Geschäftsidee aus Nordrhein-Westfalen

Weihnachtsbaum ohne Nadeln: Start-up ArtiTree setzt auf künstliche Tannen

Weihnachtsbäume für viele Jahre

Von Paul Berger 4 Min. Lesezeit

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Festlich geschmückte künstliche Weihnachtsbäume der Marke ArtiTree in einem gemütlichen Wohnzimmer. Das Unternehmen aus Nettetal setzt auf naturgetreue Optik und langlebige Weihnachtsdekoration aus Polyethylen.
Festlich geschmückte künstliche Weihnachtsbäume der Marke ArtiTree in einem gemütlichen Wohnzimmer. Das Unternehmen aus Nettetal setzt auf naturgetreue Optik und langlebige Weihnachtsdekoration aus Polyethylen. Foto: ArtiTree GmbH

Ein Weihnachtsbaum, der nicht nadelt, keinen Harz verliert und jedes Jahr erneut aufgestellt werden kann: Mit dieser Idee gründeten zwei Cousins aus Nettetal gemeinsam mit einem Weihnachtsbaumzüchter das Unternehmen ArtiTree. Das Start-up entwickelt künstliche Weihnachtsbäume, die echten Nordmanntannen möglichst ähnlich sehen sollen und nach Unternehmensangaben über viele Jahre verwendet werden können.

Das Unternehmen setzt dabei auf hochwertiges Polyethylen statt herkömmlichem PVC. Neben einem naturgetreuen Erscheinungsbild spielen für die Gründer die Wiederverwendbarkeit, eine möglichst lange Lebensdauer und die Verpackung der Produkte eine wichtige Rolle.

Zwei Cousins und ein Weihnachtsbaumzüchter

Die Geschichte von ArtiTree begann Weihnachten 2022. Jan und Björn, zwei Cousins aus Nettetal in Nordrhein-Westfalen, suchten für ihre Wohnungen künstliche Weihnachtsbäume. Doch die angebotenen Modelle entsprachen nach eigenen Angaben weder ihren optischen noch ihren qualitativen Vorstellungen.

Die beiden beschlossen deshalb, einen eigenen künstlichen Weihnachtsbaum zu entwickeln.

Unterstützung erhielten sie von Michael, einem ortsansässigen Weihnachtsbaumzüchter. Obwohl dessen Geschäft eigentlich auf natürlichen Weihnachtsbäumen beruhte, erkannte er einen Markt für künstliche Alternativen.

Einige seiner langjährigen Kunden konnten aufgrund von Allergien oder Asthma keine echten Weihnachtsbäume mehr aufstellen. Gemeinsam entwickelten die drei Unternehmer die Idee, das Aussehen und die Haptik eines natürlichen Baumes mit der Langlebigkeit eines künstlichen Produkts zu verbinden.

Im Jahr 2023 gründeten sie die ArtiTree GmbH. Jan und Björn übernahmen die Geschäftsführung, Michael wurde Prokurist.

Künstliche Weihnachtsbäume aus Polyethylen

Bei der Produktentwicklung entschieden sich die Gründer bewusst gegen PVC und für Polyethylen, kurz PE.

Nach Unternehmensangaben bestehen die angebotenen Bäume vollständig aus diesem Kunststoff. Die Zweige sollen dadurch eine möglichst naturgetreue Form und Oberfläche erhalten.

Besonderes Augenmerk legten die Entwickler auf Details, die bei künstlichen Weihnachtsbäumen häufig auffallen. So besitzt der Baumstamm eine Ummantelung in Rindenoptik. Eine stabilisierte Spitze soll verhindern, dass schwererer Baumschmuck den oberen Teil des Baumes herunterzieht.

Zum Lieferumfang gehören ein Holzständer und eine Aufbewahrungstasche.

Das Sortiment umfasst verschiedene künstliche Weihnachtsbäume, darunter Modelle mit integrierter LED-Beleuchtung. Hinzu kommen kleinere Bäume im Topf, Kränze, Girlanden und Weihnachtsdekoration.

