende Kapazitäten anzupassen.

Auch der Standort Zwickau ist von dieser Entwicklung betroffen.

Reuters berichtet, dass die neue Recyclinganlage langfristig Perspektiven für bis zu 1.000 Arbeitsplätze eröffnen könnte. Eine Garantie für diese Beschäftigtenzahl ist das Projekt allerdings nicht.

Die zunächst vorgesehenen 100 Mitarbeiter machen deutlich, dass sich der neue Geschäftsbereich noch in einer frühen Phase befindet.

Ob aus dem Recycling ein dauerhaft profitables Geschäft entsteht, wird wesentlich davon abhängen, welche Mengen verarbeitet werden können und welche Erlöse aus gebrauchten Komponenten und Rohstoffen erzielt werden.

Für Zwickau ist die Eröffnung deshalb ein wichtiges industriepolitisches Signal, aber noch keine vollständige Antwort auf die Zukunftsfragen des Automobilstandorts.

Themen: SachsenVolkswagenVW ZwickauAutomobilindustrieKreislaufwirtschaftArbeitsplätzeInvestitionenRecycling

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