Trump will Viktor Orbán an die Spitze der UNO bringen – Russland und China offenbar offen für Vorschlag
Orbán als neuer UNO-Chef?
Washington/New York. US-Präsident Donald Trump bringt einen überraschenden Namen für die Führung der Vereinten Nationen ins Gespräch: Viktor Orbán. Der im April abgewählte frühere ungarische Ministerpräsident könnte nach dem Willen von Vertretern der amerikanischen Regierung neuer UN-Generalsekretär werden. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, soll Washington bereits mit Russland und China über eine gemeinsame Kandidatur gesprochen haben. Beide Staaten sollen dem Vorschlag grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen. Eine offizielle Nominierung gibt es allerdings nicht. Auch Orbán selbst hat bislang nicht erklärt, ob er antreten möchte. Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Suche nach einem Nachfolger für António Guterres ins Stocken geraten ist.
Washington soll Orbán zur Kandidatur ermutigt haben
Nach Informationen des „Wall Street Journal“ werben Vertreter der Trump-Regierung dafür, den ehemaligen ungarischen Regierungschef an die Spitze der Weltorganisation zu bringen.
Die Zeitung beruft sich dabei auf Informationen aus den Vereinigten Staaten, Russland und China.
Demnach wurde Orbán bereits angesprochen und zu einer Kandidatur ermutigt. Zugleich sollen amerikanische Regierungsvertreter in Moskau und Peking ausgelotet haben, ob eine gemeinsame Unterstützung möglich wäre.
Eine endgültige Entscheidung ist nach den vorliegenden Berichten noch nicht gefallen.
Die Angaben stammen aus einem Beitrag der Meinungsredaktion des „Wall Street Journal“. Eine unabhängige offizielle Bestätigung durch die beteiligten Regierungen liegt bislang nicht vor.
Weder das Weiße Haus noch Russland oder China haben eine Kandidatur Orbáns öffentlich angekündigt.
Auch der frühere Ministerpräsident hat sich zu den aktuellen Berichten nicht geäußert.
Warum ausgerechnet Viktor Orbán?
Orbán unterhält seit Jahren enge politische Beziehungen zu Donald Trump.
Während seiner Zeit als ungarischer Ministerpräsident vertrat er eine nationalkonservative Politik, die in wesentlichen Punkten mit Positionen der amerikanischen MAGA-Bewegung übereinstimmte.
Beide Politiker betonten wiederholt die Bedeutung nationaler Souveränität und einer restriktiven Einwanderungspolitik.
Zugleich pflegte Orbán enge Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und zur chinesischen Führung.
Gerade diese Beziehungen könnten ihn aus Sicht seiner möglichen Unterstützer zu einem geeigneten Kandidaten machen.
Denn für die Ernennung eines UN-Generalsekretärs ist die Zustimmung des Sicherheitsrates notwendig.
Dort verfügen die Vereinigten Staaten, Russland, China, Frankreich und Großbritannien jeweils über ein Vetorecht.
Eine gemeinsame Unterstützung durch Washington, Moskau und Peking wäre deshalb politisch ungewöhnlich und könnte Orbán im Auswahlverfahren erhebliches Gewicht verleihen.
Sie würde allerdings noch nicht für seine Ernennung ausreichen.
Orbán verlor nach 16 Jahren die Macht in Ungarn
Der Vorschlag fällt in eine Phase, in der Orbáns eigene politische Zukunft offen ist.
Im April 2026 verlor seine Partei Fidesz die ungarische Parlamentswahl gegen die oppositionelle Tisza-Partei von Péter Magyar.
Damit endete Orbáns 16-jährige Regierungszeit.
Seit 2010 hatte er die ungarische Politik maßgeblich geprägt und weitreichende Veränderungen an staatlichen Institutionen vorgenommen.
Seine Regierung geriet insbesondere wegen Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Medienfreiheit und der Unabhängigkeit staatlicher Einrichtungen wiederholt in Konflikt mit der Europäischen Union.
Orbán war außerdem für seine ablehnende Haltung gegenüber Teilen der europäischen Ukraine-Politik bekannt.
Er kritisierte Sanktionen gegen Russland und stellte sich mehrfach gegen gemeinsame europäische Beschlüsse zur Unterstützung Kiews.
Nach seiner Wahlniederlage verlor er den unmittelbaren Einfluss auf die ungarische Regierungspolitik.
Ein internationales Spitzenamt könnte ihm nun eine neue politische Rolle eröffnen.
António Guterres scheidet Ende Dezember aus
Die Suche nach einem neuen UN-Generalsekretär läuft bereits seit mehreren Monaten.
