Streit über Frauensicherheit, Gewaltkriminalität und Migration

Grünen-Chefin warnt Frauen vor Angst auf dem Heimweg – CDU wirft ihr Verschweigen unbequemer Fakten vor

Mit einem Instagram-Video warnt Grünen-Chefin Franziska Brantner vor der Angst vieler Frauen auf nächtlichen Straßen. Sie fordert bessere Beleuchtung, sichere Verkehrsmittel und mehr Schutz vor Gewalt. Doch CDU-Bundestagsabgeordneter Christoph Ploß wirft ihr vor, den Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität auszublenden. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 liefert Zahlen, die den politischen Streit verschärfen.

Von Sebastian Krüger 5 Min. Lesezeit

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Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner warnt in einem Instagram-Video vor der Unsicherheit vieler Frauen auf nächtlichen Heimwegen. CDU-Bundestagsabgeordneter Christoph Ploß wirft ihr vor, bei der Debatte über Gewaltkriminalität die überdurchschnittliche Beteiligung nichtdeutscher Tatverdächtig
Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner warnt in einem Instagram-Video vor der Unsicherheit vieler Frauen auf nächtlichen Heimwegen. CDU-Bundestagsabgeordneter Christoph Ploß wirft ihr vor, bei der Debatte über Gewaltkriminalität die überdurchschnittliche Beteiligung nichtdeutscher Tatverdächtig Foto: Elias Keilhauer

Berlin. Ein nächtlicher Heimweg, ein griffbereiter Schlüssel und der vorsorgliche Anruf bei Freunden: Mit einem Instagram-Video will die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner auf die Unsicherheit aufmerksam machen, die viele Frauen im öffentlichen Raum empfinden. Ihre Forderung nach mehr Sicherheit löst jedoch heftige Kritik aus der CDU aus. Der Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß wirft ihr vor, einen wesentlichen Aspekt der Kriminalitätsdebatte auszuklammern.

Der Streit entzündete sich am Wochenende des 7. und 8. November 2026. Während Brantner die alltäglichen Erfahrungen von Frauen und notwendige Schutzmaßnahmen in den Mittelpunkt stellt, verweist Ploß auf die überdurchschnittliche Beteiligung nichtdeutscher Tatverdächtiger an bestimmten Gewaltdelikten.

Die Auseinandersetzung berührt eine grundlegende Frage der deutschen Sicherheitspolitik: Welche Maßnahmen helfen Frauen tatsächlich, sich im öffentlichen Raum sicherer zu fühlen, und welche Rolle spielen dabei Kriminalitätsentwicklung, Migration und staatliche Prävention?

Franziska Brantner beschreibt die Angst auf dem Heimweg

In ihrem Instagram-Video schildert die Grünen-Vorsitzende Situationen, die vielen Frauen bekannt vorkommen dürften.

Dazu gehören das Wechseln der Straßenseite, ein vorgetäuschtes Telefongespräch oder die vorsorgliche Mitteilung des eigenen Standorts an vertraute Personen.

Brantner erklärt, dass sie selbst das Gefühl kenne, sich auf einem nächtlichen Heimweg unsicher zu fühlen, auch wenn sie tatsächlich nicht verfolgt werde.

Die Politikerin fordert deshalb besser beleuchtete Straßen, sichere öffentliche Verkehrsmittel, einen wirksameren Schutz vor Gewalt und zusätzliche Anlaufstellen für betroffene Frauen.

Ihre Botschaft lautet, dass Sicherheit im öffentlichen Raum nicht vom Geschlecht abhängen dürfe.

Dass die Angst vieler Frauen ein reales gesellschaftliches Problem darstellt, zeigen auch Untersuchungen des Bundeskriminalamtes.

Die Dunkelfeldstudie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland 2024“, deren Ergebnisse im April 2026 vorgestellt wurden, dokumentiert erhebliche Unsicherheit an bestimmten öffentlichen Orten.

