Es ist eine der größeren Drogenrazzien der vergangenen Monate in Mitteldeutschland: Im Seegebiet Mansfelder Land haben Ermittler eine Indoor-Cannabisplantage mit rund 600 Pflanzen entdeckt.

Doch damit nicht genug.

In dem Objekt stießen die Beamten außerdem auf etwa 100 Kilogramm bereits verkaufsfertige Cannabisblüten. Nach Einschätzung der Polizei besitzt allein die beschlagnahmte Ware einen Verkaufswert im mittleren sechsstelligen Bereich.

Die Ermittlungen reichen weit über Sachsen-Anhalt hinaus.

Zeitgleich wurden weitere Objekte in Sachsen und Brandenburg durchsucht. Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen von einem „sehr umfangreichen Ermittlungsverfahren“ wegen des Verdachts des unerlaubten Anbaus und Handels mit Cannabis.

Vier Männer festgenommen

Bei dem Einsatz wurden vier Männer vorläufig festgenommen.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich um:

• zwei albanische Staatsangehörige im Alter von 26 und 28 Jahren, • einen 28 Jahre alten mazedonischen Staatsangehörigen und • einen 30-jährigen deutschen Staatsangehörigen.

Die beiden festgenommenen Albaner gaben nach Polizeiangaben an, keinen festen Wohnsitz in Deutschland zu besitzen.

Der mazedonische Beschuldigte soll seinen Wohnsitz in Sachsen haben.

Damit ist der Kreis der mutmaßlich Beteiligten offenbar noch nicht vollständig erfasst.

Drei weitere Tatverdächtige sind bislang unbekannt.

Nach ihnen wird weiter ermittelt.

100 Kilogramm – und die nächsten Pflanzen standen schon bereit

Das Ausmaß der Anlage wird besonders deutlich, wenn man die Angaben der Polizei zum möglichen Ertrag betrachtet.

Die rund 600 Pflanzen hätten nach erster Schätzung innerhalb einer Anbauperiode von lediglich sechs bis acht Wochen nochmals etwa 100 Kilogramm Cannabisblüten liefern können.

Gleichzeitig fanden die Beamten rund 100 Kilogramm bereits verkaufsfertiger Blüten.

Damit standen offenbar nicht nur Pflanzen für eine kommende Ernte in der Anlage – eine erhebliche Menge Cannabis war bereits produziert und für den weiteren Vertrieb vorbereitet.

Die Ermittler beschlagnahmten sowohl die Pflanzen als auch die fertigen Cannabisblüten und weitere Beweismittel.

Professionelle Indoor-Anlage wird abgebaut

Wie aufwendig die Anlage betrieben wurde, zeigt auch der Einsatz nach der eigentlichen Durchsuchung.

Die kriminaltechnischen Untersuchungen und der Abbau der Plantage dauerten nach Angaben der Polizei aufgrund ihres Umfangs weiter an.

Indoor-Plantagen dieser Größenordnung benötigen leistungsfähige Beleuchtung, Belüftung und eine kontinuierliche Stromversorgung.

Genau deshalb prüfen die Ermittler in diesem Fall zusätzlich einen möglichen Verstoß wegen Entziehung elektrischer Energie – also den Verdacht, dass Strom möglicherweise nicht ordnungsgemäß bezogen oder abgerechnet wurde.

Warum führten die Durchsuchungen nach Sachsen und Brandenburg?

Eine der entscheidenden Fragen des Verfahrens ist bislang unbeantwortet.

Denn die Polizei durchsuchte nicht allein die Plantage im Mansfelder Land.

Auch in Sachsen und Brandenburg wurden zeitgleich Objekte durchsucht. Welche Orte betroffen waren, wem die Gebäude oder Wohnungen zuzuordnen sind und welche konkreten Beweismittel dort gefunden wurden, haben die Ermittler bislang nicht öffentlich mitgeteilt.

Auch zur möglichen Aufgabenverteilung unter den Verdächtigen gibt es bisher keine näheren Angaben.

Gerade die länderübergreifenden Durchsuchungen und die Zahl der Beschuldigten machen jedoch deutlich, dass die Ermittlungen über den Betrieb einer einzelnen Cannabisplantage hinausreichen.

Ob die Staatsanwaltschaft von einer festen Täterstruktur oder organisierter Kriminalität ausgeht, ist bislang nicht bekannt.

Eine solche Einordnung wäre derzeit Spekulation.

Drei Verdächtige noch unbekannt

Besonders auffällig ist eine weitere Angabe der Ermittler: Neben den vier Festgenommenen werden drei bislang unbekannte Täter dem Verfahren zugerechnet.

Wie die Ermittler auf diese drei Personen schließen und welche Rolle sie gespielt haben sollen, wurde nicht veröffentlicht.

Damit richten sich die Ermittlungen derzeit gegen mindestens sieben mutmaßlich beteiligte Personen.

Die Staatsanwaltschaft Halle und das zuständige Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Halle führen das Verfahren gemeinsam.

Haftanträge wurden geprüft

Nach der Razzia prüfte die Staatsanwaltschaft Halle die Stellung von Haftanträgen gegen die vier Festgenommenen. Eine Entscheidung sollte nach den Angaben vom Mittwoch noch am selben Tag fallen.

Bis Donnerstagmittag wurde von den Behörden zunächst keine neuere öffentlich auffindbare Mitteilung über die Entscheidung zu den Haftanträgen veröffentlicht.

Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Trotz Cannabis-Legalisierung bleibt dieser Anbau illegal

Seit der teilweisen Cannabis-Legalisierung in Deutschland entsteht bei solchen Fällen mitunter ein falscher Eindruck: Der private Besitz und begrenzte Eigenanbau wurden zwar unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Eine kommerziell betriebene Anlage mit Hunderten Pflanzen und Cannabisproduktion für den Verkauf fällt darunter jedoch nicht.

Genau deshalb ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft hier wegen des Verdachts des unerlaubten Anbaus und Handels mit Cannabis.

Das entscheidende Rätsel liegt außerhalb der Plantage

Der Fund der 600 Pflanzen ist spektakulär.

Für die Ermittlungen dürfte langfristig aber eine andere Frage entscheidender sein:

Wer organisierte Produktion, Finanzierung und Vertrieb – und warum führten die Durchsuchungen gleichzeitig nach Sachsen und Brandenburg?

Darauf geben Polizei und Staatsanwaltschaft bislang keine Antwort.

Mit vier Festgenommenen, drei weiteren unbekannten Verdächtigen, Objekten in drei Bundesländern und Cannabis im Wert von mehreren Hunderttausend Euro dürfte der Fall für die Ermittler jedoch noch lange nicht abgeschlossen sein.