Gen-Z-Proteste und Halloween

Berlin vor Großdemonstrationen: 1.500 zusätzliche Polizisten im Einsatz

Zehntausende Menschen erwartet

Von Sebastian Krüger 4 Min. Lesezeit

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Links sind mehrere ausgerüstete Polizeibeamte bei einem Einsatz in Berlin zu sehen. Rechts zeigt die Bildmontage ein mit Holzplatten gesichertes Geschäft am Kurfürstendamm. Hintergrund sind die angekündigten Gen-Z-Demonstrationen am 31. Oktober 2026, auf die sich die Berliner Polizei mit zusätzliche
Links sind mehrere ausgerüstete Polizeibeamte bei einem Einsatz in Berlin zu sehen. Rechts zeigt die Bildmontage ein mit Holzplatten gesichertes Geschäft am Kurfürstendamm. Hintergrund sind die angekündigten Gen-Z-Demonstrationen am 31. Oktober 2026, auf die sich die Berliner Polizei mit zusätzliche Foto: Berliner Polizei

Berlin bereitet sich am Samstag, 31. Oktober 2026, auf einen Großeinsatz der Polizei vor. Die Initiative „Gen Z regelt“ hat zu Demonstrationen gegen steigende Lebenshaltungskosten, eine mögliche Wehrpflicht und unzureichende Investitionen in Bildung und Klimaschutz aufgerufen. Allein am Brandenburger Tor werden rund 10.000 Menschen erwartet. Die Polizei setzt angesichts mehrerer Kundgebungen und der gleichzeitig stattfindenden Halloween-Feierlichkeiten etwa 1.500 zusätzliche Beamte ein.

Die Behörden rechnen mit einem überwiegend friedlichen Protestverlauf, sehen bei einer zweiten Demonstration am Rosenthaler Platz jedoch ein erhöhtes Konfliktpotenzial. Einzelne Geschäfte am Kurfürstendamm haben vorsorglich ihre Schaufenster gesichert.

Zehntausend Demonstranten am Brandenburger Tor erwartet

Die zentrale Berliner Kundgebung beginnt um 14 Uhr am Brandenburger Tor. Sie ist Teil eines bundesweiten Protesttages, für den die Initiative „Gen Z regelt“ Veranstaltungen in zahlreichen Städten angekündigt hat.

Die Proteste richten sich insbesondere an junge Menschen, die sich angesichts steigender Mieten, hoher Lebenshaltungskosten und unsicherer beruflicher Perspektiven politisch stärker einbringen wollen.

Auch eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht und der Ausbau staatlicher Überwachung gehören zu den Themen der Demonstrationen.

Nach Einschätzung der Berliner Polizei sind die angekündigten 10.000 Teilnehmer am Brandenburger Tor eine realistische Größenordnung. Die Veranstalter wollen ihre Forderungen friedlich vortragen.

Für diese Kundgebung sieht die Polizei bislang nur ein geringes Konfliktpotenzial.

Zweite Demonstration am Rosenthaler Platz gilt als schwieriger

Anders bewertet die Polizei einen weiteren Protestzug, der um 17.30 Uhr am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte beginnen soll.

Unter dem Motto „Gen Z hat genug!“ werden zunächst etwa 400 bis 500 Teilnehmer erwartet. Die tatsächliche Zahl könnte nach Einschätzung der Polizei höher ausfallen.

Die Veranstalter werden dem linken politischen Spektrum zugeordnet. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wird auch innerhalb der linksextremistischen Szene für die Demonstration mobilisiert.

Darüber hinaus rechnet die Polizei mit Teilnehmern aus der propalästinensischen Protestbewegung.

Die angemeldete Route führt vom Rosenthaler Platz unter anderem über die Kastanienallee, die Schönhauser Allee und die Danziger Straße bis zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee.

Dass Personen aus unterschiedlichen politischen Gruppen teilnehmen könnten, bedeutet allerdings nicht, dass es zwangsläufig zu Gewalt kommt.

Geschäfte am Kurfürstendamm sichern ihre Schaufenster

Die Bilder schwerer Ausschreitungen bei vergleichbaren Protesten in Frankreich und Italien haben auch in Deutschland Befürchtungen ausgelöst.

In Berlin haben einzelne Geschäfte am Kurfürstendamm deshalb vorsorglich Schutzmaßnahmen ergriffen. Dazu gehört die Sicherung von Schaufenstern.

