Thüringens Hochschulen warnen vor Stellenabbau und Kürzungen
Thüringens Hochschulen drohen nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Während die Kosten steigen, sollen die staatlichen Zuschüsse nur geringfügig wachsen. Beschäftigte und Studierende demonstrieren am Donnerstag vor dem Landtag in Erfurt.
Erfurt. Die geplante Finanzierung der Thüringer Hochschulen stößt auf Widerstand. Gewerkschaften und Studierendenvertretungen warnen davor, dass die zehn staatlichen Hochschulen des Landes in den kommenden Jahren Stellen abbauen und ihr Studienangebot einschränken müssen. Am Donnerstag, dem 5. November 2026, wollen Beschäftigte und Studierende deshalb vor dem Thüringer Landtag demonstrieren, während sich die Abgeordneten mit der künftigen Hochschulfinanzierung beschäftigen.
Die Kundgebung beginnt um 8.30 Uhr. Zu den beteiligten Organisationen gehören die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Verdi, die DGB-Jugend und die Initiative TV STUD.
Anlass ist eine Anhörung zur sogenannten Rahmenvereinbarung VI. Sie soll die langfristige Finanzierung der staatlichen Hochschulen regeln.
Steigende Kosten treffen auf geringe Zuschüsse
Nach Berechnungen der GEW könnten die Ausgaben der Hochschulen in den kommenden fünf Jahren um rund 15 Prozent steigen. Wesentliche Ursachen seien höhere Energiekosten, die allgemeine Preisentwicklung und steigende Personalausgaben infolge tariflicher Vereinbarungen.
Die im Entwurf vorgesehenen Landeszuschüsse würden diese Entwicklung nach Einschätzung der Gewerkschaft nicht ausreichend ausgleichen.
Nach Abzug der Versorgungsausgaben sollen die Zuschüsse demnach um lediglich etwa 0,56 Prozent jährlich wachsen.
Gerade die Versorgungsausgaben für pensionierte Beamte, darunter frühere Professoren, belasten nach Darstellung der GEW die verfügbaren Hochschulbudgets.
Die Gewerkschaft befürchtet deshalb, dass Hochschulen einen wachsenden Teil ihrer Mittel für bereits bestehende Verpflichtungen einsetzen müssen. Für Forschung, Lehre und Personal bliebe entsprechend weniger Geld.
Weniger Personal könnte das Studienangebot verändern
Die Folgen einer unzureichenden Finanzierung könnten nach Ansicht der Gewerkschaften weit über den Abbau einzelner Stellen hinausgehen.
Wenn Hochschulen frei werdende Arbeitsplätze nicht wiederbesetzen, müssen verbleibende Beschäftigte zusätzliche Aufgaben übernehmen. Besonders betroffen wären wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrkräfte und Beschäftigte in Verwaltung und Technik.
Auch Studierende könnten die Folgen zu spüren bekommen. Weniger Lehrpersonal kann dazu führen, dass Seminare seltener angeboten werden oder sich die Betreuung von Abschlussarbeiten verschlechtert.
Die GEW warnt außerdem vor Einschränkungen einzelner Studienangebote.
Ob und in welchem Umfang tatsächlich Studiengänge oder Stellen wegfallen, ist allerdings noch nicht entschieden. Die Gewerkschaften beschreiben mögliche Folgen der derzeit vorgesehenen Finanzierung.
Gewerkschaften verlangen Nachbesserungen
Katrin Glaser, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW Thüringen, fordert Änderungen an der geplanten Rahmenvereinbarung.
Aus ihrer Sicht muss insbesondere geklärt werden, wie die steigenden Versorgungsausgaben finanziert werden sollen, ohne die laufenden Mittel für Lehre und Forschung einzuschränken.
Die Gewerkschaft sieht die Landespolitik in der Verantwortung, den Hochschulen ausreichend Planungssicherheit zu geben.
Dabei geht es nicht allein um die Bezahlung der Beschäftigten. Auch die Frage, welche Studienangebote Thüringen künftig vorhalten kann und welche Forschungsprojekte fortgeführt werden können, hängt von einer verlässlichen Finanzierung ab.
Anhörung im Landtag soll Klarheit bringen
Bei der Anhörung am Donnerstag erhalten Vertreter der Hochschulen und weitere Beteiligte Gelegenheit, sich zur geplanten Rahmenvereinbarung zu äußern.
Die Demonstrierenden wollen den Termin nutzen, um ihre Forderungen öffentlich zu machen. Bereits vor Beginn der parlamentarischen Beratungen soll der Protest vor dem Landtag sichtbar werden.
Für die Hochschulstandorte Jena, Erfurt, Weimar, Ilmenau und die weiteren Thüringer Hochschulstädte ist die Entscheidung von erheblicher Bedeutung. Hochschulen gehören dort nicht nur zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen, sondern auch zu den großen Arbeitgebern und Forschungsstandorten.
Die Anhörung bietet nun Gelegenheit, die finanziellen Folgen des vorliegenden Entwurfs genauer zu untersuchen. Ob die Landesregierung ihre Planungen anschließend verändert, bleibt abzuwarten.