Schlesisches Museum lädt zu einem besonderen Vortrag über Aberglauben und Magie ein

Görlitz: Fratzen, Alraunen und magische Rituale – wie Menschen vor 500 Jahren das Unheil abwehrten

Magie im alten Görlitz

Von Johannes Falkenberg 5 Min. Lesezeit

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Das Gemälde „Hexenversammlung“ von Frans Francken aus dem Jahr 1607 zeigt zahlreiche Figuren, magische Gegenstände und symbolische Handlungen. Das Kunstwerk veranschaulicht frühneuzeitliche Vorstellungen von Hexerei und Aberglauben.
Das Gemälde „Hexenversammlung“ von Frans Francken aus dem Jahr 1607 zeigt zahlreiche Figuren, magische Gegenstände und symbolische Handlungen. Das Kunstwerk veranschaulicht frühneuzeitliche Vorstellungen von Hexerei und Aberglauben. Foto: Schlesisches Museum zu Görlitz

Görlitz. Geheimnisvolle Fratzen an historischen Hausfassaden, schützende Amulette und Zaubersprüche gegen Krankheiten: Was heute wie eine Geschichte aus einer längst vergangenen Welt erscheint, gehörte vor 500 Jahren für viele Menschen zum Alltag. Welche Bedeutung magische Vorstellungen im Leben früherer Generationen hatten, erklärt die Historikerin Friederike Koch-Heinrichs am Freitag, dem 30. Oktober 2026, im Schlesischen Museum zu Görlitz. Ihr Vortrag „Fratzen, Alraunen, Drudensteine – Aberglaube und Magie vor 500 Jahren“ beginnt um 18 Uhr. Im Mittelpunkt steht auch die Frage, ob die rätselhaften Figuren am berühmten Görlitzer Schönhof ursprünglich mehr als bloßer Fassadenschmuck waren.

Geheimnisvolle Figuren am Görlitzer Schönhof

Wer historische Gebäude in Görlitz aufmerksam betrachtet, entdeckt an manchen Fassaden ungewöhnliche Figuren, Gesichter und Fabelwesen.

Besonders der Schönhof, eines der bedeutendsten Renaissancegebäude der Stadt, wirft interessante Fragen auf.

Welche Bedeutung hatten die Fratzen und fantastischen Wesen, mit denen frühere Baumeister das Gebäude schmückten?

Dienten sie ausschließlich der Verzierung? Sollten sie Macht und Wohlstand demonstrieren? Oder verbanden die Menschen mit ihnen möglicherweise auch die Hoffnung auf Schutz vor Unheil?

Solchen Fragen geht Friederike Koch-Heinrichs in ihrem Vortrag nach.

Die Leiterin des Museums der Westlausitz in Kamenz beschäftigt sich mit der magischen Vorstellungswelt der Menschen vor rund 500 Jahren.

Dabei betrachtet sie nicht nur einzelne Bauwerke, sondern auch Alltagsgegenstände, Schmuck, historische Kunstwerke und schriftliche Überlieferungen.

Wenn Krankheiten und Unwetter als übernatürliche Zeichen galten

Für die Menschen des 16. Jahrhunderts war die Welt voller Gefahren, deren Ursachen sie häufig nicht erklären konnten.

Krankheiten, Missernten, Unwetter, Kriege und Naturkatastrophen bedrohten das Leben.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und medizinische Möglichkeiten waren wesentlich begrenzter als heute.

Viele Menschen suchten deshalb nach Erklärungen, die über das unmittelbar Sichtbare hinausgingen.

Dabei entstand eine Vorstellungswelt, in der christlicher Glaube, überlieferte Bräuche und magische Handlungen eng miteinander verbunden waren.

Ereignisse konnten als Zeichen höherer Mächte verstanden werden. Gleichzeitig hofften Menschen, durch bestimmte Gegenstände oder Rituale Einfluss auf ihr Schicksal nehmen zu können.

Was aus heutiger Perspektive irrational erscheint, war damals häufig Bestandteil des alltäglichen Denkens.

Der Vortrag will diese Vorstellungen aus ihrem historischen Zusammenhang heraus verständlich machen.

Amulette und Zaubersprüche sollten vor Unglück schützen

Magische Gegenstände spielten im Alltag eine wichtige Rolle.

Amulette wurden getragen, um Krankheiten oder andere Gefahren abzuwehren.

Bestimmten Symbolen schrieb man besondere Kräfte zu.

Auch Zaubersprüche und überlieferte Rituale sollten Schutz bieten, Heilung ermöglichen oder Vorteile im täglichen Leben verschaffen.

Die Grenzen zwischen religiösen Praktiken, Volksglauben und magischen Vorstellungen waren dabei nicht immer eindeutig.

Für viele Menschen gehörten diese Bereiche selbstverständlich zusammen.

Ein Schmuckstück konnte deshalb zugleich eine persönliche Bedeutung besitzen und als Schutzgegenstand verstanden werden.

Ähnliches galt für Symbole an Gebäuden oder für Gegenstände, die im Haus aufbewahrt wurden.

