Universität Rostock droht ab 2028 ein Millionendefizit
Der Universität Rostock droht ab 2028 ein jährliches Defizit von mindestens vier bis fünf Millionen Euro. Nach Berechnungen der Hochschule reichen die Landesmittel nicht mehr aus, um Personal, Gebäude und technische Infrastruktur dauerhaft zu finanzieren. Die bisherigen Rücklagen können die Lücke künftig nicht mehr schließen.
Rostock. Die Universität Rostock steuert auf erhebliche finanzielle Schwierigkeiten zu. Nach einer aktuellen Haushaltsprognose fehlen der größten Hochschule Mecklenburg-Vorpommerns ab 2028 jährlich mindestens vier bis fünf Millionen Euro. Selbst bei sparsamer Haushaltsführung und einer weiterhin begrenzten Besetzung der vorhandenen Stellen reichen die verfügbaren Landesmittel nach Einschätzung der Universität nicht mehr aus, um sämtliche laufenden Verpflichtungen zu erfüllen. Die Hochschule fordert deshalb vom Land eine grundlegende Überprüfung ihrer Finanzierung.
Bislang konnte die Universität Fehlbeträge durch Rücklagen ausgleichen. Diese Möglichkeit wird nach ihren Berechnungen ab 2028 nicht mehr bestehen.
Zwölf Millionen Euro fehlen bei vollständiger Stellenbesetzung
Besonders deutlich zeigt sich das Finanzierungsproblem beim Personal.
Derzeit sind nach Angaben der Universität rund 91 bis 92 Prozent der vorgesehenen Stellen besetzt. Die Hochschule hält ihre Personalausgaben damit bereits unterhalb des Niveaus, das bei einer vollständigen Besetzung des Stellenplans entstehen würde.
Würden sämtliche vorgesehenen Stellen besetzt, ergäbe sich schon heute ein rechnerisches jährliches Defizit von durchschnittlich rund zwölf Millionen Euro.
Die Universität sieht darin ein strukturelles Problem: Der vereinbarte Stellenplan sei nicht ausreichend finanziert.
Zusätzliche Belastungen entstehen durch steigende Kosten der betrieblichen Altersversorgung. Besonders die Aufwendungen für die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) haben nach Angaben der Hochschule deutlich zugenommen.
Die Universität kann diese Kostensteigerungen nicht beliebig durch Einsparungen auffangen. Ein großer Teil ihrer Ausgaben ist durch Beschäftigungsverhältnisse und bestehende Verpflichtungen gebunden.
Sanierungsbedürftige Gebäude verursachen zusätzliche Kosten
Neben den Personalausgaben belastet der Zustand der Universitätsgebäude den Haushalt.
Ein Teil der Liegenschaften ist energetisch nicht ausreichend saniert. Dadurch entstehen hohe Betriebskosten, insbesondere für Heizung und Energieversorgung.
Hinzu kommt, dass einzelne Gebäude wegen ihres Zustands nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden können. Um den Lehr- und Forschungsbetrieb dennoch aufrechtzuerhalten, muss die Universität teilweise zusätzliche Räume anmieten.
Auch notwendige Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen verursachen erhebliche Ausgaben.
Nach Darstellung der Hochschule werden die gestiegenen Betriebskosten der Gebäude bislang nicht ausreichend durch zusätzliche Landesmittel ausgeglichen.
Die finanzielle Belastung hat sich in den vergangenen anderthalb bis zwei Jahren deutlich verschärft.
IT-Sicherheit wird zunehmend teurer
Ein weiteres Problem sind die wachsenden Anforderungen an die technische Ausstattung.
Universitäten benötigen leistungsfähige Datennetze, sichere Computersysteme und eine zuverlässige digitale Infrastruktur für Forschung, Lehre und Verwaltung.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit und den Schutz wissenschaftlicher Forschungsdaten.
Die Universität Rostock muss deshalb zusätzliche Mittel in ihre IT-Systeme investieren. Auch deren laufender Betrieb wird teurer.
Nach Angaben der Hochschule sind notwendige IT-Investitionen und steigende Betriebskosten in der bisherigen Finanzprognose noch nicht vollständig berücksichtigt.
Das bedeutet, dass die tatsächliche Finanzierungslücke künftig noch größer ausfallen könnte als die derzeit erwarteten vier bis fünf Millionen Euro.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Universität nach eigener Darstellung regelmäßig zusätzliche Aufgaben übertragen werden, ohne dass dafür ausreichend Personal oder Geld bereitgestellt wird.