Die Entwicklung verlief nach Darstellung des Unternehmens nicht ohne Schwierigkeiten. Zahlreiche Entwürfe und Muster wurden hergestellt, verändert oder verworfen, bevor die ersten Produkte marktreif waren.

Können künstliche Weihnachtsbäume nachhaltiger sein?

ArtiTree bezeichnet Nachhaltigkeit als einen wesentlichen Bestandteil seiner Unternehmensphilosophie.

Die künstlichen Weihnachtsbäume sollen nach Herstellerangaben etwa zwölf bis 15 Jahre verwendet werden können. Dadurch entfällt der jährliche Kauf und die anschließende Entsorgung eines natürlichen Weihnachtsbaumes.

Das Unternehmen verweist außerdem auf FSC-zertifizierte Kartonagen und Baumständer aus entsprechend zertifiziertem Holz. Bei der Verpackung werden nach eigenen Angaben biologisch abbaubare Kordeln statt Kunststoffbändern verwendet.

Zurückgesandte Produkte sollen aufbereitet und erneut angeboten werden, anstatt sie unmittelbar zu entsorgen.

ArtiTree unterstützt zudem über eine Partnerschaft mit Planet Tree Baumpflanzungen.

Ob ein künstlicher Weihnachtsbaum über seine gesamte Nutzungsdauer tatsächlich klimafreundlicher ist als ein natürlich gewachsener Baum, lässt sich aus diesen Angaben jedoch nicht ableiten.

Für einen belastbaren Vergleich müssten unter anderem die Kunststoffherstellung, Transportwege, die tatsächliche Nutzungsdauer sowie Anbau und Entsorgung natürlicher Weihnachtsbäume berücksichtigt werden. Eine entsprechende unabhängige Ökobilanz enthält das Unternehmensmaterial nicht.

Vorteile für Allergiker und Familien

Neben der Wiederverwendbarkeit nennt ArtiTree weitere praktische Vorteile seiner Produkte.

Anders als natürliche Weihnachtsbäume verlieren die künstlichen Modelle keine Nadeln und geben kein Harz ab. Sie können bereits Wochen vor Weihnachten aufgestellt werden, ohne während dieser Zeit auszutrocknen.

Das Unternehmen bewirbt seine Produkte außerdem als geeignet für Menschen mit Allergien oder Asthma. Nach eigenen Angaben enthalten die verwendeten Materialien keine Weichmacher, PFAS oder Pestizide.

Auch eine schwere Entflammbarkeit sowie die Einhaltung europäischer Brandschutzanforderungen werden vom Hersteller angeführt. Die Angaben stammen aus dem Unternehmens-Factsheet; unabhängige Prüfberichte liegen der Redaktion nicht vor.

Für Familien mit Kindern oder Haustieren könnte insbesondere der Verzicht auf herabfallende Nadeln und Harz interessant sein.

Allerdings bleibt auch bei künstlichen Weihnachtsbäumen ein sachgemäßer Umgang mit elektrischer Beleuchtung und Wärmequellen notwendig.

Ein Unternehmen, das sich ganz auf Weihnachten konzentriert

Am Firmensitz in Nettetal beschäftigt sich das ArtiTree-Team ganzjährig mit Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb und Kundenbetreuung.

Ein nahegelegenes Lager übernimmt Versand und Logistik.

Während natürliche Weihnachtsbäume vor allem im November und Dezember verkauft werden, müssen Anbieter künstlicher Modelle ihre Produkte langfristig entwickeln, lagern und vermarkten.

Für ArtiTree steht dabei die Idee im Mittelpunkt, einen Weihnachtsbaum nicht nur für eine Saison, sondern für viele aufeinanderfolgende Weihnachtsfeste anzuschaffen.

Ob sich die künstlichen Tannen langfristig als wirtschaftliche und ökologische Alternative durchsetzen, hängt neben dem Preis vor allem von ihrer tatsächlichen Haltbarkeit und der Akzeptanz bei den Verbrauchern ab.

Themen: VerbraucherNachhaltigkeitEinzelhandelStart-upWeihnachtsbaumWeihnachten 2026Künstliche WeihnachtsbäumeArtiTree

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