Peek & Cloppenburg droht Verlust von drei großen Modehäusern – auch Berlin betroffen
Der Modehändler Peek & Cloppenburg könnte drei seiner bekanntesten Standorte verlieren. Nach Medienberichten sollen die großen Modehäuser in Düsseldorf, Frankfurt und Berlin künftig an den spanischen Handelskonzern Inditex vermietet werden. Besonders brisant: Die Immobilien werden von einer Gesellschaft aus dem Umfeld der Eigentümerfamilie verwaltet. P&C bestätigt die Schließungsberichte bislang nicht.
Berlin/Düsseldorf. Dem deutschen Modehändler Peek & Cloppenburg droht der Verlust von drei seiner bekanntesten Warenhäuser. Betroffen sind nach aktuellen Medienberichten die sogenannten Weltstadthäuser in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Berlin. Die Gebäude sollen künftig vom spanischen Modekonzern Inditex genutzt werden, zu dem unter anderem die Marken Zara, Bershka und Massimo Dutti gehören.
Für das Unternehmen wäre der mögliche Rückzug von diesen prominenten Einkaufsadressen ein erheblicher Einschnitt. Besonders am Berliner Kurfürstendamm und in der Düsseldorfer Innenstadt gehören die großen Modehäuser seit Jahren zum Erscheinungsbild der Einkaufsstraßen.
Eine endgültige Bestätigung der angekündigten Schließungen liegt allerdings nicht vor. Peek & Cloppenburg erklärt weiterhin, dass über die künftige Nutzung der betroffenen Gebäude noch nicht abschließend entschieden worden sei.
Drei bedeutende Einkaufsstandorte betroffen
Ausgangspunkt der Berichte sind Informationen aus Branchenkreisen, wonach die Mietverhältnisse für drei große P&C-Immobilien verändert werden sollen.
Betroffen wären das Weltstadthaus an der Schadowstraße in Düsseldorf, das Modehaus am Berliner Kurfürstendamm und der Standort an der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil.
Nach den bisher veröffentlichten Informationen soll die Düsseldorfer Filiale bereits im Oktober 2027 geräumt werden müssen.
Auch für die Gebäude in Berlin und Frankfurt wird über eine künftige Nutzung durch Inditex berichtet.
Der spanische Konzern zählt zu den weltweit größten Modehandelsunternehmen. Neben Zara gehören unter anderem Bershka, Pull&Bear und Massimo Dutti zu seinem Markenportfolio.
Welche dieser Marken künftig in den drei Gebäuden vertreten sein könnten, ist nicht verbindlich bestätigt.
Ebenso offen sind die konkreten Zeitpläne für Berlin und Frankfurt.
Ausgerechnet die eigene Eigentümerfamilie steht hinter den Immobilien
Eine Besonderheit des möglichen Standortwechsels betrifft die Eigentumsverhältnisse.
Die drei Weltstadthäuser werden von der Immobiliengesellschaft Midstad verwaltet. Diese gehört ebenso wie das Düsseldorfer Handelsunternehmen Peek & Cloppenburg zum wirtschaftlichen Umfeld der Unternehmerfamilie um Patrick Cloppenburg.
Damit verfolgen zwei Unternehmen mit familiären Verbindungen offenbar unterschiedliche wirtschaftliche Interessen.
Während Peek & Cloppenburg die Immobilien bislang als großflächige Modehäuser nutzt, könnte die Immobiliengesellschaft durch eine Vermietung an einen internationalen Konkurrenten andere wirtschaftliche Möglichkeiten erschließen.
Ob entsprechende Mietverträge bereits rechtsverbindlich abgeschlossen wurden, ist öffentlich nicht abschließend geklärt.
Midstad äußerte sich zu den konkreten Vertragsverhältnissen nicht. Das Unternehmen verweist darauf, grundsätzlich keine einseitigen Angaben zu einzelnen Verträgen oder Projekten zu machen.
Für Peek & Cloppenburg würde ein Verlust der Standorte bedeuten, dass neue Flächen gefunden oder bestehende Filialkonzepte grundlegend verändert werden müssten.
Berliner Kurfürstendamm könnte bekanntes Modehaus verlieren
Besonders aufmerksam wird die Entwicklung in Berlin verfolgt.
Das P&C-Weltstadthaus am Kurfürstendamm gehört zu den auffälligen großflächigen Einzelhandelsstandorten der Hauptstadt.
Ein möglicher Auszug würde die Zusammensetzung des Einzelhandels an einer der bekanntesten Berliner Einkaufsstraßen verändern.
Dabei geht es nicht zwangsläufig um einen vollständigen Rückzug von Peek & Cloppenburg aus Berlin.
Das Unternehmen betont ausdrücklich, weiterhin in der Hauptstadt vertreten bleiben zu wollen.
Nach eigenen Angaben betreibt die Gruppe acht Häuser in Berlin sowie zwei weitere im Umland.
Auch für Frankfurt und Düsseldorf bekennt sich Peek & Cloppenburg zu einer langfristigen Präsenz.
Welche Rolle die bisherigen Weltstadthäuser dabei künftig spielen werden, lässt das Unternehmen jedoch offen.
Für die Beschäftigten der möglicherweise betroffenen Filialen bleiben damit wichtige Fragen unbeantwortet.
Bislang gibt es keine bestätigten Angaben darüber, wie viele Arbeitsplätze von einem möglichen Standortwechsel betroffen wären oder ob Beschäftigte in andere Filialen übernommen werden könnten.
