FC Carl Zeiss Jena verliert eine seiner prägenden Fußballpersönlichkeiten

Trauer um Heiko Weber: Letzter Torschütze der DDR-Oberliga mit 61 Jahren gestorben

Ost-Fußball trauert um Legende

Von Theresa Lindemann 7 Min. Lesezeit

Teilen
Heiko Weber, ehemaliger Fußballspieler und Trainer des FC Carl Zeiss Jena. Der letzte Torschütze der DDR-Oberliga starb am 26. Oktober 2026 im Alter von 61 Jahren.
Heiko Weber, ehemaliger Fußballspieler und Trainer des FC Carl Zeiss Jena. Der letzte Torschütze der DDR-Oberliga starb am 26. Oktober 2026 im Alter von 61 Jahren. Foto: © FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH

Jena. Der ostdeutsche Fußball trauert um einen Mann, der auf besondere Weise Geschichte geschrieben hat. Heiko „Benno“ Weber ist am Montagmorgen, dem 26. Oktober 2026, im Alter von 61 Jahren gestorben. Der frühere Spieler und Trainer des FC Carl Zeiss Jena erlag den Folgen einer schweren Krebserkrankung. Wie der Verein bestätigte, starb Weber an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Erst im Februar hatte er seine Erkrankung öffentlich gemacht. Unvergessen bleibt sein Treffer vom 25. Mai 1991 gegen Energie Cottbus: Weber erzielte das letzte Tor in der Geschichte der DDR-Oberliga und sicherte Jena damit den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Später führte er den Verein auch als Trainer zurück in den Profifußball.

FC Carl Zeiss Jena trauert um eine Vereinsikone

Die Nachricht vom Tod Heiko Webers löste am Montag große Betroffenheit aus.

Der FC Carl Zeiss Jena bestätigte, dass sein ehemaliger Spieler und Trainer am Morgen nach schwerer Krankheit verstorben sei.

Für den Traditionsverein aus Thüringen ist es der Verlust einer Persönlichkeit, die über Jahrzehnte eng mit der eigenen Geschichte verbunden war.

Weber gehörte zu jener Generation von Fußballern, die sowohl die letzten Jahre des DDR-Fußballs als auch die schwierige Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung miterlebten.

Er prägte den Verein zunächst als Spieler, später als Trainer und schließlich als langjähriger Wegbegleiter.

Seine Geschichte steht damit auch für die Veränderungen, die viele ostdeutsche Fußballvereine nach 1990 bewältigen mussten.

Ein Tor für die Geschichtsbücher

Der 25. Mai 1991 sollte zu einem besonderen Datum in Heiko Webers Karriere werden.

Am letzten Spieltag der letzten DDR-Oberliga-Saison trat der FC Carl Zeiss Jena beim FC Energie Cottbus an.

Die Jenaer kämpften um die Qualifikation für die gesamtdeutsche 2. Bundesliga.

In der Schlussphase erzielte Weber den Treffer zum 2:0.

Das Tor war nicht nur sportlich entscheidend, weil Jena dadurch seine Position im Kampf um den Aufstieg absicherte.

Es war zugleich das letzte Tor der DDR-Oberliga, die nach dieser Saison endgültig in das gesamtdeutsche Ligasystem überging.

Damit wurde Heiko Weber zum letzten Torschützen in der Geschichte dieser traditionsreichen Spielklasse.

Der Treffer blieb weit über Jena hinaus in Erinnerung.

Für den ostdeutschen Fußball markierte er das Ende einer eigenständigen Ligageschichte, die über Jahrzehnte Vereine, Spieler und Anhänger geprägt hatte.

Von Stahl Thale nach Jena

Heiko Weber wurde am 26. Juni 1965 in Thale im Harz geboren.

Seine fußballerische Laufbahn begann er bei der BSG Stahl Thale.

Dort entwickelte sich der offensive Mittelfeldspieler und Stürmer zu einem leistungsstarken Fußballer.

1988 wechselte er zum FC Carl Zeiss Jena.

Der Verein gehörte damals zu den traditionsreichsten und erfolgreichsten Mannschaften des DDR-Fußballs.

Weber etablierte sich schnell als wichtiger Bestandteil der Mannschaft.

Insgesamt bestritt er nach Vereinsangaben 302 Pflichtspiele für die Jenaer.