Besonders kritisch bewertet werden Bahnhöfe, Parks und der öffentliche Nahverkehr.

Die Befunde zeigen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl ein eigenständiges politisches Problem ist. Es hängt nicht ausschließlich davon ab, wie viele Straftaten tatsächlich registriert werden.

CDU-Politiker Christoph Ploß spricht von Verlogenheit

Der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß reagierte mit scharfer Kritik.

Gegenüber der Bild-Zeitung bezeichnete er Brantners Darstellung als verlogen, weil sie nicht auf den Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei Gewalt- und Sexualdelikten eingehe.

Ploß verbindet seine Kritik mit der Migrationspolitik der Grünen.

Er wirft der Partei vor, Maßnahmen gegen irreguläre Migration und zur Abschiebung ausländischer Straftäter zu behindern.

Als Beispiel verweist die Berichterstattung auf einen offenen Brief, den Brantner im Juni unterzeichnet hatte. Darin wurde die Beteiligung von Taliban-Vertretern an Gesprächen in Brüssel kritisiert.

Bei diesen Gesprächen ging es unter anderem um die Rückführung afghanischer Straftäter.

Allerdings sind zwei Fragen voneinander zu unterscheiden: die grundsätzliche Abschiebung ausländischer Straftäter und die diplomatische Zusammenarbeit mit Vertretern des Taliban-Regimes.

Die Kritik an einer solchen Zusammenarbeit bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Abschiebungen abgelehnt werden.

Der politische Gegensatz bleibt dennoch deutlich: Während Brantner vor allem Verbesserungen im öffentlichen Raum fordert, verlangt Ploß einen stärkeren Fokus auf Migrationskontrolle und konsequente Rückführungen.

42,9 Prozent der Tatverdächtigen bei Gewaltkriminalität waren nicht deutsch

Die von Ploß angesprochene Kriminalitätsstatistik enthält tatsächlich einen auffälligen Befund.

Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 des Bundeskriminalamtes hatten 42,9 Prozent der bei Gewaltkriminalität registrierten Tatverdächtigen keine deutsche Staatsangehörigkeit.

Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und besonders schweren sexuellen Übergriffen lag der entsprechende Anteil bei 38,5 Prozent.

Beide Werte liegen deutlich über dem Anteil nichtdeutscher Staatsangehöriger an der deutschen Wohnbevölkerung, der Ende 2025 rund 14,9 Prozent betrug.

Die Zahlen dürfen deshalb in einer sachlichen politischen Debatte nicht ignoriert werden.

Allerdings ist ihre Interpretation komplexer, als ein unmittelbarer Vergleich der Prozentwerte vermuten lässt.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Tatverdächtige und keine rechtskräftig verurteilten Täter.

Zu den nichtdeutschen Tatverdächtigen können außerdem Personen gehören, die nicht dauerhaft in Deutschland wohnen, etwa Touristen oder Durchreisende.

Hinzu kommen Unterschiede in der Alters- und Geschlechtsstruktur, den sozialen Lebensbedingungen und der regionalen Verteilung der Bevölkerung.

Gerade jüngere Männer werden unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit überdurchschnittlich häufig als Tatverdächtige registriert.

Die amtlichen Zahlen belegen damit eine Überrepräsentation nichtdeutscher Tatverdächtiger in bestimmten Deliktsbereichen. Sie belegen aber nicht, dass die Staatsangehörigkeit allein die Ursache kriminellen Verhaltens ist.

Sexualdelikte nehmen zu – Gewaltkriminalität insgesamt sinkt

Ein weiterer Befund der Kriminalstatistik verdient besondere Aufmerksamkeit.

Die Zahl der registrierten Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und schweren sexuellen Übergriffen stieg 2025 gegenüber dem Vorjahr deutlich.

Die Bundesregierung bezifferte die Zunahme bei Vergewaltigungen auf neun Prozent.

Gleichzeitig ging die registrierte Gewaltkriminalität insgesamt um 2,3 Prozent zurück.

