Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat einen neuen Hochschulentwicklungsplan für die Jahre 2026 bis 2030 beschlossen. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs um Studierende, wissenschaftliche Talente und Forschungsmittel will die Hochschule ihre Kräfte stärker bündeln, Forschungsprofile schärfen und ihre Rolle als Innovations- und Fachkräftemotor für Sachsen-Anhalt ausbauen.
Universität will Kräfte bündeln
Die Universität möchte sich bis 2030 als regional verankerte, europäisch verbundene und international sichtbare Netzwerkuniversität weiterentwickeln. Das Leitmotiv des neuen Hochschulentwicklungsplans lautet: „Im Sinne Guerickes verbinden, was wirkt“.
Forschung, Studium und Lehre, Wissenstransfer sowie die interne Organisation sollen stärker an gemeinsamen strategischen Zielen ausgerichtet werden. Der Plan wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess erarbeitet und im Juli 2026 vom Senat einstimmig verabschiedet. Er ersetzt den bisherigen Hochschulentwicklungsplan für die Jahre 2015 bis 2025.
„Ein Weiter so reicht nicht. Der Wettbewerb um kluge Köpfe, Ideen und finanzielle Mittel wird härter.“
Das erklärt Universitätsrektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan. Die Universität müsse ihre Kräfte bündeln und gezielt dort investieren, wo sie wissenschaftlich besonders stark und für die Region wirksam sei.
Prioritäten und eine stärkere Konzentration sollen nach Angaben des Rektors nicht nur der finanziellen Konsolidierung dienen. Sie sollen zugleich Freiräume für neue Forschungsfelder, Ideen und Studienangebote schaffen.
Forschungsverbünde über Fakultätsgrenzen hinweg
Im Zentrum der neuen Strategie steht eine stärkere Verbindung der Ingenieur-, Natur-, Medizin-, Wirtschafts- und Humanwissenschaften. Die Universität will Forschung und Lehre stärker über Fakultätsgrenzen hinweg organisieren.
Als wissenschaftliche Schwerpunkte nennt der Hochschulentwicklungsplan:
- Neurowissenschaften,
- Dynamische Systeme,
- Immunologie und Entzündungsforschung,
- Medizintechnik,
- Mobilitätsforschung,
- Energieforschung,
- daten-, simulations- und KI-gestützte Methoden.
Bis Ende 2027 sollen aussichtsreiche Entwicklungslinien für die nächste Runde der Exzellenzstrategie feststehen. Dazu sollen international wettbewerbsfähige Forschungsverbünde weiterentwickelt werden.
Die Universität plant außerdem einen Pool von Strukturstellen. Damit sollen herausragende Nachwuchswissenschaftler frühzeitig gewonnen und neue Forschungsgebiete schneller aufgebaut werden.
Fakultätsübergreifendes KI-Zentrum geplant
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die Gründung eines fakultätsübergreifenden Zentrums für Künstliche Intelligenz. Dort sollen die bereits vorhandenen Kompetenzen gebündelt und eine gemeinsame methodische sowie technische Infrastruktur geschaffen werden.
Auch innerhalb der Universitätsverwaltung soll Künstliche Intelligenz künftig stärker koordiniert eingesetzt werden. Digitalisierung, Datenmanagement, Informationssicherheit und KI sollen hochschulweit zusammengeführt werden. Geplant ist dafür unter anderem eine zentrale CIO-Funktion.
Der Hochschulentwicklungsplan beschränkt KI damit nicht auf einzelne Forschungsprojekte. Das Thema soll sowohl Wissenschaft und Lehre als auch die Organisation der Universität prägen.
Studienangebot soll regelmäßig überprüft werden
Auch die Studiengänge der Universität sollen künftig stärker profiliert und regelmäßig überprüft werden. Neue Angebote sollen vor allem dort entstehen, wo sie an bestehende wissenschaftliche Stärken anknüpfen oder auf künftige Fachkräfte- und Qualifikationsbedarfe reagieren.
„Wir wollen kein beliebig breites, sondern ein überzeugendes und zukunftsfähiges Studienangebot.“
Nach Angaben von Rektor Strackeljan sollen fachliche Qualität, Forschungsnähe und Praxisbezug mit digitalen Kompetenzen, kritischem Denken und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden werden.