In Düsseldorf könnte das Stammhaus bereits 2027 schließen
Besonders schwer würde der Verlust des Düsseldorfer Standorts wiegen.
Die Geschichte von Peek & Cloppenburg in Düsseldorf reicht bis ins Jahr 1901 zurück. Das Unternehmen hat dort seinen Hauptsitz und betreibt an der Schadowstraße eines seiner bekanntesten Modehäuser.
Das heutige Gebäude wurde 2001 nach Entwürfen des amerikanischen Architekten Richard Meier eröffnet.
Mit seiner markanten Glasarchitektur gehört es zu den auffälligen Einzelhandelsimmobilien der Innenstadt.
2013 wurde die Verkaufsfläche auf rund 16.000 Quadratmeter erweitert.
Nach den aktuellen Brancheninformationen müsste Peek & Cloppenburg das Gebäude bereits bis Oktober 2027 verlassen.
Das Unternehmen bestätigte diesen Termin auf Medienanfragen jedoch nicht.
Eine Sprecherin erklärte, dass sich die drei Weltstadthäuser ohnehin vor einem Umbau zu einer gemischten Nutzung befänden.
Künftig sollen dort neben Einzelhandelsflächen auch andere Nutzungen möglich sein.
Wie groß die verbleibenden Verkaufsflächen ausfallen und ob Peek & Cloppenburg weiterhin als Mieter vertreten bleibt, soll erst später entschieden werden.
Modehändler will künftig kleinere Filialen betreiben
Die Diskussion um die drei Weltstadthäuser fällt in eine Phase umfassender Veränderungen bei Peek & Cloppenburg.
Das Unternehmen überprüft derzeit sein Filialnetz und seine Verkaufsflächen.
Die für das Westeuropageschäft verantwortliche Geschäftsführerin Constanze Freienstein hatte bereits im Oktober erklärt, dass sämtliche Standorte auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht werden.
Besonders große Häuser entsprechen nach ihrer Einschätzung nicht mehr in jedem Fall den veränderten Anforderungen des Modehandels.
Während die bisherigen Weltstadthäuser teilweise Verkaufsflächen von 15.000 bis 16.000 Quadratmetern besitzen, soll das künftige Filialkonzept stärker auf Geschäfte zwischen 3.000 und 5.000 Quadratmetern ausgerichtet werden.
An einzelnen Standorten sind auch Verkaufsflächen von bis zu 10.000 Quadratmetern denkbar.
Die Verkleinerung soll helfen, Immobilienkosten zu senken und die vorhandenen Flächen wirtschaftlicher zu nutzen.
Gleichzeitig hat das Unternehmen angekündigt, mittelfristig auch neue Filialen eröffnen zu wollen.
Der geplante Umbau bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Peek & Cloppenburg sein gesamtes Filialnetz verkleinern wird.
Nach Insolvenz 2023 bleibt wirtschaftlicher Druck hoch
Peek & Cloppenburg befindet sich seit mehreren Jahren in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.
2023 musste das Düsseldorfer Unternehmen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen.
Zu den Belastungen des Modehandels zählen hohe Miet- und Personalkosten, Veränderungen beim Einkaufsverhalten und die Konkurrenz durch internationale Handelsketten sowie den Onlinehandel.
Gerade großflächige Warenhäuser stehen unter Druck.
Sie müssen hohe laufende Kosten erwirtschaften, während sich ein wachsender Teil des Modegeschäfts auf digitale Verkaufswege und kleinere Ladenkonzepte verlagert.
Für Peek & Cloppenburg kommt hinzu, dass viele seiner größeren Standorte in besonders gefragten Innenstadtlagen liegen.
Die Immobilien können für andere Händler wirtschaftlich attraktiv sein, selbst wenn der bisherige Betreiber seine Verkaufsflächen reduzieren möchte.
Der mögliche Wechsel zu Inditex verdeutlicht deshalb auch den zunehmenden Wettbewerb um große Handelsimmobilien in deutschen Innenstädten.
Was bedeutet die Entwicklung für Ostdeutschland?
Neben dem möglicherweise betroffenen Weltstadthaus in Berlin betreibt die Düsseldorfer Peek-&-Cloppenburg-Gruppe weitere Geschäfte in Ostdeutschland.
Dazu zählen unter anderem Filialen in Leipzig, Potsdam und Wildau.
Für diese Standorte wurden im Zusammenhang mit den aktuellen Berichten keine konkreten Schließungen angekündigt.
Allerdings überprüft das Unternehmen nach eigenen Angaben grundsätzlich sein gesamtes Filialnetz.
Ob daraus künftig weitere Standortwechsel oder Anpassungen entstehen, ist derzeit offen.
Für die ostdeutschen Innenstädte ist die Entwicklung dennoch von Bedeutung.
Große Modehäuser gehören vielerorts zu den wichtigen Anziehungspunkten des Einzelhandels. Sie bringen Kunden in die Einkaufsstraßen, von denen auch kleinere Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Dienstleister profitieren.
Ein Rückzug solcher Anbieter kann deshalb Auswirkungen auf das gesamte Umfeld haben.
Im aktuellen Fall bleibt zunächst abzuwarten, ob die berichteten Standortwechsel tatsächlich umgesetzt werden und welche Ersatzstandorte Peek & Cloppenburg finden kann.
Fest steht bislang nur, dass der Modehändler seine Filialstruktur grundlegend überprüft. Die konkreten Schließungen der drei Weltstadthäuser sind weiterhin Gegenstand von Medienberichten und noch nicht offiziell bestätigt.