Warnstreiks in Sachsen: IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn
In Sachsen erhöhen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie den Druck auf die Arbeitgeber. Bei Koenig & Bauer in Radebeul und weiteren Unternehmen wurde am Donnerstag die Arbeit niedergelegt. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld. Das bisherige Arbeitgeberangebot sieht dagegen erst für Juli 2028 eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent vor.
Radebeul. Der Tarifkonflikt in der sächsischen Metall- und Elektroindustrie hat eine neue Stufe erreicht. Am Donnerstag, 5. November 2026, beteiligten sich Beschäftigte mehrerer Unternehmen in Radebeul und Umgebung an Warnstreiks und Protestaktionen. Die Gewerkschaft IG Metall will damit höhere Löhne und zusätzliche Vereinbarungen zur Sicherung industrieller Arbeitsplätze durchsetzen.
Betroffen sind unter anderem der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer, LTB Leitungsbau, TK Aufzüge und AUMA Drives. Auch Beschäftigte von Kompressorenbau Bannewitz beteiligten sich mit einer Protestaktion.
Drei Stunden Warnstreik bei Koenig & Bauer
Die IG Metall Dresden und Riesa hatte die Beschäftigten von Koenig & Bauer in Radebeul am Donnerstag zwischen 12 und 15 Uhr zum Warnstreik aufgerufen.
Beschäftigte weiterer Unternehmen schlossen sich der Aktion an.
Bei AUMA Drives fand eine einstündige Arbeitsniederlegung statt. Mitarbeiter von Kompressorenbau Bannewitz nutzten ihre Mittagspause für eine gemeinsame Protestaktion.
Nach Angaben der Gewerkschaft war die Beteiligung ein deutliches Signal an die Arbeitgeber.
Die Beschäftigten wollen erreichen, dass in der laufenden Tarifrunde ein verbessertes Angebot vorgelegt wird.
Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld
Die IG Metall verlangt für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie eine Entgelterhöhung um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Darüber hinaus fordert sie Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, eine mögliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen und Verbesserungen für Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen.
Auch Auszubildende sollen von einer sozialen Komponente profitieren.
In Sachsen betrifft die Tarifrunde rund 155.000 Beschäftigte.
Bundesweit wird für etwa 3,7 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Branche verhandelt.
Die Gewerkschaft begründet ihre Forderungen insbesondere mit der Entwicklung der Lebenshaltungskosten.
Steigende Preise für Lebensmittel, Energie und Dienstleistungen hätten die Kaufkraft vieler Beschäftigter belastet.
Arbeitgeber bieten 1,3 Prozent ab Juli 2028
Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlungsrunde eine Entgelterhöhung um 1,3 Prozent zum 1. Juli 2028 angeboten.
Damit würden die monatlichen Tarifentgelte im gesamten Jahr 2027 unverändert bleiben.
Zusätzlich ist für Juli 2027 eine einmalige Zahlung vorgesehen, deren Auszahlung teilweise von der wirtschaftlichen Lage der jeweiligen Unternehmen abhängen soll.
Das Angebot hat eine Laufzeit von insgesamt 26 Monaten.
Die IG Metall lehnt es als unzureichend ab.
Aus Sicht der Gewerkschaft würde die lange Wartezeit bis zur nächsten dauerhaften Entgelterhöhung dazu führen, dass die Beschäftigten durch weitere Preissteigerungen real an Kaufkraft verlieren.
Die Arbeitgeber wiederum verweisen auf die angespannte wirtschaftliche Situation zahlreicher Unternehmen und die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Unterschiedliche wirtschaftliche Lage in den Betrieben
Die Metall- und Elektroindustrie steht vor erheblichen strukturellen Veränderungen.
Besonders in der Automobilindustrie und bei Zulieferern sorgen schwächere Nachfrage, internationale Konkurrenz und der technologische Wandel für Unsicherheit.
Andere Industriezweige verzeichnen dagegen eine bessere Auftragslage.
Dazu gehören nach Einschätzung der Gewerkschaft Teile der Elektrotechnik, der Medizintechnik sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie.
Die wirtschaftlichen Unterschiede erschweren eine Einigung auf gemeinsame tarifliche Regelungen.
Für Sachsen ist die Entwicklung besonders relevant, weil die Metall- und Elektroindustrie in zahlreichen Städten einen erheblichen Teil der industriellen Arbeitsplätze stellt.
Weitere Verhandlungen sollen folgen
Seit dem Ende der tariflichen Friedenspflicht am 31. Oktober sind Warnstreiks rechtlich möglich.
Bundesweit beteiligten sich nach Angaben der IG Metall bereits in den ersten vier Tagen der Protestwelle rund 191.000 Beschäftigte in nahezu 1.000 Betrieben.
Die Gewerkschaft hatte weitere Aktionen in mehr als 2.000 Betrieben für die laufende Woche angekündigt.
Gleichzeitig sollen die Tarifverhandlungen fortgesetzt werden.
Ob sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf eine höhere Entgelterhöhung, zusätzliche Einmalzahlungen oder andere tarifliche Regelungen einigen können, ist derzeit offen.
Bis dahin müssen sich Unternehmen in Sachsen auf weitere Warnstreiks einstellen.