Ein neues Zentrum für Lehren und Lernen soll künftig Aufgaben wie Hochschuldidaktik, Qualitätsentwicklung und Unterstützungsangebote bündeln.
Duales Lehramtsstudium soll Schule und Universität verbinden
Die Lehrkräftebildung bleibt Teil der universitären Strategie und soll stärker praxisnah ausgerichtet werden. Innovative Angebote wie das duale Lehramtsstudium sollen Theorie und schulische Praxis enger miteinander verknüpfen.
Ziel ist es, angehende Lehrkräfte möglichst frühzeitig für eine spätere Tätigkeit in Sachsen-Anhalt zu gewinnen. Gleichzeitig sollen digitale Kompetenzen und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Lehrkräftebildung ausgebaut werden.
Die Universität strebt zudem eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und dem Land Sachsen-Anhalt an.
Mehr als 5.300 internationale Studierende
An der Universität Magdeburg sind mehr als 13.000 Studierende eingeschrieben. Mehr als 5.300 von ihnen kommen aus dem Ausland. Damit ist die Hochschule ein bedeutender Faktor für Zuwanderung und Fachkräftesicherung in Sachsen-Anhalt.
Die Internationalisierung soll deshalb künftig stärker mit folgenden Zielen verbunden werden:
- erfolgreicher Studienabschluss,
- bessere gesellschaftliche und akademische Integration,
- Übergang internationaler Absolventen in die Wissenschaft,
- Gewinnung von Fachkräften für regionale Unternehmen,
- stärkere Einbindung in die Gesellschaft.
Als zentrale europäische Plattform nennt die Universität die Hochschulallianz EU GREEN. Zusätzlich sollen Partnerschaften mit internationalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausgebaut werden.
Transfer wird gleichrangige Kernaufgabe
Der Wissenstransfer wird im neuen Hochschulentwicklungsplan als gleichrangige Kernaufgabe neben Forschung und Lehre gestärkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller in wirtschaftliche Innovationen, medizinische Anwendungen und gesellschaftliche Entwicklungen einfließen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei:
- der Wissenschaftshafen Magdeburg,
- der Medizintechnik-Forschungscampus STIMULATE,
- regionale Reallabore,
- Kooperationen mit Unternehmen,
- die Zusammenarbeit mit Stadt und Land.
Auch Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann begrüßt die Strategie. Um national und international zukunftsfähig zu bleiben, müssten Hochschulen ihre Angebote regelmäßig hinterfragen und ihre Profile schärfen.
Strategische Ziele sollen Investitionen bestimmen
Auch bei internen Entscheidungen soll sich die Universität künftig stärker an den Zielen des Hochschulentwicklungsplans orientieren. Das betrifft unter anderem:
- Budgetentscheidungen,
- Berufungsverfahren,
- Investitionen,
- Fakultätsentwicklungspläne,
- Digitalisierung und Informationssicherheit.
Die Umsetzung erfolgt über konkrete Maßnahmenpläne, Zielvereinbarungen und ein datenbasiertes Monitoring. Dabei sollen die Freiheit von Forschung und Lehre, wissenschaftliche Integrität, universitäre Autonomie sowie demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien gewahrt bleiben.
Universität beschäftigt mehr als 3.000 Mitarbeiter
Die Otto-von-Guericke-Universität ist mit mehr als 13.000 Studierenden die zweitgrößte Hochschule Sachsen-Anhalts. Sie beschäftigt mehr als 2.100 haushaltsfinanzierte sowie rund 920 drittmittelfinanzierte Vollzeitäquivalente.
Universität und Universitätsmedizin gaben im Jahr 2024 gemeinsam rund 74 Millionen Euro an Drittmitteln aus. Europäische Fördermittel sind in dieser Summe noch nicht enthalten.
Quellen und Datenbasis
- Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Pressemitteilung Nr. 58/2026 vom 29. Juli 2026: „Universität Magdeburg stellt Weichen bis 2030“.
- Hochschulentwicklungsplan der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für die Jahre 2026 bis 2030, laut Pressemitteilung im Juli 2026 einstimmig vom Senat verabschiedet.