„Campus Catch“ verbindet Aquaponikforschung und regionale Lebensmittelproduktion

Rostocker Universität bringt eigenen Fisch in die Dose

Die Universität Rostock hat gemeinsam mit der Schwaaner Fischwaren GmbH eine besondere Fischkonserve entwickelt. Der „Campus Catch“ enthält Afrikanischen Raubwels aus einer universitätseigenen Aquaponikanlage. Das Produkt soll zeigen, wie Forschung und regionale Wirtschaft zusammenarbeiten können.

Von Paul Berger 3 Min. Lesezeit

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Premiere für den „Campus Catch“: Produktionsleiter Volker Wohlgemuth (v.l.) und Chefin der Schwaaner Fischwaren GmbH Antje Kobs präsentieren mit Prof. Harry Palm und Rektorin Prof. Elizabeth Prommer den neuen „Campus Catch“ der Universität Rostock. Gemeinsam ist es gelungen, aus innovativer Aquaponi
Premiere für den „Campus Catch“: Produktionsleiter Volker Wohlgemuth (v.l.) und Chefin der Schwaaner Fischwaren GmbH Antje Kobs präsentieren mit Prof. Harry Palm und Rektorin Prof. Elizabeth Prommer den neuen „Campus Catch“ der Universität Rostock. Gemeinsam ist es gelungen, aus innovativer Aquaponi Foto: Rightvision Studios

Rostock. Fisch aus dem Forschungslabor landet künftig als Konserve auf dem Tisch. Die Universität Rostock hat gemeinsam mit der Schwaaner Fischwaren GmbH den „Campus Catch“ entwickelt. In der Dose steckt Afrikanischer Raubwels aus einer Aquaponikanlage der Universität, in der Fischzucht und Pflanzenanbau miteinander verbunden werden. Das neue Produkt ist im Campusstore erhältlich und soll künftig auch als Gastgeschenk der Universitätsleitung dienen.

Hinter der ungewöhnlichen Fischkonserve steckt ein Forschungsprojekt, das sich mit einer ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion beschäftigt. Im sogenannten FischGlasHaus der Universität werden Fische und Pflanzen in einem gemeinsamen Produktionssystem gehalten beziehungsweise angebaut.

Vier Tonnen Fisch aus der Forschungsanlage

Die Aquaponikanlage der Universität Rostock verbindet zwei unterschiedliche Verfahren: die Aquakultur zur Aufzucht von Fischen und die Hydroponik, bei der Pflanzen ohne Erde wachsen.

Das Wasser aus der Fischhaltung enthält Nährstoffe, die von den Pflanzen aufgenommen werden können. Dadurch lassen sich die vorhandenen Ressourcen mehrfach nutzen. Zugleich wird das Wasser im Pflanzenbereich aufbereitet.

Auch bei der Energieversorgung ergeben sich nach Angaben der Universität Möglichkeiten, die verschiedenen Produktionsbereiche effizient miteinander zu verbinden.

Rund vier Tonnen Fisch werden jährlich in der Anlage erzeugt. Ein Teil der Produktion findet nun seinen Weg in die neue Konserve.

Die Universität möchte damit verdeutlichen, dass ihre Forschung nicht ausschließlich wissenschaftliche Erkenntnisse liefert, sondern auch konkrete Anwendungen für die Lebensmittelwirtschaft ermöglicht.

Schwaaner Unternehmen entwickelt Rezeptur

Für die Verarbeitung des Afrikanischen Raubwelses arbeitet die Universität mit der Schwaaner Fischwaren GmbH zusammen.

Das Unternehmen beteiligte sich sowohl an der Produktentwicklung als auch an der Gestaltung der Verpackung.

Im Januar besuchten Universitätsrektorin Professorin Elizabeth Prommer und Professor Harry Palm, Leiter der Aquakulturforschung, gemeinsam mit ihrem Projektteam den Fischwarenproduzenten in Schwaan.

Bei einer Verkostung wurde die passende Rezeptur für den neuen Fisch aus der Dose gesucht.

Die Wahl fiel auf eine Kombination mit einem süß-säuerlichen Chutney, das durch Basilikum eine besondere Geschmacksnote erhält.

Die Pflanze spielt auch in der Forschung eine Rolle: Basilikum wächst ebenfalls im Aquaponiksystem der Universität Rostock und nutzt dort Nährstoffe aus dem Wasser der Fischhaltung.

Damit verbindet die Rezeptur nicht nur Fisch und Gemüse, sondern greift zugleich das Prinzip der wissenschaftlichen Anlage auf.

Universität will Forschung erlebbar machen

Für Rektorin Elizabeth Prommer ist der „Campus Catch“ ein Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit regionalen Unternehmen in konkrete Produkte übertragen werden können.

Die Fischkonserve soll künftig bei offiziellen Anlässen als Gastgeschenk überreicht werden und damit auf die Forschungsarbeit der Universität aufmerksam machen.

Auch Schwaaner-Fischwaren-Geschäftsführerin Antje Kobs sieht in der Zusammenarbeit einen Gewinn. Das Unternehmen sei offen für kreative Projekte und habe die Entwicklung von Beginn an begleitet.

Geschmacklich könne der Raubwels nach Einschätzung der Geschäftsführerin durchaus mit klassischen Fischprodukten wie Hering konkurrieren.

Professor Harry Palm, Inhaber der Professur für Aquakultur und Sea-Ranching, betont vor allem den wissenschaftlichen Hintergrund.

Die Forschung beschäftige sich mit der Frage, wie Lebensmittel erzeugt werden können, ohne wertvolle Rohstoffe unnötig zu verbrauchen. Der „Campus Catch“ zeige, dass solche Ansätze auch gemeinsam mit Unternehmen praktisch umgesetzt werden können.

Nach Marmelade folgt jetzt der Fisch

Der „Campus Catch“ ist nicht das erste Produkt, mit dem die Universität Rostock ihre Forschung außerhalb des Hochschulbetriebs sichtbar macht.

Bereits zuvor entstand gemeinsam mit Karls Erlebnis-Dörfer die „Smart Berry Jam“. Auch bei diesem Projekt wurden wissenschaftliche Ideen mit der regionalen Lebensmittelwirtschaft verbunden.

Mit dem Fisch aus der Dose setzt die Universität diese Zusammenarbeit fort.

Der Afrikanische Raubwels wird dabei zu einem ungewöhnlichen Botschafter der Rostocker Forschung. Die Konserve soll nicht nur als Lebensmittel dienen, sondern auch Gespräche über nachhaltige Produktionsverfahren und den Umgang mit natürlichen Ressourcen anregen.

Interessierte können den „Campus Catch“ bereits im Campusstore der Universität Rostock erwerben.

Themen: ForschungNachhaltigkeitUniversität RostockLebensmittelproduktionCampus CatchAquaponikAfrikanischer RaubwelsSchwaaner Fischwaren

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