Die zweite fünfjährige Amtszeit von António Guterres endet am 31. Dezember 2026.
Der ehemalige portugiesische Ministerpräsident steht seit Anfang 2017 an der Spitze der Vereinten Nationen.
Seine Amtszeit war unter anderem durch die Corona-Pandemie, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zahlreiche weitere internationale Konflikte geprägt.
Der Generalsekretär übernimmt innerhalb der Vereinten Nationen eine wichtige diplomatische und organisatorische Funktion.
Er leitet das UN-Sekretariat, vertritt die Organisation nach außen und kann bei internationalen Krisen vermitteln.
Allerdings verfügt er nicht über die Befugnis, Entscheidungen der Mitgliedstaaten oder des Sicherheitsrates eigenständig durchzusetzen.
Gerade bei Konflikten zwischen Großmächten sind seine Handlungsmöglichkeiten begrenzt.
Die Nachfolge ist deshalb nicht nur eine Personalentscheidung. Sie betrifft auch die Frage, welche Rolle die Vereinten Nationen künftig in der internationalen Politik spielen sollen.
Bisherige Kandidaten scheitern an Vetomächten
Das Auswahlverfahren befindet sich bereits in einer schwierigen Phase.
Im UN-Sicherheitsrat wurden mehrere informelle Probeabstimmungen durchgeführt.
Dabei konnten die Mitglieder ihre Haltung zu den vorgeschlagenen Kandidaten zum Ausdruck bringen.
Bislang gelang es keinem Bewerber, die notwendige Unterstützung ohne Widerstand eines ständigen Sicherheitsratsmitglieds zu erhalten.
Als aussichtsreiche Bewerberin galt zuletzt Rebeca Grynspan.
Die frühere Vizepräsidentin Costa Ricas leitet derzeit die UN-Handels- und Entwicklungsorganisation UNCTAD.
Sie erhielt bei den bisherigen Abstimmungen vergleichsweise viel Zustimmung.
Allerdings sprachen sich mehrere Mitglieder gegen sie aus, darunter auch ständige Mitglieder des Sicherheitsrates.
Damit ist ihre Kandidatur bislang nicht konsensfähig.
Ebenfalls im Rennen befindet sich Rafael Grossi, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation.
Zu den weiteren Bewerbern gehören die Diplomatin Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana sowie mehrere ehemalige Ministerinnen und internationale Spitzenvertreter.
Neue Kandidatin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
Erst vergangene Woche kam eine weitere Bewerbung hinzu.
Die Vereinigten Arabischen Emirate nominierten die Diplomatin Lana Nusseibeh.
Sie vertrat ihr Land bis 2024 als Botschafterin bei den Vereinten Nationen.
Nusseibeh verfügt über langjährige Erfahrungen in der multilateralen Diplomatie und war an internationalen Verhandlungen beteiligt.
Mit ihrer Kandidatur erweitert sich das Bewerberfeld um eine Vertreterin aus dem Nahen Osten.
Auch die Frage, ob erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen berufen werden sollte, spielt in der internationalen Debatte eine Rolle.
Bislang wurde die Organisation ausschließlich von Männern geführt.
Eine verbindliche Regel, wonach das Amt diesmal mit einer Frau besetzt werden müsste, besteht jedoch nicht.
Der mögliche Einstieg Orbáns würde das Auswahlverfahren zusätzlich verändern.
Frankreich und Großbritannien könnten Orbán verhindern
Selbst wenn die Vereinigten Staaten, Russland und China eine gemeinsame Kandidatur unterstützen sollten, wäre eine Ernennung nicht gesichert.
Der UN-Sicherheitsrat besteht aus 15 Mitgliedern.
Ein Kandidat benötigt mindestens neun Stimmen. Gleichzeitig darf keines der fünf ständigen Mitglieder sein Veto einlegen.
Frankreich und Großbritannien könnten eine Empfehlung für Orbán deshalb blockieren.
Beide Staaten hatten während seiner Regierungszeit wiederholt politische Differenzen mit Ungarn, insbesondere in Fragen der europäischen Zusammenarbeit und der Beziehungen zu Russland.
Ob sie einer möglichen Kandidatur zustimmen würden, ist nicht bekannt.
Auch die Haltung der übrigen Sicherheitsratsmitglieder müsste berücksichtigt werden.
Erst nach einer erfolgreichen Empfehlung durch den Sicherheitsrat könnte die Generalversammlung den neuen Generalsekretär ernennen.
Trump allein kann somit nicht über die Besetzung des Amtes entscheiden.
Welche Rolle spielt Orbáns Nähe zu Putin?
