Tigerenten-Erfinder Janosch ist tot: Kinderbuchautor stirbt mit 95 Jahren
Der Schriftsteller, Zeichner und Tigerenten-Erfinder Janosch ist im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa gestorben. Mit „Oh, wie schön ist Panama“, dem kleinen Tiger und dem kleinen Bären prägte er Generationen von Kindern. Sein Verleger bestätigte den Tod des Künstlers am Mittwoch.
Teneriffa. Der deutsche Schriftsteller und Illustrator Janosch ist tot. Der Schöpfer der Tigerente starb am Dienstag, dem 3. November 2026, im Alter von 95 Jahren auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa. Sein Tübinger Verleger Bernhard Feil bestätigte den Tod am Mittwoch im Auftrag der Ehefrau des Künstlers. Mit seinen Kinderbüchern, Zeichnungen und unverwechselbaren Figuren gehörte Janosch über Jahrzehnte zu den bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren.
Seine Geschichten wurden in rund 40 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Besonders der kleine Tiger, der kleine Bär und die schwarz-gelb gestreifte Tigerente machten ihn international bekannt. Hinter den heiteren Erzählungen stand allerdings ein Künstler, dessen eigene Kindheit von Armut und Gewalt geprägt war.
Mit Tiger und Bär zum Welterfolg
Seinen größten Erfolg feierte Janosch 1978 mit dem Bilderbuch Oh, wie schön ist Panama. Darin machen sich der kleine Tiger und der kleine Bär auf die Suche nach Panama, einem vermeintlich wunderbaren Land, das sie schließlich ganz in der Nähe ihres eigenen Zuhauses wiederfinden.
Die Geschichte über Freundschaft, Sehnsucht und das Glück im Vertrauten wurde zu einem Klassiker der deutschen Kinderliteratur.
Es folgten weitere erfolgreiche Bücher wie Post für den Tiger und Ich mach dich gesund, sagte der Bär.
Janoschs Figuren unterschieden sich von vielen traditionellen Kinderbuchhelden. Sie waren nicht besonders stark, reich oder mächtig. Stattdessen hielten sie zusammen, halfen einander und fanden Freude an einfachen Dingen.
Die Tigerente wurde zum bekanntesten Symbol dieser Geschichten. Die kleine Holzente mit ihren schwarzen Streifen und gelbem Körper entwickelte sich weit über die Bücher hinaus zu einer eigenständigen Marke.
Sie erschien auf Spielzeug, Kleidung, Geschirr und zahlreichen anderen Produkten. Auch Fernsehproduktionen und Verfilmungen trugen dazu bei, Janoschs Figuren einem großen Publikum bekannt zu machen.
Schwierige Kindheit in Oberschlesien
Janosch wurde am 11. März 1931 unter dem bürgerlichen Namen Horst Eckert in Hindenburg in Oberschlesien geboren. Die Stadt gehört heute als Zabrze zu Polen.
Seine Kindheit war nach eigenen späteren Schilderungen von schwierigen familiären Verhältnissen geprägt. Der Vater war alkoholkrank und gewalttätig, die Familie lebte in Armut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Janosch nach Westdeutschland. Er absolvierte eine handwerkliche Ausbildung und arbeitete unter anderem in einer Textilfabrik.
In den 1950er Jahren begann er in München seine künstlerische Laufbahn. Ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste konnte er nicht abschließen.
Seinen Weg als Zeichner und Schriftsteller setzte er dennoch fort. 1960 erschien sein erstes Kinderbuch.
Die Erfahrungen seiner Kindheit beschäftigten ihn auch später. Während seine Kinderbücher meist von Freundschaft und Geborgenheit erzählen, setzte er sich in Werken für Erwachsene deutlich unmittelbarer mit Gewalt, gesellschaftlichen Zwängen und seiner Herkunft auseinander.
Auch als Schriftsteller für Erwachsene erfolgreich
Janoschs literarisches Schaffen beschränkte sich keineswegs auf Kinderbücher.
In seinem Roman Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm verarbeitete er unter anderem Erfahrungen aus seiner oberschlesischen Kindheit.
Das Buch zeigt eine deutlich düsterere Seite seines Schreibens. Es schildert das Leben in einem von Armut, familiären Konflikten und gesellschaftlichen Gegensätzen geprägten Umfeld.
Daneben veröffentlichte Janosch zahlreiche weitere Romane, Erzählungen und Zeichnungen für Erwachsene.
Sein Humor konnte dabei scharf und unbequem sein. Er beschäftigte sich mit Autoritäten, religiösen Vorstellungen und gesellschaftlichen Regeln, die er immer wieder infrage stellte.
Seit 2013 erschien zudem die Figur Herr Wondrak in einer regelmäßigen Zeichenserie. Mit ihr kommentierte Janosch auf seine eigene Weise den Alltag und das Zeitgeschehen.
Auf Teneriffa fand Janosch seine Wahlheimat
Anfang der 1980er Jahre zog sich der Künstler zunehmend aus Deutschland zurück und ließ sich auf Teneriffa nieder.
Die Kanareninsel wurde zu seiner Wahlheimat. Dort lebte er über Jahrzehnte vergleichsweise zurückgezogen, arbeitete an neuen Zeichnungen und widmete sich seinen persönlichen Interessen.
Öffentliche Auftritte und Interviews wurden mit zunehmendem Alter seltener.
Auch an seinem 95. Geburtstag im März 2026 wollte Janosch kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit. Er hatte sich weitgehend aus dem Medienbetrieb verabschiedet.
Mit seiner Ehefrau Ines engagierte er sich außerdem für den Natur- und Umweltschutz auf den Kanarischen Inseln.
Seine Geschichten bleiben
Janosch erhielt für sein Werk zahlreiche Auszeichnungen. Für „Oh, wie schön ist Panama“ wurde er mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Seine Bücher stehen bis heute in Kinderzimmern, Kindergärten und Bibliotheken. Viele Eltern und Großeltern geben die Geschichten weiter, mit denen sie selbst aufgewachsen sind.
Dabei liegt ihre Wirkung nicht allein in den unverwechselbaren Zeichnungen. Janosch erzählte von Freundschaft, gegenseitiger Hilfe und der Suche nach einem guten Leben, ohne seine Figuren zu idealisieren.
Der kleine Tiger und der kleine Bär konnten sich irren, Angst haben oder unzufrieden sein. Gerade dadurch blieben sie ihren jungen Lesern nahe.
Mit Janoschs Tod endet das Leben eines Künstlers, dessen Werk weit über die Kinderliteratur hinausreicht. Seine Figuren werden weiter auf Reisen gehen, Briefe schreiben und nach Panama suchen.