Autobranche unter Druck

Mercedes warnt vor Werksschließungen in Deutschland

Mercedes-Benz erklärt seine deutsche Produktion im internationalen Vergleich für zu teuer. Produktionschef Michael Schiebe warnt: Gelingt es nicht, die Kosten zu senken, könnten ein Montage- und ein Antriebswerk geschlossen werden. Welche Standorte gemeint sind, nennt der Konzern nicht.

Von Paul Berger 3 Min. Lesezeit

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Mercedes-Benz warnt vor möglichen Werksschließungen in Deutschland, falls Produktionskosten nicht sinken.
Mercedes-Benz warnt vor möglichen Werksschließungen in Deutschland, falls Produktionskosten nicht sinken. Symbolbild · Foto: adobe.stock

Stuttgart/Ludwigsfelde. Eine Aussage aus dem Mercedes-Management sorgt in den deutschen Werken für Unruhe.

Produktionschef Michael Schiebe hat Beschäftigte im Stammwerk Sindelfingen davor gewarnt, dass bei ausbleibenden Kostensenkungen zwei deutsche Werke geschlossen werden könnten.

Konkret sprach Schiebe von einem Montagewerk und einem Antriebswerk.

Welche Standorte davon betroffen sein könnten, teilte Mercedes nicht mit.

Mercedes: Produktion in Deutschland zu teuer

Der Konzern erklärte zugleich, die Produktion in Deutschland sei im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Als einen wesentlichen Grund nannte Mercedes die hohen Arbeitskosten.

Das erklärte Ziel bleibe allerdings, alle deutschen Werke und Beschäftigung im Land zu erhalten. Dafür seien nach Ansicht des Unternehmens Produktivitätssteigerungen und gemeinsame Kostensenkungen notwendig.

Schiebe sagte den Mitarbeitern in Sindelfingen, wenn dies nicht gelinge, müsse Mercedes ein deutsches Fahrzeugwerk und einen Standort für Antriebe schließen.

Damit wird eine Diskussion, die bisher vor allem Volkswagen und zahlreiche Zulieferer erfasst hat, nun auch beim Stuttgarter Premiumhersteller deutlich sichtbar.

Betriebsrat widerspricht

Der Gesamtbetriebsrat reagierte umgehend.

Die Arbeitnehmervertretung kritisierte Werksschließungen als Druckmittel und kündigte Widerstand gegen mögliche Standortschließungen an. Beschäftigte dürften nicht vor die Alternative gestellt werden, Zugeständnisse zu machen oder ihre Werke zu verlieren.

Die Aussagen fielen in eine Woche, in der bundesweit Zehntausende Beschäftigte der Autoindustrie bei Aktionen der IG Metall gegen Stellenabbau demonstrierten.

Die Branche kämpft gleichzeitig mit hohen Kosten in Deutschland, zunehmender Konkurrenz aus China und zusätzlichen Belastungen durch US-Zölle.

Auch Ostdeutschland hängt am Mercedes-Netz

Für Ostdeutschland ist die Entwicklung keineswegs weit entfernt.

Mercedes-Benz betreibt mehrere wichtige Produktionsstandorte in den neuen Ländern.

Im brandenburgischen Ludwigsfelde werden seit Jahrzehnten Transporter gebaut. Das Werk produziert heute offene Varianten des Sprinter und eSprinter. Nach aktuellen Angaben des Konzerns beschäftigt der Standort rund 1.600 Menschen und wird derzeit für die nächste Van-Generation umgebaut.

Hinzu kommen unter anderem das Mercedes-Benz-Werk Berlin-Marienfelde sowie Produktionsstandorte im thüringischen Kölleda und Arnstadt und der Batteriespezialist Accumotive im sächsischen Kamenz.

Wichtig ist allerdings: Mercedes hat keinen dieser ostdeutschen Standorte als von einer Schließung bedroht bezeichnet.

Die Warnung des Produktionschefs bezog sich ausdrücklich nicht auf namentlich genannte Werke.

Gleichzeitig investiert Mercedes weiter

Das Bild ist deshalb widersprüchlich.

Während die Unternehmensführung über Kostensenkungen spricht, investiert Mercedes gleichzeitig weiter in deutsche Standorte.

In Berlin-Marienfelde begann im Juni die Großserienproduktion eines neuen elektrischen Axial-Fluss-Motors.

Im Werk Rastatt startete erst Mitte September die Serienproduktion des neuen GLA. Mercedes erklärte dabei ausdrücklich, mit den Investitionen die Rolle des Standorts im weltweiten Produktionsnetz zu stärken.

Der Konzern zieht sich also nicht grundsätzlich aus Deutschland zurück.

Vielmehr verschärft sich der Wettbewerb darum, welche Produkte künftig an welchem Standort gefertigt werden – und zu welchen Kosten.

Deutschlands Autostandorte stehen unter Beobachtung

Der Fall Mercedes fügt sich damit in eine größere Entwicklung ein.

Deutsche Automobilhersteller versuchen, ihre heimischen Werke günstiger und flexibler zu machen, während gleichzeitig Produktionskapazitäten in Ländern mit niedrigeren Kosten ausgebaut werden.

Für Industrieregionen bedeutet das, dass selbst traditionsreiche Standorte ihre Rolle im globalen Produktionsnetz immer wieder neu begründen müssen.

Welche Werke Mercedes mit seiner Warnung konkret im Blick hatte, bleibt bislang offen.

Gerade deshalb dürfte die Debatte in den kommenden Wochen nicht nur in Sindelfingen, sondern auch an den übrigen deutschen Mercedes-Standorten aufmerksam verfolgt werden.

Themen: BrandenburgWerksschließungArbeitsplätzeAutoindustrieLudwigsfeldeMercedes-Benz

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