Besonders kontrovers wäre eine mögliche Kandidatur wegen Orbáns Verhältnis zur russischen Führung.
Während des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gehörte der damalige ungarische Ministerpräsident zu den europäischen Politikern, die wiederholt direkte Gespräche mit Moskau forderten.
Seine Kritiker warfen ihm vor, russische Positionen innerhalb der Europäischen Union zu unterstützen und gemeinsame Sanktionen zu behindern.
Orbán selbst stellte seine Haltung als diplomatischen Ansatz zur Beendigung des Krieges dar.
Als UN-Generalsekretär müsste er jedoch nicht nur nationale oder parteipolitische Interessen vertreten.
Das Amt verlangt die Wahrnehmung der Interessen der gesamten Weltorganisation.
Dazu gehören die Grundsätze der UN-Charta, insbesondere die Achtung staatlicher Souveränität, das Gewaltverbot und die friedliche Beilegung internationaler Streitigkeiten.
Ob Orbán diese Anforderungen aus Sicht der Mitgliedstaaten erfüllen könnte, dürfte eine zentrale Frage einer möglichen Kandidatur werden.
Berichte über internationale Posten gab es bereits früher
Spekulationen über eine neue internationale Aufgabe für Orbán sind nicht völlig neu.
Bereits im Frühjahr 2026 berichtete der Investigativjournalist Szabolcs Panyi über Überlegungen aus dem Umfeld der amerikanischen MAGA-Bewegung.
Demnach wurde über Möglichkeiten nachgedacht, Orbán nach seiner Wahlniederlage einen hochrangigen internationalen Posten zu verschaffen.
Zeitweise war auch von einer Funktion bei der FIFA oder einer Position innerhalb der Vereinten Nationen die Rede.
Ein Sprecher von Orbáns Partei Fidesz wies entsprechende Berichte damals als Falschmeldungen zurück.
Die aktuellen Informationen des „Wall Street Journal“ gehen darüber hinaus, weil sie mögliche Gespräche zwischen mehreren Regierungen beschreiben.
Dennoch bleibt offen, ob daraus tatsächlich eine formelle Kandidatur entsteht.
Entscheidung möglicherweise erst nach den US-Wahlen
Nach internationalen Medienberichten könnte eine öffentliche Entscheidung über den Vorschlag erst nach den amerikanischen Kongresswahlen vom 3. November erfolgen.
Ein solcher Zeitplan wurde von der US-Regierung bislang nicht bestätigt.
Orbán soll außerdem nur dann zu einer Kandidatur bereit sein, wenn er sich ausreichende Unterstützung für eine erfolgreiche Wahl verspricht.
Damit stehen dem Vorhaben mehrere politische Hürden entgegen.
Zunächst müsste der frühere ungarische Regierungschef seine Bereitschaft erklären.
Anschließend wäre eine formelle Nominierung erforderlich.
Darüber hinaus müssten sich ausreichend Mitglieder des Sicherheitsrates auf seine Person verständigen.
Ob die Vereinigten Staaten tatsächlich bereit wären, Orbán zum offiziellen Kandidaten zu machen, ist weiterhin unklar.
Eine ungewöhnliche Personaldebatte für die Vereinten Nationen
Der mögliche Vorstoß der Trump-Regierung zeigt, wie stark die Nachfolge an der Spitze der Vereinten Nationen von den Interessen der Großmächte geprägt wird.
Während sich die bisherigen Kandidaten nicht durchsetzen konnten, steht nun ein Politiker im Mittelpunkt, der erst wenige Monate zuvor sein Regierungsamt verloren hat.
Orbán verfügt über langjährige Regierungserfahrung und persönliche Kontakte zu mehreren Staats- und Regierungschefs.
Gleichzeitig ist er wegen seiner innenpolitischen Entscheidungen und seiner Haltung zu Russland international umstritten.
Ob er sich als Vermittler zwischen unterschiedlichen politischen Lagern eignen würde, müssten die UN-Mitgliedstaaten im Auswahlverfahren beurteilen.
Fest steht bislang nur, dass amerikanische Regierungsvertreter nach Medienberichten seine Kandidatur ins Gespräch gebracht haben sollen.
Eine offizielle Bewerbung, eine gemeinsame Nominierung durch mehrere Großmächte oder eine Entscheidung des Sicherheitsrates liegen nicht vor.
Bis zum Ende der Amtszeit von António Guterres bleiben nur noch wenige Wochen.
Die Vereinten Nationen müssen deshalb eine Nachfolge finden, während sich unter den mächtigsten Mitgliedstaaten noch kein gemeinsamer Kandidat abzeichnet.