Neue Zahlen zu elf Jahren Asylpolitik in Sachsen

Dresden. Der Sächsische Landtag hat eine neue Regierungsantwort zur „Entwicklung der Asylbewerberzahlen und Gesamtkosten im Freistaat Sachsen von 2015 bis heute“ veröffentlicht.

Die Drucksache 8/8171 wurde am 23. September 2026 veröffentlicht. Sie nimmt damit einen Zeitraum in den Blick, in dem die Zahl der aufgenommenen Asylsuchenden erheblich schwankte.

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei einem Vergleich der jährlichen Zugangszahlen.

2015 bleibt mit Abstand das Rekordjahr

Im Jahr 2015 wurden in Sachsen 69.900 Asylsuchende registriert.

Danach fiel die Zahl deutlich:

2016 waren es 14.860 Menschen. Bis 2020 sank die Zahl auf nur noch 4.463.

Anschließend setzte wieder ein Anstieg ein. 2021 wurden 10.222 Asylsuchende aufgenommen, 2022 waren es 18.474 und 2023 schließlich 23.132.

Seitdem sind die Zugangszahlen erneut stark zurückgegangen.

2024 registrierte Sachsen 10.120 Asylsuchende. 2025 waren es nur noch 5.189.

Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 1.852 Asylsuchende hinzu.

„Sachsen: Registrierte Asylzugänge seit 2015“

Balkendiagramm der registrierten Asylzugänge in Sachsen von 2015 bis zum ersten Halbjahr 2026. Der Höchstwert lag 2015 bei 69.900 Personen, 2023 wurden 23.132 Zugänge registriert, 2025 noch 5.189 und im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.852.Die Grafik zeigt auf einen Blick den außergewöhnlichen Ausschlag von 2015, den erneuten Anstieg bis 2023 und den anschließenden deutlichen Rückgang.

182.868 registrierte Zugänge seit 2015

Addiert man die amtlich veröffentlichten Zugangszahlen von 2015 bis einschließlich des ersten Halbjahres 2026, ergeben sich 182.868 registrierte Asylzugänge.

Diese Zahl bedeutet allerdings nicht, dass heute 182.868 Asylbewerber in Sachsen leben.

Es handelt sich um die Summe der jährlichen Zugänge. Verfahren werden abgeschlossen, Aufenthaltsstatus ändern sich, Menschen ziehen fort oder verlassen Deutschland. Zugangszahl und aktuelle Zahl der in Sachsen lebenden Asylbewerber sind deshalb unterschiedliche statistische Größen.

Innerhalb von zehn Jahren Rückgang um mehr als 90 Prozent

Der Vergleich zwischen 2015 und 2025 fällt besonders deutlich aus.

2015: 69.900 Zugänge

2025: 5.189 Zugänge

Damit lag die Zahl 2025 rechnerisch rund 92,6 Prozent niedriger als zehn Jahre zuvor.

Auch gegenüber dem jüngeren Hoch im Jahr 2023 ist der Rückgang erheblich. Damals waren noch 23.132 Asylsuchende registriert worden.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro für Asylbewerberleistungen

Neben den Personenzahlen ist die finanzielle Entwicklung von besonderem Interesse.

Für 2024 weist das Statistische Landesamt Sachsen Bruttoausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz von rund 524,85 Millionen Euro aus.

Nach Einnahmen von rund 13,07 Millionen Euro verblieben Nettoausgaben von 511,78 Millionen Euro.

Das entsprach rechnerisch 126 Euro je Einwohner Sachsens.

Wichtig ist die Abgrenzung: Diese Summe umfasst die statistisch erfassten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Sie ist nicht automatisch identisch mit sämtlichen staatlichen Ausgaben, die im weiteren Sinne mit Asyl und Migration zusammenhängen.

Erfasst werden unter anderem die Aufwendungen der Landkreise, kreisfreien Städte und der Landesdirektion Sachsen für Leistungsberechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Ukraine-Flüchtlinge werden separat gezählt

Auch Schutzsuchende aus der Ukraine dürfen nicht einfach mit den regulären Asylzugängen zusammengerechnet werden.

2025 wurden zusätzlich 8.380 ukrainische Flüchtlinge neu in Sachsen aufgenommen.

Zum Jahresende 2025 lebten nach Angaben der Landesdirektion insgesamt 70.164 Schutzsuchende aus der Ukraine im Freistaat. Sie werden aufgrund ihres besonderen Aufenthaltsstatus getrennt von den regulären Asylzugängen ausgewiesen.

Sachsen baut Erstaufnahme wieder zurück

Die sinkenden Zugangszahlen haben inzwischen auch Folgen für die Unterbringung.

Ende 2025 verfügten die Aufnahmeeinrichtungen in Dresden, Leipzig und Chemnitz noch über 4.511 Plätze in zwölf aktiven Unterkünften.

Bis zum 30. Juni 2026 sank die Zahl auf 3.355 Plätze in neun aktiven Unterkünften.

Zum Vergleich: Während der hohen Zugangszahlen 2023 plante Sachsen zeitweise mit einer Aufstockung auf rund 10.000 Erstaufnahmeplätze.

Ein Jahrzehnt mit zwei deutlichen Spitzen

Die Entwicklung lässt sich damit in drei Phasen unterteilen:

Auf den außergewöhnlichen Höchststand von 69.900 Zugängen im Jahr 2015 folgte zunächst ein starker Rückgang.

Ab 2021 stiegen die Zahlen wieder und erreichten 2023 mit 23.132 Personen einen zweiten, deutlich kleineren Höhepunkt.

Seit 2024 sinken die Zugangszahlen erneut erheblich.

Die neue Drucksache 8/8171 bringt nun zusätzlich die langfristige Kostenentwicklung in die parlamentarische Debatte. Für eine vollständige Kostenbilanz über alle Jahre ist dabei entscheidend, welche Ausgabenarten die Staatsregierung jeweils einbezieht – denn Asylbewerberleistungen, Unterbringung, Verwaltung, Integration und weitere staatliche Ausgaben sind statistisch nicht dasselbe.