Auch die Zahl der Tatverdächtigen bei Gewaltkriminalität sank.

Diese unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, warum eine differenzierte Betrachtung notwendig ist.

Nicht jede Form von Gewalt entwickelt sich gleich. Aus einem Rückgang der gesamten Gewaltkriminalität lässt sich nicht ableiten, dass die Situation bei Sexualdelikten ebenfalls besser geworden wäre.

Hinzu kommt, dass sexuelle Gewalt keineswegs ausschließlich im öffentlichen Raum stattfindet.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes stammen Tatverdächtige bei Vergewaltigungen häufig aus dem näheren Umfeld der Opfer.

Sicherheitspolitik muss deshalb sowohl öffentliche Plätze und Verkehrsmittel als auch Partnerschaftsgewalt, häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe im persönlichen Umfeld berücksichtigen.

Reichen bessere Straßenbeleuchtung und sichere Verkehrsmittel?

Die Maßnahmen, die Brantner vorschlägt, können einen Beitrag zur Verbesserung des Sicherheitsgefühls leisten.

Gut beleuchtete Wege, übersichtliche Haltestellen, erreichbare Ansprechpartner und sichere öffentliche Verkehrsmittel können helfen, Angsträume zu reduzieren.

Solche Maßnahmen beseitigen jedoch nicht automatisch die Ursachen von Gewaltkriminalität.

Dazu gehören auch eine wirksame Strafverfolgung, Präventionsarbeit und der Schutz besonders gefährdeter Personen.

Bei ausländischen Straftätern stellt sich zusätzlich die Frage, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen aufenthaltsbeendende Maßnahmen möglich sind.

Dabei müssen sowohl die gesetzlichen Abschiebungsregelungen als auch menschenrechtliche Verpflichtungen Deutschlands beachtet werden.

Die Forderung nach mehr Sicherheit ist deshalb nicht zwangsläufig ein Gegensatz zu einer Debatte über Migration und Kriminalität.

Beide Themen können gleichzeitig behandelt werden, ohne jede Gewalttat auf Migration zurückzuführen oder statistisch belegte Probleme auszublenden.

Frauen brauchen Sicherheit statt parteipolitischer Schuldzuweisungen

Der Streit zwischen Brantner und Ploß zeigt, wie unterschiedlich die Parteien auf dieselbe gesellschaftliche Herausforderung blicken.

Die Grünen-Vorsitzende hebt die Erfahrungen betroffener Frauen und die Gestaltung sicherer öffentlicher Räume hervor.

Der CDU-Abgeordnete verlangt, dass bei der Diskussion über Gewalt auch die Herkunft beziehungsweise Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen berücksichtigt wird.

Beide Perspektiven betreffen reale Fragen, die politisch beantwortet werden müssen.

Für die Bürgerinnen ist letztlich jedoch entscheidend, ob konkrete Maßnahmen ihre Sicherheit tatsächlich erhöhen.

Dazu braucht es aussagekräftige Kriminalitätsdaten, eine funktionierende Polizei, erreichbare Hilfsangebote und eine öffentliche Diskussion, in der weder Probleme verschwiegen noch Bevölkerungsgruppen pauschal unter Verdacht gestellt werden.

Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik sind dafür eine wichtige Grundlage. Sie müssen allerdings vollständig und im richtigen Zusammenhang betrachtet werden.

Die Debatte um Brantners Video macht deutlich, dass sich Frauensicherheit nicht auf eine einzelne politische Maßnahme reduzieren lässt.

Wer Frauen vor Gewalt schützen will, muss sowohl ihre alltäglichen Ängste ernst nehmen als auch die tatsächlichen Ursachen und Strukturen von Kriminalität untersuchen.

Themen: MigrationCDUGewaltkriminalitätBündnis 90/Die GrünenFranziska BrantnerPolizeiliche KriminalstatistikChristoph PloßFrauensicherheit

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