Volkswagen senkt Prognose deutlich
Zwickau. Die Krise der deutschen Automobilindustrie erreicht eine neue Stufe. Volkswagen hat seine Ergebnisprognose für 2026 deutlich reduziert. Der Konzern erwartet inzwischen nur noch eine operative Umsatzrendite von bis zu einem Prozent. Zuvor hatte Volkswagen mit 4,0 bis 5,5 Prozent gerechnet.
Als Gründe nennt der Konzern unter anderem das schwierige Marktumfeld in China, Restrukturierungskosten und die schneller als erwartet verlaufende Verschiebung der Nachfrage hin zu Elektrofahrzeugen.
Sondereffekte sollen das operative Ergebnis 2026 nach Volkswagen-Angaben mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro belasten. Der erwartete Konzernumsatz liegt bei etwa 315 Milliarden Euro.
Weitere 50.000 Stellen stehen im Konzern zur Disposition
Parallel dazu setzt Volkswagen seinen sogenannten Zukunftsplan 2030 um. In rund 170 Gesellschaften sieht die konzernweite Analyse eine Anpassung um etwa 50.000 Stellen im indirekten Bereich vor. Rund die Hälfte davon entfällt nach Konzernangaben auf Deutschland, die andere Hälfte auf Standorte im Ausland. Die konkrete Umsetzung soll mit den Arbeitnehmervertretungen ausgehandelt werden.
Zusätzlich sollen die Managementstrukturen deutlich verkleinert werden. Volkswagen spricht von rund 5.500 weniger Managementpositionen weltweit.
Finanzvorstand Arno Antlitz erklärte nach der Prognosesenkung, der Konzern müsse Komplexität reduzieren, Kosten senken und die Transformation beschleunigen.
Zwickau wird zum Zentrum der Proteste
Während der Konzern spart, wächst der Widerstand in den Werken. Am Montag beteiligten sich Beschäftigte bundesweit an einem Aktionstag der IG Metall.
Besonders sichtbar waren die Proteste in Sachsen. In Zwickau gingen nach Angaben der Gewerkschaft mehrere Tausend VW-Beschäftigte gemeinsam mit Bürgern auf die Straße. Weitere Aktionen gab es unter anderem bei Volkswagen in Chemnitz und Dresden sowie bei den Karosseriewerken in Radeberg und bei Accumotive in Kamenz.
Die Gewerkschaft fordert Investitionen in neue Technologien, Qualifizierung und langfristige Standortzusagen. Sie warnt vor den wirtschaftlichen Folgen eines weiteren Arbeitsplatzabbaus für ganze Regionen.
Für Südwestsachsen steht mehr als VW auf dem Spiel
Gerade in Zwickau reicht die Bedeutung des Automobilsektors weit über das Volkswagen-Werk hinaus. Zulieferer, Logistikunternehmen, Handwerksbetriebe und Dienstleister hängen direkt oder indirekt von der Fahrzeugproduktion ab.
Die IG Metall spricht deshalb von einer Frage für die gesamte Industrieregion Südwestsachsen und nicht allein für die Beschäftigten des Konzerns.
Volkswagen wiederum begründet den Umbau mit zunehmender Konkurrenz aus Asien, schwächeren Margen, strukturellen Kostenproblemen und dem tiefgreifenden Wandel hin zur Elektromobilität.
Damit verdichten sich zwei Entwicklungen: Der Konzern muss Kosten reduzieren, während Beschäftigte und Regionen Sicherheiten für ihre Standorte verlangen. Gerade für Sachsen wird entscheidend sein, welche Modelle und Zukunftstechnologien künftig tatsächlich in Zwickau, Chemnitz und Dresden produziert oder entwickelt werden.