Strafverteidiger wird Bezirksverordneter

Berlin. Konstantin Stern zieht für die Linke in die Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg ein. Die Partei hatte den Berliner Rechtsanwalt auf Listenplatz vier aufgestellt. Bei der BVV-Wahl vom 20. September erreichte die Linke in Lichtenberg 30,4 Prozent der gültigen Stimmen.

Stern ist bereits länger innerhalb des Lichtenberger Bezirksverbandes aktiv. Eine Parteipublikation aus dem Jahr 2025 bezeichnet ihn ausdrücklich als Mitglied und nennt ihn unter anderem als Mitorganisator einer Veranstaltung des Bezirksverbandes.

Politische Aufmerksamkeit bekommt seine Wahl nun vor allem wegen seiner beruflichen Tätigkeit.

Stern verteidigte Angeklagten im Grünen-Gewölbe-Prozess

Stern war als Strafverteidiger im Prozess um den spektakulären Einbruch in das Historische Grüne Gewölbe in Dresden tätig.

Er vertrat Abdul Majed Remmo, einen der Angeklagten des Verfahrens. Bereits 2024 wurde Stern öffentlich als einer der Verteidiger im Grünen-Gewölbe-Prozess vorgestellt.

Der Einbruch ereignete sich am 25. November 2019 im Dresdner Residenzschloss. Dabei wurden Schmuckstücke von außergewöhnlicher kunst- und kulturhistorischer Bedeutung gestohlen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte den Versicherungswert der Beute auf mehr als 113 Millionen Euro.

Im Mai 2023 endete der Prozess gegen sechs Angeklagte vor dem Landgericht Dresden. Fünf Männer wurden verurteilt, ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Anwalt und Mandant müssen getrennt werden

Dass Stern einen Angehörigen der Familie Remmo verteidigte, bedeutet rechtlich und sachlich keine Beteiligung an dessen Taten.

Strafverteidiger vertreten Beschuldigte und Angeklagte unabhängig davon, welcher Straftaten diese verdächtigt oder später schuldig gesprochen werden. Das Recht auf Verteidigung gehört zu den Grundprinzipien eines Strafverfahrens.

In den öffentlich zugänglichen Informationen findet sich bislang kein belastbarer Beleg, dass Stern selbst an Straftaten der Remmo-Familie beteiligt gewesen wäre oder außerhalb seiner anwaltlichen Tätigkeit Teil einer Struktur organisierter Kriminalität ist.

Auch eine politische Einflussnahme der Familie Remmo auf Sterns Kandidatur ist bislang nicht nachgewiesen.

Ausbildung bei Abteilung für Organisierte Kriminalität

Eine weitere biografische Besonderheit sorgt dennoch für Aufmerksamkeit.

Während seines Rechtsreferendariats absolvierte Stern nach Angaben seiner Kanzlei eine Station bei der Abteilung 255 der Staatsanwaltschaft Berlin, die sich mit Organisierter Kriminalität befasst.

Weitere Stationen führten ihn unter anderem in die Untersuchungshaftanstalt Moabit. Seit April 2023 ist Stern Fachanwalt für Strafrecht.

Auch dieser Teil seines Lebenslaufs ist zunächst eine reguläre juristische Ausbildungsstation. Aus der Tätigkeit bei einer Staatsanwaltschaft lässt sich keine spätere Nähe zu Beschuldigten oder kriminellen Strukturen ableiten.

Kein Beleg für Vetternwirtschaft

Die Frage nach möglichen politischen Verbindungen ist dennoch naheliegend, weil Stern inzwischen zwei sehr unterschiedliche öffentliche Rollen verbindet: Strafverteidiger in einem bundesweit bekannten Verfahren und Mandatsträger der Linken.

Für Vetternwirtschaft gibt es derzeit jedoch keine belastbaren Anhaltspunkte.

Die Lichtenberger Linke veröffentlichte Stern regulär auf ihrer Kandidatenliste. Er stand auf Platz vier hinter Camilla Schuler, Kerstin Zimmer und Elisa Schneider. Die Mandate einer BVV werden entsprechend dem Stimmenanteil der Parteien und der Reihenfolge der Kandidatenlisten vergeben.

Es gibt bislang keinen öffentlich belegten Hinweis darauf, dass seine frühere anwaltliche Tätigkeit für einen Remmo-Angehörigen bei dieser Aufstellung eine Rolle spielte.

Politische Frage bleibt dennoch

Damit bleibt ein politisch interessanter Gegensatz.

Stern hat als Strafverteidiger einen Angeklagten in einem Verfahren vertreten, das von Polizei und Justiz der Organisierten Kriminalität zugerechnet und bundesweit intensiv verfolgt wurde. Gleichzeitig vertritt er künftig eine Partei in einem Berliner Bezirksparlament.

Entscheidend ist dabei, die Ebenen nicht zu vermischen.

Sein Mandat als Anwalt ist ein beruflicher Vorgang. Seine Kandidatur und sein BVV-Mandat sind politische Entscheidungen. Eine Verbindung zwischen beiden müsste anhand konkreter Fakten belegt werden.

Das ist bislang nicht der Fall.

Die offenen Fragen

Interessant wird deshalb vor allem, welche politischen Positionen Stern selbst künftig in der BVV vertreten wird.

Öffentlich kaum dokumentiert ist bislang, wie er etwa zu den Themen Organisierte Kriminalität, Vermögensabschöpfung, sogenannten Clan-Razzien oder Verbundeinsätzen steht.

Ebenso offen ist, ob seine Erfahrungen als Strafverteidiger in seine kommunalpolitische Arbeit einfließen sollen.

Fest steht bislang lediglich:

Konstantin Stern verteidigte einen Angeklagten im Grünen-Gewölbe-Prozess, ist Mitglied der Linken und zieht über Listenplatz vier in die Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung ein.

Alles darüber hinaus – insbesondere eigene Beteiligung an organisierter Kriminalität, Vetternwirtschaft oder politische Einflussnahme durch die Familie Remmo – ist derzeit nicht belegt.