Erst durch den Vergleich historischer Quellen lässt sich nachvollziehen, welche Bedeutung die Menschen ihnen tatsächlich zuschrieben.

Schwarze Katzen, Drudensteine und rätselhafte Alraunen

Einige Vorstellungen aus früheren Jahrhunderten sind bis heute bekannt.

Dazu gehört der Aberglaube, dass schwarze Katzen Unglück bringen könnten oder ein zerbrochener Spiegel schlechte Zeiten ankündige.

Andere magische Überlieferungen sind inzwischen weitgehend aus dem Alltag verschwunden.

Zu ihnen zählen sogenannte Drudensteine. Dabei handelt es sich um Steine mit natürlich entstandenen Löchern, denen im Volksglauben eine schützende Wirkung zugeschrieben wurde.

Auch Alraunen besaßen in früheren Vorstellungen besondere Bedeutung.

Die Wurzel der Pflanze erinnert mitunter an eine menschliche Gestalt. Dadurch entstanden zahlreiche Erzählungen über ihre angeblichen geheimnisvollen Kräfte.

Solche Gegenstände waren Teil einer Welt, in der die Menschen versuchten, Unsicherheit und Gefahren durch symbolische Handlungen besser zu bewältigen.

Der Vortrag im Schlesischen Museum beschäftigt sich damit, wie diese Vorstellungen entstanden und welchen Platz sie im Leben früherer Generationen einnahmen.

Historische Kunstwerke geben Hinweise auf magische Vorstellungen

Eine wichtige Rolle bei der Erforschung des früheren Aberglaubens spielen bildliche Darstellungen.

Gemälde, Druckgrafiken und Bauplastiken zeigen mitunter Gegenstände und Handlungen, deren ursprüngliche Bedeutung heute nicht mehr unmittelbar erkennbar ist.

Ein Beispiel ist das Gemälde „Hexenversammlung“ des flämischen Künstlers Frans Francken aus dem Jahr 1607.

Es stellt zahlreiche Figuren, Gegenstände und Handlungen dar, die mit magischen Vorstellungen verbunden wurden.

Solche Werke können Hinweise darauf geben, wie Menschen ihrer Zeit Hexerei und übernatürliche Kräfte wahrnahmen.

Allerdings dokumentieren sie nicht zwangsläufig tatsächliche Rituale. Künstler griffen auch verbreitete Ängste, Fantasien und gesellschaftliche Vorstellungen auf.

Erst wenn die Bilder mit historischen Beschreibungen in Büchern und Briefen verglichen werden, lassen sich die damaligen Bedeutungen genauer einordnen.

Erfahrungen aus einer großen Ausstellung in Kamenz

Die Referentin Friederike Koch-Heinrichs bringt umfangreiche Erfahrungen mit dem Thema mit.

Als Leiterin des Museums der Westlausitz in Kamenz beschäftigte sie sich zuletzt intensiv mit der Geschichte magischer Vorstellungen.

Dort war bis Ende April 2026 die Sonderausstellung „800 Jahre Aberglaube und Magie“ zu sehen.

Begleitend erschien ein umfangreicher Ausstellungskatalog.

Die Auseinandersetzung mit historischen Gegenständen, Kunstwerken und schriftlichen Quellen bildet auch die Grundlage des Vortrags in Görlitz.

Besonders interessant ist dabei die Frage, wie sich magische Vorstellungen über Jahrhunderte veränderten und welche Spuren bis heute sichtbar geblieben sind.

Veranstaltung gehört zum Jubiläumsprogramm des Schönhofs

Der Vortrag findet im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Wir sind SCHÖNHOF!“ statt.

Der Görlitzer Schönhof gehört zu den herausragenden historischen Bauwerken der Stadt und beherbergt das Schlesische Museum.

Im Jahr 2026 steht das Gebäude im Mittelpunkt eines besonderen Jubiläumsprogramms.

Die Veranstaltung über Aberglauben und Magie greift einen Aspekt auf, der unmittelbar mit der Architektur des Hauses verbunden ist.

Gerade die ungewöhnlichen Fassadenfiguren bieten Anlass, über die religiösen und magischen Vorstellungen der Renaissancezeit nachzudenken.

Der Vortrag verbindet damit Stadtgeschichte, Kunstgeschichte und Alltagskultur.

Vortrag am Freitagabend im Schlesischen Museum

Die Veranstaltung „Fratzen, Alraunen, Drudensteine – Aberglaube und Magie vor 500 Jahren“ findet am Freitag, dem 30. Oktober 2026, um 18 Uhr im Schlesischen Museum zu Görlitz statt.

Der Eingang befindet sich in der Brüderstraße 8.

Der Eintritt beträgt drei Euro.

Mit dem Vortrag lädt das Museum dazu ein, die historische Altstadt aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten.

Denn hinter mancher rätselhaften Figur und manchem alten Symbol könnte sich eine Vorstellung verbergen, die vor Jahrhunderten selbstverständlich zum Leben der Menschen gehörte.

Ob die Fratzen am Schönhof tatsächlich dem Schutz vor bösen Mächten dienten, ist eine der Fragen, denen sich Friederike Koch-Heinrichs an diesem Abend widmen wird.

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