Atommüll-Endlager: Sachsen scheidet aus – Sachsen-Anhalt bleibt im Rennen
Die Suche nach einem deutschen Atommüll-Endlager wird konkreter. Sachsen ist nach der jüngsten geologischen Bewertung nicht mehr unter den möglichen Standortregionen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen werden dagegen weiterhin Flächen untersucht. Besonders in der Altmark, im Harz und im südlichen Sachsen-Anhalt bleiben Gebiete im Auswahlverfahren.
Magdeburg. Die Suche nach einem dauerhaften Endlager für hochradioaktiven Atommüll konzentriert sich zunehmend auf wenige Regionen Deutschlands. Nach dem jüngsten Arbeitsstand der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) vom 27. Oktober 2026 werden inzwischen weniger als fünf Prozent der Bundesfläche weiter untersucht. Sachsen ist aus der laufenden Suche ausgeschieden. In Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen dagegen weiterhin bestimmte Gebiete für ein mögliches Endlager infrage.
Die BGE hatte die geologischen Bedingungen in den verbliebenen Suchgebieten weiter bewertet. Bis Ende 2027 soll daraus ein Vorschlag für Regionen entstehen, die anschließend näher erkundet werden können.
Sachsen wird nicht weiter untersucht
Für Sachsen bedeutet die neue Bewertung, dass der Freistaat im laufenden Auswahlverfahren nicht mehr als möglicher Standort betrachtet wird.
Zuvor waren unter anderem kleinere Gebiete in den Landkreisen Bautzen, Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Erzgebirgskreis geprüft worden.
Diese Flächen werden nach der aktuellen geologischen Bewertung nicht mehr in der höchsten Eignungskategorie geführt.
Ministerpräsident Michael Kretschmer begrüßte das Ergebnis.
Die sächsische Staatsregierung hatte bereits in der Vergangenheit Zweifel an der Eignung bestimmter Gesteinsformationen im Freistaat geäußert.
Neben Sachsen gehören auch Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland nicht mehr zu den Ländern, in denen die BGE nach dem aktuellen Stand weiter nach möglichen Endlagerregionen sucht.
Viele Gebiete in Sachsen-Anhalt weiterhin geeignet
Anders stellt sich die Situation in Sachsen-Anhalt dar.
Hier befinden sich weiterhin mehrere geologisch interessante Gebiete.
Dazu zählen insbesondere Teile der Altmark, Regionen im Harz sowie Gebiete zwischen Halle und Sangerhausen.
Der Anteil der Landesfläche, der näher untersucht wird, hat sich allerdings deutlich verkleinert.
Nach Angaben der BGE waren Ende 2025 noch etwa 50 Prozent Sachsen-Anhalts Teil der laufenden Suche. Inzwischen sind es weniger als zehn Prozent.
Ein wichtiger Grund dafür ist die genauere Untersuchung der verschiedenen Gesteinsformationen.
Für die dauerhafte Lagerung hochradioaktiver Abfälle kommen grundsätzlich bestimmte Salz-, Ton- und Kristallingesteine infrage.
Diese müssen geeignet sein, radioaktive Stoffe über äußerst lange Zeiträume sicher einzuschließen.
In Sachsen-Anhalt stehen nach dem aktuellen Arbeitsstand vor allem Salzformationen und bestimmte Kristallingesteine im Fokus.
Auch Thüringen bleibt teilweise im Auswahlverfahren
In Thüringen sind ebenfalls zahlreiche ursprünglich untersuchte Gebiete ausgeschieden.
Dazu gehören unter anderem Flächen im Unstrut-Hainich-Kreis, im Ilm-Kreis und im Werra-Fulda-Becken.
Andere Regionen werden weiterhin geprüft.
Dazu zählt unter anderem das Thüringer Becken im Bereich des Landkreises Sömmerda.
Die verbliebenen Gebiete sind allerdings noch keine festgelegten Endlagerstandorte.
Es handelt sich lediglich um Flächen, deren geologische Bedingungen weitere Untersuchungen rechtfertigen.
Ein Endlager muss eine Million Jahre sicher sein
Deutschland benötigt ein Endlager für die hochradioaktiven Abfälle aus der Nutzung der Kernenergie.
Obwohl die letzten deutschen Atomkraftwerke bereits im April 2023 abgeschaltet wurden, bleibt die Frage der dauerhaften Lagerung ungelöst.
Der radioaktive Abfall befindet sich derzeit überwiegend in Zwischenlagern.
Diese Einrichtungen sind nicht als endgültige Lösung für die kommenden Jahrtausende vorgesehen.
Für das künftige Endlager gelten deshalb besonders hohe Sicherheitsanforderungen.
Der sichere Einschluss der radioaktiven Stoffe soll für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet werden.
Entscheidend sind unter anderem die geologische Stabilität, die Beschaffenheit des Gesteins und der mögliche Einfluss von Grundwasser.
Ende 2027 sollen konkrete Standortregionen vorgeschlagen werden
Die BGE untersucht derzeit noch 36 Teilgebiete im Rahmen ihrer vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen.
Bis Ende 2027 will sie dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung geeignete Standortregionen für eine übertägige Erkundung vorschlagen.
Anschließend sind weitere Prüfungen und politische Entscheidungen erforderlich.
Die endgültige Standortentscheidung trifft nicht die BGE allein.
Auch der Gesetzgeber ist an den weiteren Auswahlentscheidungen beteiligt.
Für die Bevölkerung in den betroffenen Regionen bedeutet der aktuelle Arbeitsstand deshalb noch keine Festlegung.
Fest steht jedoch, dass Sachsen-Anhalt und Teile Thüringens bei der Suche nach einem Endlager weiterhin eine wichtige Rolle spielen.