Am 13. August 1961 begann die DDR mit der Abriegelung der Grenze nach West-Berlin. 65 Jahre später erinnert Brandenburg am kommenden Donnerstag mit einer zentralen Gedenkveranstaltung an die Opfer der deutschen Teilung und des DDR-Grenzregimes. Der Ort ist bewusst gewählt: Großziethen bei Schönefeld lag unmittelbar an der damaligen Grenze zu Berlin. Landtag, Landesregierung und die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur laden gemeinsam zum öffentlichen Gedenken ein.

Die Veranstaltung beginnt am 13. August um 15 Uhr im Skypoint Großziethen. Anschließend gehen Teilnehmer gemeinsam zu einer Erinnerungsstele für Eberhard Schulz.

Der 13. August veränderte das Leben von Millionen Menschen

Mit dem Mauerbau wurde die deutsche Teilung buchstäblich aus Beton, Stacheldraht und Grenzanlagen gebaut.

Familien wurden getrennt, Arbeitswege unterbrochen und persönliche Kontakte teilweise von einem Tag auf den anderen unmöglich.

Was zunächst mit Absperrungen und Stacheldraht begann, entwickelte sich zu einem streng bewachten Grenzsystem, das die DDR über Jahrzehnte daran hindern sollte, weitere Bürger an den Westen zu verlieren.

Die Berliner Mauer wurde damit zu einem der sichtbarsten Symbole des Kalten Krieges und zugleich zum Ausdruck eines Staates, der seine Bevölkerung nicht frei ausreisen ließ.

Großziethen erinnert an einen konkreten Mauer-Toten

Brandenburg beschränkt das Gedenken bewusst nicht auf abstrakte historische Zahlen.

Die diesjährige Veranstaltung erinnert auch an Eberhard Schulz, der im März 1966 an der Grenze zwischen Großziethen und Berlin-Rudow gewaltsam ums Leben kam. Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke wird dessen Schicksal in einer dokumentarischen Lesung aufgreifen.

Zum Abschluss führt der gemeinsame Weg zur Erinnerungsstele, die an Schulz erinnert.

Gerade solche persönlichen Biografien machen deutlich, dass das DDR-Grenzregime nicht nur ein politisches System aus Mauern, Kontrollstreifen und Wachtürmen war. Hinter jedem Todesfall standen Familien, Freunde und zerstörte Lebenswege.

140 Namen begleiten den Weg zur Gedenkstele

Besonders eindrücklich soll eine Installation entlang des Weges zur Kranzniederlegung werden.

Dort werden die Lebensdaten von 140 Menschen gezeigt, die infolge des DDR-Grenzregimes an der Berliner Mauer ums Leben kamen.

Damit bekommt die Zahl einzelne Namen und Lebensgeschichten.

Die Erinnerung richtet sich ausdrücklich an die Opfer der deutschen Teilung und der kommunistischen Diktatur.

Brandenburg macht den Jahrestag zur gemeinsamen Landesveranstaltung

Die Gedenkrede hält Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke.

Auch Brandenburgs stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister Jan Redmann wird sprechen. Gastgeber ist die Gemeinde Schönefeld mit Bürgermeister Christian Hentschel. Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, nimmt ebenfalls teil.

Landtag, Landesregierung, Aufarbeitungsbeauftragte und Kommune treten damit gemeinsam auf.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Bürger können daran ebenso teilnehmen wie politische Vertreter und Angehörige von Opferfamilien.

Auch Berlin erinnert am Vormittag an den Mauerbau

Großziethen ist nicht der einzige zentrale Erinnerungsort an diesem Donnerstag.

Bereits um 10 Uhr findet an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße die zentrale Berliner Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag statt. Auch Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke nimmt daran teil.

Die Stiftung Berliner Mauer hat rund um den Jahrestag vom 13. bis 16. August ein zusätzliches Programm angekündigt.

Damit wird das Erinnern an diesem Jahr nicht auf eine einzelne Kranzniederlegung beschränkt.

36 Jahre nach der Einheit verändert sich die Erinnerung

Der Jahrestag fällt in eine Zeit, in der sich der persönliche Bezug zur deutschen Teilung zunehmend verändert.

Menschen, die den 13. August 1961 selbst bewusst erlebt haben, werden weniger. Eine immer größere Zahl der Deutschen wurde erst nach dem Fall der Mauer oder sogar nach der Wiedervereinigung geboren.

Damit verändert sich auch die Aufgabe der Erinnerungskultur.

Für jüngere Generationen ist die Mauer nicht mehr persönliche Erfahrung, sondern Geschichte.

Gerade deshalb gewinnen historische Orte, Zeitzeugenberichte, Dokumente und konkrete Biografien an Bedeutung. Sie können vermitteln, was Begriffe wie Reisefreiheit, freie Wahlen oder persönliche Bewegungsfreiheit bedeuten, wenn diese Rechte plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind.

Die Mauer war weit mehr als ein Berliner Problem

Der Begriff „Berliner Mauer“ kann zudem leicht den Eindruck erwecken, die Teilung habe vor allem die Hauptstadt betroffen.

Tatsächlich verlief die innerdeutsche Grenze über Hunderte Kilometer und prägte das Leben in zahlreichen ostdeutschen Regionen.

Auch Brandenburg war unmittelbar betroffen. Ortschaften lagen direkt am Grenzgebiet, Straßenverbindungen wurden gekappt und Menschen lebten teilweise nur wenige Meter von einer Grenze entfernt, die sie nicht überschreiten durften.

Großziethen steht exemplarisch für diese Erfahrung.

Der Ort grenzt unmittelbar an Berlin-Rudow und lag während der deutschen Teilung auf DDR-Seite.

Erinnerung ist keine reine Rückschau

65 Jahre nach Beginn des Mauerbaus geht es deshalb nicht ausschließlich darum, historische Ereignisse zu dokumentieren.

Der Jahrestag erinnert daran, welche Folgen ein politisches System haben kann, wenn individuelle Freiheitsrechte hinter dem Machtanspruch eines Staates zurücktreten.

Das ist auch der Grund, warum Brandenburg den 13. August nicht allein historischen Einrichtungen überlässt, sondern Landtag und Landesregierung selbst an der Gedenkveranstaltung beteiligt.

Die Berliner Mauer verschwand 1989.

Die Geschichten der Menschen, deren Leben sie durchschnitt, verschwinden jedoch nur dann nicht, wenn sie weiterhin erzählt werden.

Quellen

Landtag Brandenburg – Zentrale Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer

Landesbeauftragte Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur

Stiftung Berliner Mauer

Landesregierung Brandenburg