Ein Name kehrt ins Ortsbild zurück

Schönwalde-Glien. In der Dorfstraße 21 erinnert seit dem 24. September ein Stolperstein an Gertrud Schwanebeck. Dort lebte sie einst gemeinsam mit ihrer Familie, bevor sie als Kind in mehrere Einrichtungen eingewiesen wurde.

Gertrud wurde am 6. Juli 1926 geboren und wuchs in Schönwalde-Dorf auf. Anfang der 1930er-Jahre wurde sie dort eingeschult.

Bei der Verlegung erinnerten Bürgermeister Bodo Oehme, Pfarrer Burmeister und Vertreter der Vorbereitungsgruppe Stolpersteine aus Falkensee an ihr kurzes Leben.

Mit acht Jahren in eine Anstalt eingewiesen

Nachdem bei Gertrud eine verzögerte geistige Entwicklung festgestellt worden war, wurde sie im November 1934 im Alter von acht Jahren in die Brandenburgische Landesanstalt Wilhelmsstift in Potsdam gebracht.

Zwischenzeitlich kehrte sie noch einmal in das Elternhaus zurück.

Ende 1935 folgte jedoch die Einweisung in die Landesanstalt Lübben. Im Juni 1938 wurde das Mädchen schließlich in die Landesanstalt Görden bei Brandenburg an der Havel verlegt.

Dort verschlechterte sich laut den überlieferten Akten ihr Gesundheitszustand.

Als Todesursache wurde eine Lungenentzündung angegeben.

Gertrud Schwanebeck starb am 26. Dezember 1938 im Alter von zwölf Jahren. Vier Tage später wurde sie in Görden beerdigt.

Erinnerung an ein zwölfjähriges Mädchen

Bürgermeister Bodo Oehme erinnerte während der Verlegung daran, dass sich hinter den Millionen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft einzelne Lebensgeschichten verbergen.

> „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, ein Name, eine Familie und ein Leben.“

Mit dem Stolperstein bekomme Gertrud Schwanebeck einen sichtbaren Platz in der Gemeinde zurück, erklärte Oehme.

Er erinnerte zugleich daran, dass Menschen während der nationalsozialistischen Herrschaft aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, einer Behinderung, ihrer politischen Überzeugung und anderer Merkmale verfolgt und entrechtet wurden.

Zweiter Stolperstein in Schönwalde-Glien

Der neue Gedenkstein ist der zweite Stolperstein in der Gemeinde Schönwalde-Glien.

Organisiert wurde die Verlegung gemeinsam von der Gemeinde und der Vorbereitungsgruppe Stolpersteine aus Falkensee.

Der Stein liegt unmittelbar vor dem früheren Wohnhaus der Familie in der Dorfstraße 21.

Damit wird Gertruds Lebensgeschichte dauerhaft mit dem Ort verbunden, an dem sie ihre Kindheit verbrachte.

Lokale Erinnerungsarbeit wird fortgesetzt

Nach der Verlegung kamen die Teilnehmer beim Kreativ e. V. in der Dorfstraße zusammen. Dort bestand bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zum Austausch und gemeinsamen Erinnern.

Mit weiteren Stolpersteinen will die Gemeinde ihre lokale Erinnerungsarbeit fortsetzen und die Geschichten von Menschen sichtbar machen, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung geprägt oder zerstört wurde.