Krise der deutschen Automobilindustrie

Audi-Gewinn bricht um 87 Prozent ein – Autobauer senkt erneut seine Prognose

Gewinneinbruch erschüttert Audi

Von Paul Berger 4 Min. Lesezeit

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Audi CEO Gernot Döllner rechts vom Audi Concept C
Audi CEO Gernot Döllner rechts vom Audi Concept C Foto: AUDI AG

Der deutsche Automobilhersteller Audi steckt weiter in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im dritten Quartal 2026 verdiente die Volkswagen-Tochter nach Steuern nur noch 95 Millionen Euro – ein Rückgang von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zugleich senkte der Konzern am Freitag, 30. Oktober, zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose. Schwache Verkaufszahlen in China, amerikanische Importzölle und ein zunehmender Preiskampf belasten das Unternehmen.

Für die deutsche Automobilindustrie ist die Entwicklung ein weiteres Warnsignal. Während chinesische Hersteller zunehmend Marktanteile gewinnen, kämpfen etablierte Marken mit hohen Kosten und dem aufwendigen Umbau zur Elektromobilität.

Nur noch 95 Millionen Euro Gewinn im dritten Quartal

Die jüngsten Geschäftszahlen verdeutlichen, wie stark sich die wirtschaftliche Lage bei Audi verschlechtert hat.

Zwischen Juli und September erwirtschaftete der Konzern nach Steuern lediglich 95 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahresquartal lag das Ergebnis noch deutlich höher.

Auch die Entwicklung der ersten neun Monate fällt ernüchternd aus. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 42,06 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verringerte sich von 1,56 Milliarden auf 1,15 Milliarden Euro.

Damit erreichte Audi nach neun Monaten nur noch eine operative Umsatzrendite von rund 2,7 Prozent. Von 100 Euro Umsatz blieben somit im operativen Geschäft lediglich etwa 2,70 Euro als Gewinn übrig.

Die veröffentlichten Konzernzahlen umfassen neben der Marke Audi auch weitere Unternehmen der Markengruppe, darunter Bentley, Lamborghini und Ducati.

Audi korrigiert Jahresprognose erneut nach unten

Die Unternehmensführung rechnet inzwischen mit einem deutlich schwächeren Gesamtjahr als ursprünglich geplant.

Für 2026 erwartet Audi nur noch einen Umsatz zwischen 55 und 59 Milliarden Euro. Bislang lag die Prognose bei 58 bis 63 Milliarden Euro.

Auch die erwartete operative Umsatzrendite wurde zurückgenommen. Statt fünf bis sieben Prozent rechnet der Hersteller nur noch mit drei bis fünf Prozent.

Beim Netto-Cashflow erwartet der Konzern ebenfalls weniger als bisher. Die neue Spanne liegt zwischen 2,5 und 3,5 Milliarden Euro, nachdem zuvor drei bis vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren.

Bereits im Juli hatte Audi seine Erwartungen reduziert. Die erneute Korrektur zeigt, dass sich die erhoffte Stabilisierung bislang nicht eingestellt hat.

China und amerikanische Zölle belasten das Geschäft

Besonders schwierig entwickelt sich die Lage auf dem chinesischen Automobilmarkt.

Dort verliert Audi zunehmend Kunden an einheimische Hersteller, die insbesondere bei Elektrofahrzeugen mit neuen Technologien und wettbewerbsfähigen Preisen auftreten.

Bereits im dritten Quartal gingen die weltweiten Auslieferungen der Kernmarke Audi um 19,7 Prozent zurück. Insgesamt wurden 314.905 Fahrzeuge an Kunden übergeben.

In den ersten neun Monaten summierten sich die Auslieferungen auf rund 1,04 Millionen Fahrzeuge, 11,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China lag das Minus bei annähernd einem Viertel, während die Verkäufe in den USA um ungefähr ein Sechstel zurückgingen.

Hinzu kommen die amerikanischen Importzölle. Da Audi bislang keine eigene Fahrzeugproduktion in den Vereinigten Staaten betreibt, treffen die Handelsbeschränkungen das Unternehmen besonders stark.

Nach den aktuellen Berichten summierten sich die Zollbelastungen zuletzt auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Bis zu 7.500 Arbeitsplätze sollen wegfallen

Der wirtschaftliche Druck hat auch Folgen für die Beschäftigten.

Audi plant, bis 2029 bis zu 7.500 Stellen in Deutschland abzubauen. Betroffen sind insbesondere indirekte Tätigkeiten, während der Konzern zugleich seine Verwaltungs- und Produktionsstrukturen effizienter gestalten will.

Die Unternehmensführung strebt mittelfristig jährliche Einsparungen von mehr als einer Milliarde Euro an.

Zusätzlich sollen Kosten reduziert, Entscheidungswege vereinfacht und die Investitionen stärker auf ausgewählte Zukunftsfelder konzentriert werden.

Dazu zählen Software, künstliche Intelligenz, Fahrerassistenzsysteme und neue Fahrzeugmodelle.

Weitere Maßnahmen an den deutschen Standorten sollen mit Arbeitnehmervertretern besprochen werden.

Milliardeninvestition in ein amerikanisches Werk geplant

Um seine Abhängigkeit von Importen zu verringern, prüft Audi den Aufbau einer eigenen Produktion in den Vereinigten Staaten.

Im Gespräch ist eine Investition von rund vier Milliarden US-Dollar. Die geplante Fabrik könnte langfristig bis zu 200.000 Fahrzeuge jährlich herstellen.

Ein Produktionsbeginn wird für die 2030er-Jahre angestrebt.

Die Investition ist allerdings noch nicht endgültig beschlossen. Die erforderliche Zustimmung des Volkswagen-Aufsichtsrats steht aus.

Für Audi wäre ein amerikanisches Werk ein bedeutender strategischer Schritt. Der Hersteller könnte damit die Belastung durch Importzölle reduzieren und seine Position auf dem wichtigen US-Markt verbessern.

Kurzfristig würde die Investition jedoch zusätzliche finanzielle Mittel binden.

Deutsche Autoindustrie steht unter zunehmendem Druck

Audi ist mit seinen Problemen nicht allein.

Auch andere deutsche Hersteller kämpfen mit schwächeren Verkaufszahlen, steigenden Kosten und einer veränderten internationalen Wettbewerbssituation.

Insbesondere der chinesische Markt, der über viele Jahre hohe Gewinne ermöglichte, entwickelt sich zunehmend zu einem schwierigen Geschäftsfeld.

Für Volkswagen und seine Tochtergesellschaften stellt sich deshalb die Frage, wie schnell die Kostenstrukturen angepasst und neue, wettbewerbsfähige Modelle auf den Markt gebracht werden können.

Audi setzt für das Schlussquartal 2026 unter anderem auf neue SUV-Modelle und zusätzliche Effizienzmaßnahmen.

Ob diese ausreichen, um die Jahresziele zu erreichen, bleibt offen. Die jüngsten Zahlen verdeutlichen jedenfalls, dass der Umbau der deutschen Automobilindustrie noch lange nicht abgeschlossen ist.

Themen: StellenabbauVolkswagenAutomobilindustrieElektromobilitätChinaWirtschaftskriseAudiUS-ZölleUnternehmensgewinne

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