Seine Laufbahn umfasste damit die letzten Jahre der DDR-Oberliga und die anschließenden Spielzeiten im gesamtdeutschen Fußball.

Er gehörte zu den Akteuren, die den Verein während des Übergangs in die neue Fußballordnung begleiteten.

Auch im Europapokal schrieb Weber Geschichte

Bereits wenige Monate nach seinem Wechsel nach Jena gelang Weber ein weiterer bemerkenswerter Treffer.

Am 26. Oktober 1988 erzielte er im Europapokal gegen Sampdoria Genua das letzte Europapokaltor des FC Carl Zeiss Jena im heimischen Stadion.

Der Treffer gehört bis heute zu den besonderen Erinnerungen des Vereins.

Bemerkenswert ist auch die zeitliche Verbindung: Weber starb ausgerechnet am 26. Oktober, dem Jahrestag dieses Europapokaltreffers.

Seine sportliche Laufbahn war damit von mehreren Momenten geprägt, die über den gewöhnlichen Ligabetrieb hinausgingen.

Doch seine Bedeutung für den Verein beschränkte sich nicht auf einzelne Tore.

Auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere blieb er dem Fußball und insbesondere dem FC Carl Zeiss Jena eng verbunden.

Als Trainer gelingt der Durchmarsch in die 2. Bundesliga

Nach seiner Spielerkarriere begann Weber im Jahr 2000 seine Laufbahn als Trainer beim FC Thüringen Weida.

Später kehrte er zum FC Carl Zeiss Jena zurück.

2004 übernahm er die Mannschaft in einer schwierigen Phase.

Der frühere Europapokal-Finalist war inzwischen in die Viertklassigkeit abgestiegen und kämpfte um seine sportliche Zukunft.

Unter Weber gelang die Wende.

2005 führte er die Jenaer in die Regionalliga.

Nur ein Jahr später folgte der nächste Aufstieg.

Damit schaffte der FC Carl Zeiss Jena innerhalb von zwei Spielzeiten den Weg aus der Oberliga zurück in die 2. Bundesliga.

Für die Anhänger war dieser Durchmarsch ein sportlicher Höhepunkt der Nachwendezeit.

Weber hatte den Verein bereits als Spieler in die zweite Liga geführt. Nun gelang ihm dieses Kunststück auch als Trainer.

Weitere Stationen in Cottbus, Aue und Meuselwitz

Nach seiner erfolgreichen Zeit in Jena arbeitete Weber für weitere ostdeutsche Fußballvereine.

Zu seinen Stationen gehörten unter anderem Energie Cottbus und der FC Erzgebirge Aue.

Bei Energie Cottbus betreute er zeitweise die zweite Mannschaft.

2007 stand er sogar für ein Bundesligaspiel als Interimstrainer an der Seitenlinie.

Ausgerechnet beim FC Bayern München übernahm er die Verantwortung für die Lausitzer.

Die Begegnung endete mit einer 0:5-Niederlage.

Später war Weber auch als Sportdirektor beim FC Erzgebirge Aue tätig.

Eine weitere wichtige Station wurde der ZFC Meuselwitz.

Dort arbeitete er über mehrere Jahre als Trainer und trug dazu bei, den Verein in der Regionalliga zu etablieren.

Sein Engagement in Meuselwitz endete im April 2023.

Nach dem Fußball arbeitete er mit Schulkindern

Nach dem Ende seiner letzten Trainertätigkeit zog sich Weber zunehmend aus dem professionellen Fußball zurück.

Er übernahm eine Aufgabe als pädagogischer Assistent an einer Grundschule in Jena.

Die Arbeit mit Kindern bereitete ihm nach eigenen Angaben große Freude.

Damit fand er auch außerhalb des Sports eine Tätigkeit, bei der er junge Menschen begleiten und unterstützen konnte.

Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen war ihm bereits als Trainer wichtig gewesen.

Seine Erfahrungen aus dem Mannschaftssport konnte er auch in den Schulalltag einbringen.

Bis zum Bekanntwerden seiner schweren Erkrankung war er in diesem Bereich tätig.

Im Februar machte Weber seine Krebserkrankung öffentlich

Anfang 2026 wurde bekannt, dass Heiko Weber schwer erkrankt war.

Bei ihm war Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden.