Rücklagen sind weitgehend aufgebraucht
In den vergangenen Jahren konnte die Universität ihre finanziellen Engpässe aus vorhandenen Rücklagen ausgleichen.
Diese Mittel stehen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung. Auch geänderte Regelungen zur Rücklagenbildung schränken nach Angaben der Hochschule ihre finanziellen Handlungsmöglichkeiten ein.
Ab 2028 rechnet die Universität deshalb mit einem Defizit, das sie nicht mehr aus eigener Kraft ausgleichen kann.
Die Hochschulleitung sieht sich bereits jetzt gezwungen, Ausgaben stärker zu priorisieren. Nicht zwingend notwendige Maßnahmen sollen zurückgestellt und neue finanzielle Verpflichtungen besonders kritisch geprüft werden.
Auch bei der Personalplanung und den Investitionen in die IT-Infrastruktur stehen Entscheidungen an.
Welche konkreten Projekte oder Stellen davon betroffen sein könnten, teilte die Universität bislang nicht mit.
Universität verlangt höhere Finanzierung des Stellenplans
Die Universität Rostock erwartet vom Land Mecklenburg-Vorpommern eine verlässliche Finanzierung ihrer bestehenden Aufgaben.
Besonderen Handlungsbedarf sieht sie beim Stellenhaushalt. Die Hochschule schlägt vor, die Finanzierung des Stellenplans neu zu berechnen und dabei eine Quote von 97 Prozent zugrunde zu legen.
Damit sollen die tatsächlichen Personalkosten besser berücksichtigt und die strukturelle Finanzierungslücke verringert werden.
Darüber hinaus fordert die Universität, steigende Ausgaben für Gebäude, Digitalisierung, Forschungssicherheit und Verwaltung bei der künftigen Hochschulfinanzierung stärker zu berücksichtigen.
Nach eigenen Angaben hat die Hochschule das Land bereits mehrfach auf die finanziellen Risiken hingewiesen.
Eine dauerhafte Lösung sei ohne eine Anpassung der Finanzierung nicht möglich.
Fast 13.000 Studierende und steigende Forschungseinnahmen
Die finanziellen Schwierigkeiten treffen eine Hochschule, deren Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern weit über Rostock hinausreicht.
An der Universität studieren derzeit knapp 13.000 Menschen. Rund zwei Drittel von ihnen stammen aus Mecklenburg-Vorpommern.
Während die Studierendenzahlen bundesweit vielerorts unter Druck stehen, berichtet die Universität Rostock von einer stabilen Entwicklung.
Besonders wichtig ist die Lehrkräfteausbildung. Im laufenden Jahr haben sich 630 Studierende für ein Lehramtsstudium eingeschrieben.
Damit werden nach Angaben der Universität in Rostock mehr angehende Lehrer ausgebildet als an jedem anderen Hochschulstandort des Landes.
Auch in der Forschung hat sich die Universität weiterentwickelt.
Die eingeworbenen Drittmittel stiegen in den vergangenen Jahren um rund 30 Prozent auf 58 Millionen Euro. Die Universitätsmedizin ist in dieser Zahl nicht enthalten.
Zu den bedeutenden Forschungsförderungen gehören vier Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC), Förderungen im Emmy-Noether-Programm und drei Sonderforschungsbereiche.
Die zusätzlichen Forschungsmittel zeigen die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Universität. Sie können die fehlende Grundfinanzierung jedoch nicht ohne Weiteres ersetzen, da Drittmittel in der Regel für bestimmte Projekte und Zwecke gebunden sind.
Strategische Neuausrichtung unter finanziellem Druck
Bereits seit 2024 beschäftigt sich die Universität Rostock intensiv mit ihrer langfristigen Ausrichtung.
Dabei geht es unter anderem darum, vorhandene Mittel effizienter einzusetzen, Studienangebote stärker am Fachkräftebedarf Mecklenburg-Vorpommerns auszurichten und die Forschung weiterzuentwickeln.
Die finanziellen Schwierigkeiten erschweren diese Planungen zunehmend.
Die Hochschule muss einerseits ihre bestehenden Aufgaben erfüllen und Studierende ausbilden. Andererseits fehlen ihr nach eigener Einschätzung künftig die Mittel, um Personal, Gebäude und technische Ausstattung in ausreichendem Umfang zu finanzieren.
Für das Land stellt sich damit die Frage, wie die größte Universität Mecklenburg-Vorpommerns langfristig ausgestattet werden soll.
Die Hochschulleitung hält eine Anpassung der Landesfinanzierung für notwendig, bevor die erwarteten Fehlbeträge ab 2028 tatsächlich entstehen.