Sächsischer Landtag diskutiert über neue Auto Union und mögliche Lohnzugeständnisse

VW Zwickau vor ungewisser Zukunft: Kretschmers Rettungsplan sorgt für Streit

Mehr als 8.000 Beschäftigte am VW-Standort Zwickau sorgen sich um ihre berufliche Zukunft. Ministerpräsident Michael Kretschmer will das Werk mit einer eigenständigen Gesellschaft und wettbewerbsfähigeren Produktionskosten erhalten. Im Landtag stößt der Vorschlag auf erhebliche Kritik.

Von Christian Richter 3 Min. Lesezeit

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Produktion des ID.3 Neo in Zwickau.
Produktion des ID.3 Neo in Zwickau. Foto: Volkswagen AG

Dresden. Die Zukunft des Volkswagenwerks in Zwickau bleibt ungewiss. Im Sächsischen Landtag wurde am Donnerstag, 5. November 2026, über einen Vorschlag von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) debattiert, der den traditionsreichen Automobilstandort langfristig sichern soll. Im Mittelpunkt steht die Idee einer neuen Auto Union, die das Werk eigenständiger organisieren und wirtschaftlich wettbewerbsfähiger machen könnte.

Dabei geht es nicht nur um Unternehmensstrukturen, sondern auch um mögliche Veränderungen bei Arbeitszeiten und Vergütung. Insbesondere die Aussicht auf geringere Lohnkosten sorgt bei Beschäftigten und mehreren Landtagsfraktionen für Widerstand.

Volkswagen soll Verantwortung für den Standort übernehmen

Nach den bisherigen Planungen des Volkswagenkonzerns steht die bisherige Fahrzeugproduktion am Standort Zwickau ab 2031 vor dem Aus. Eine dauerhafte industrielle Nachfolgenutzung ist bislang nicht verbindlich gesichert.

Kretschmer möchte verhindern, dass damit ein bedeutender Teil der sächsischen Automobilindustrie verloren geht.

Sein Vorschlag sieht vor, das Werk in eine eigenständige Gesellschaft zu überführen. Daran könnten neben Volkswagen möglicherweise weitere Investoren beteiligt werden.

Der Freistaat Sachsen soll nach den bisherigen Vorstellungen nicht selbst Eigentümer des Werks werden.

Die neue Unternehmensstruktur könnte eigene Produktionsaufträge übernehmen und auch außerhalb des bisherigen Volkswagenmodells wirtschaften.

Welche Produkte künftig in Zwickau entstehen sollen, ist allerdings noch offen.

Kretschmer brachte in der Landtagsdebatte neben Fahrzeugen auch neue industrielle Tätigkeitsfelder ins Gespräch. Dabei verwies er auf moderne Produktionstechnologien, Künstliche Intelligenz und Robotik.

Streit um mögliche Lohnkürzungen

Besonders kontrovers wird die Frage diskutiert, wie der Standort gegenüber anderen europäischen Automobilwerken wettbewerbsfähig werden kann.

Kretschmers Konzept sieht größere Flexibilität bei Arbeitszeiten und Vergütung vor. Damit könnten die Produktionskosten sinken.

Die Linksfraktion kritisiert diesen Ansatz deutlich.

Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper argumentierte, die Beschäftigten hätten bereits erhebliche Anpassungen getragen und seien nicht für wirtschaftliche Fehlentscheidungen des Konzernmanagements verantwortlich.

Auch andere Fraktionen verlangten, dass Volkswagen zunächst ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegt.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht und die Grünen sehen vor allem den Konzernvorstand in der Verantwortung. Die SPD betonte, dass die tarifliche Selbstbestimmung der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften gewahrt bleiben müsse.

Auch die AfD sprach sich gegen politische Eingriffe in die Tarifautonomie aus, setzte bei ihren wirtschaftspolitischen Vorschlägen jedoch andere Schwerpunkte.

Sachsen verlangt Klarheit vom VW-Vorstand

Ministerpräsident Kretschmer verwies in der Debatte darauf, dass die bisher vereinbarten Einsparungen in Sachsen erreicht worden seien.

Er kritisierte zugleich, dass im Konzern bei anderen Standorten unterschiedliche Maßstäbe angelegt würden.

Der Regierungschef forderte Volkswagen auf, endlich Klarheit über die geplante Zukunft des Zwickauer Werks zu schaffen.

Für die Beschäftigten ist entscheidend, ob nach 2030 weiterhin eine industrielle Produktion mit langfristig gesicherten Arbeitsplätzen möglich sein wird.

Neben den unmittelbar bei Volkswagen beschäftigten Menschen hängen auch zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern, Transportdienstleistern und anderen Unternehmen von der wirtschaftlichen Entwicklung des Standorts ab.

Eine neue Auto Union ist noch keine beschlossene Lösung

Die Idee einer eigenständigen Gesellschaft erinnert bewusst an die historische Auto Union, die 1932 in Chemnitz gegründet wurde.

Ob sich dieses Modell unter heutigen wirtschaftlichen Bedingungen übertragen lässt, bleibt jedoch fraglich.

Bislang sind weder konkrete Investoren noch ein verbindliches Produktionsprogramm oder eine abschließende Finanzierung bekannt.

Auch über mögliche Änderungen der Tarifbedingungen müsste erst verhandelt werden.

Die Landtagsdebatte hat damit vor allem die unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft des Werks sichtbar gemacht.

Eine endgültige Entscheidung über die künftige Nutzung des Volkswagenstandorts Zwickau ist dadurch nicht gefallen.

Für die Beschäftigten bleibt die zentrale Frage, ob Volkswagen rechtzeitig ein tragfähiges Konzept für die Zeit nach 2030 vorlegt.

Themen: SachsenMichael KretschmerVolkswagenZwickauAutomobilindustrieArbeitsplätzeAuto UnionTarifpolitik

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