Der frühere Fußballtrainer sprach offen über die Belastungen, die seine Erkrankung mit sich brachte.

Für einen Menschen, der über Jahrzehnte andere motiviert und begleitet hatte, bedeutete die eigene Hilfsbedürftigkeit eine große persönliche Veränderung.

Die Nachricht löste innerhalb der Jenaer Fußballgemeinschaft eine Welle der Anteilnahme aus.

Fans und ehemalige Weggefährten organisierten Unterstützung.

Unter anderem wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um eine Schmerztherapie zu finanzieren.

Die große Resonanz zeigte, wie eng viele Anhänger dem früheren Spieler und Trainer weiterhin verbunden waren.

Benefizspiel wird zum emotionalen Abschied

Im Juni 2026 kamen zahlreiche ehemalige Weggefährten zu einem Benefizspiel in Weida zusammen.

Der Ort hatte für Weber eine besondere Bedeutung, weil dort seine Trainerkarriere begonnen hatte.

Unter den Beteiligten waren frühere Spieler wie Bernd Schneider, Henning Bürger, Mark Zimmermann und Torsten Ziegner.

Noch einmal stand der frühere Trainer im Mittelpunkt einer Fußballveranstaltung.

Vor dem Spiel hielt er in der Kabine eine Ansprache.

Später berichtete Weber, dass ihn dieser Moment sehr bewegt habe.

Die gemeinsame Veranstaltung bot Gelegenheit, an frühere Erfolge zu erinnern und ihm persönlich Unterstützung zu zeigen.

Für viele Beteiligte wurde das Benefizspiel zu einem bewegenden Wiedersehen.

Es sollte Webers letzter öffentlicher Auftritt werden.

Auch der ZFC Meuselwitz nimmt Abschied

Die Nachricht vom Tod des früheren Trainers löste auch beim ZFC Meuselwitz Trauer aus.

Vereinspräsident Hubert Wolf würdigte Weber als einen Menschen, mit dem er stets gut zusammengearbeitet habe.

Über mehrere Jahre hinweg hatten beide den sportlichen Weg des Vereins begleitet.

Weber besaß nach Wolfs Einschätzung ein ausgeprägtes Gespür für den Fußball.

Auch persönlich habe ein freundschaftliches Verhältnis bestanden.

Die Reaktion aus Meuselwitz zeigt, dass Weber nicht allein für Carl Zeiss Jena eine wichtige Persönlichkeit war.

Er hatte auch bei anderen ostdeutschen Vereinen sportliche und menschliche Spuren hinterlassen.

Ein Leben für den ostdeutschen Fußball

Heiko Webers Karriere verbindet mehrere Kapitel der deutschen Fußballgeschichte.

Als Spieler erlebte er die letzten Jahre der DDR-Oberliga.

Mit seinem Treffer gegen Energie Cottbus setzte er den Schlusspunkt unter diese Spielklasse.

Später führte er Carl Zeiss Jena als Trainer aus der Viertklassigkeit zurück in die 2. Bundesliga.

Auch bei seinen weiteren Stationen blieb er eng mit dem ostdeutschen Fußball verbunden.

Für viele Anhänger wird er deshalb nicht nur als letzter Torschütze der DDR-Oberliga in Erinnerung bleiben.

Sein Name steht ebenso für sportliche Erfolge, schwierige Aufstiege und die Verbundenheit zu Vereinen, die sich nach der Wiedervereinigung neu behaupten mussten.

Mit seinem Tod verliert der FC Carl Zeiss Jena einen seiner prägenden Spieler und Trainer.

Heiko Weber wurde 61 Jahre alt.

Themen: Energie CottbusOstdeutscher FußballFC Carl Zeiss JenaDDR-FußballZFC MeuselwitzNachrufSuchmaschine & KennzeichnungHeiko WeberDDR-OberligaThüringen## Adresse

Teilen

Lesen Sie als Nächstes

Überraschender Vorstoß im Rennen um die Nachfolge von António Guterres Trump will Viktor Orbán an die Spitze der UNO bringen – Russland und China offenbar offen für Vorschlag Orbán als neuer UNO-Chef?

Ihre Meinung

Schreiben Sie uns einen Leserbrief an leserbriefe@ostdeutsche-zeitung.de. Bitte mit vollständigem Namen und Anschrift; veröffentlicht werden nur Name und Wohnort.

Meistgelesen