Nach einem Bericht der B.Z. wurden entsprechende Vorkehrungen unter anderem an einem Rolex-Geschäft getroffen.

Die Berliner Polizei sieht für die Hauptstadt allerdings keine konkreten Hinweise auf organisierte Plünderungen.

Polizeisprecher Jörn Iffländer erklärte bereits am Freitag, dass den Behörden keine Erkenntnisse über eine gezielte Mobilisierung zu schweren Gewalttaten vorliegen.

Auch der Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg sieht nach Gesprächen mit den Sicherheitsbehörden keinen Anlass für flächendeckende Schutzmaßnahmen an Geschäften.

Polizei hält Wasserwerfer bereit

Die Berliner Polizei bereitet sich dennoch auf unterschiedliche Einsatzlagen vor.

Rund 1.500 zusätzliche Einsatzkräfte sollen am Samstag für Sicherheit sorgen. Unterstützung kommt unter anderem von der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern.

Auch Wasserwerfer stehen vorsorglich bereit.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Sicherheitsbehörden auf mögliche Störungen vorbereitet seien.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, friedliche Demonstrationen müssten geschützt werden. Bei gewalttätigen Ausschreitungen werde die Polizei jedoch konsequent eingreifen.

Die Einsatzplanung berücksichtigt neben den politischen Versammlungen auch zahlreiche Halloween-Veranstaltungen und die damit verbundenen Menschenansammlungen.

Weitere Demonstrationen in Berlin angemeldet

Neben den beiden Gen-Z-Veranstaltungen finden am Samstag weitere politische Kundgebungen in der Hauptstadt statt.

Am Platz des 18. März ist zwischen 14 und 19 Uhr eine Demonstration gegen die Wehrpflicht angemeldet. Die Teilnehmer fordern unter anderem mehr Geld für Schulen, Klimaschutz und bezahlbares Wohnen.

Am Wittenbergplatz beginnt um 15 Uhr ein Protestzug gegen die iranische Regierung. Die angemeldete Strecke führt über die Tauentzienstraße und den Kurfürstendamm zum Adenauerplatz.

Auch in Friedrichshain wird demonstriert. Dort startet um 16 Uhr am Frankfurter Tor eine Halloween-Fahrraddemonstration, bei der sich Familien für sichere Straßen für Kinder einsetzen wollen.

Weitere Kundgebungen sind unter anderem in Kreuzberg, Lichtenberg und am Alexanderplatz vorgesehen.

Damit müssen Verkehrsteilnehmer in mehreren Bezirken mit zeitweiligen Straßensperrungen und Einschränkungen rechnen.

Proteste auch in anderen deutschen Großstädten

Die Berliner Veranstaltungen sind Teil eines bundesweiten Aktionstages.

Unter dem Motto „Gen Z regelt“ sind nach Angaben der Organisatoren und Medienberichte rund 30 bis 35 Demonstrationen geplant.

Größere Kundgebungen werden unter anderem in Frankfurt am Main, Köln, Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf und München erwartet.

In Frankfurt haben Sicherheitsbehörden Hinweise auf die mögliche Anreise gewaltbereiter Linksextremisten erhalten. Dort wurden ebenfalls einzelne Geschäfte vorsorglich geschützt.

Die Organisatoren der Gen-Z-Proteste lehnen Gewalt ausdrücklich ab.

Ob die Demonstrationen tatsächlich so viele Teilnehmer erreichen wie angekündigt, lässt sich erst nach Abschluss der Veranstaltungen beurteilen.

Friedlicher Protest oder angespannte Halloween-Nacht?

Für die Berliner Sicherheitsbehörden wird der Samstag zu einer organisatorischen Herausforderung. Mehrere politische Versammlungen treffen auf die ohnehin stark frequentierte Halloween-Nacht.

Die Polizei muss dabei das Demonstrationsrecht schützen und zugleich auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet sein.

Bis zum Beginn der Veranstaltungen liegen keine bestätigten Erkenntnisse über geplante größere Gewalttaten oder organisierte Plünderungen in Berlin vor.

Die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen sind deshalb zunächst als Vorsorge zu verstehen.

Ob sich die Befürchtungen einzelner Geschäftsinhaber bestätigen oder die Proteste friedlich verlaufen, wird sich im Laufe des Tages zeigen.

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