Zwei Projekte der Friedrich-Schiller-Universität Jena werden mit Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre unterstützt. Kommunikationswissenschaftlerin Ines Engelmann entwickelt gemeinsam mit Bernd Fröhlich von der Bauhaus-Universität Weimar eine Lernplattform mit KI-Agenten. Chemiedidaktiker Tom Wagner arbeitet an realistischen digitalen Experimenten für das Lehramtsstudium.

Die Fellowships vergibt das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gemeinsam mit dem Stifterverband. In diesem Jahr liegt ein Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen.

Das Forschungstandem aus Jena und Weimar erhält 60.000 Euro. Für Einzel-Fellowships stehen jeweils bis zu 50.000 Euro zur Verfügung. Insgesamt werden 2026 acht Projekte an Thüringer Hochschulen gefördert.

KI-Antworten sollen nicht ungeprüft bleiben

Ines Engelmann und Bernd Fröhlich entwickeln das Projekt „Agentic Read-Pair-Share“. Dahinter steht eine webbasierte Plattform, die Studierende beim Lesen wissenschaftlicher Texte und beim Austausch über deren Inhalte unterstützen soll.

Eine entsprechende digitale Lernumgebung existiert bereits. Sie verbindet das selbstständige Lesen mit Gesprächen über den Text und der anschließenden Arbeit in Gruppen. Im Rahmen des Fellowships soll diese Plattform um mehrere KI-Agenten erweitert werden.

Ausgangspunkt ist eine Beobachtung aus dem Hochschulalltag: Studierende verwenden zunehmend generative künstliche Intelligenz, um wissenschaftliche Texte zusammenzufassen und zu erschließen. Die Antworten der Programme würden jedoch teilweise übernommen, ohne sie gründlich zu prüfen.

> „Ich habe schon Arbeiten gelesen, in denen Studien von mir selbst zitiert wurden, die gar nicht existieren.“

Mit diesem Beispiel beschreibt Engelmann ein bekanntes Problem generativer KI. Sprachmodelle können Quellen, Aussagen oder Literaturangaben erzeugen, die glaubwürdig erscheinen, tatsächlich aber nicht existieren.

KI-Agent wird zum Gesprächspartner

Die neue Plattform soll künstliche Intelligenz deshalb nicht nur als Lieferanten fertiger Antworten einsetzen. Die KI soll als didaktisch gestalteter Lernpartner in die Auseinandersetzung mit Fachtexten eingebunden werden.

Im ersten Schritt wollen Engelmann und Fröhlich einen KI-Agenten entwickeln, der mit den Studierenden über einen gelesenen Text diskutiert. Er soll Fragen stellen, auf Widersprüche hinweisen und zur genaueren Prüfung von Aussagen anregen.

In einem zweiten Schritt sollen die Studierenden beobachten können, wie zwei KI-Agenten miteinander diskutieren. Dadurch können sie vergleichen, wie die Systeme argumentieren, welche Schlussfolgerungen sie ziehen und an welchen Stellen Fehler oder unbelegte Behauptungen entstehen.

Das Ziel besteht nicht darin, den Studierenden die Textarbeit abzunehmen. Vielmehr sollen sie lernen, Antworten künstlicher Intelligenz kritisch zu bewerten und die verwendeten Informationen anhand wissenschaftlicher Quellen zu überprüfen.

Das neue Lehrkonzept wird in Jena und Weimar erprobt und ausgewertet. Anschließend soll es offen bereitgestellt werden, damit es auch in anderen Fachrichtungen und an weiteren Hochschulen eingesetzt werden kann. Das Projekt beginnt im September 2026 und läuft bis Ende 2027.

Digitale Chemieexperimente für Studium und Schule

Das zweite geförderte Projekt leitet Tom Wagner von der Arbeitsgruppe Chemiedidaktik der Universität Jena. Es trägt den Titel „Digitale Modellierung als epistemisches Rückgrat experimenteller Lehre im Chemielehramtsstudium“.

Wagner möchte digitale Simulationen entwickeln, die realen chemischen Experimenten möglichst nahekommen. Die Studierenden sollen Messwerte ablesen und erkennen können, wie sich Veränderungen am Versuchsaufbau auf den Ablauf und das Ergebnis auswirken.

Die Simulationen sind nicht als Ersatz für praktische Laborarbeit gedacht. Sie sollen vielmehr dabei helfen, den Aufbau eines Experiments besser zu verstehen, mögliche Fehler zu erkennen und Ergebnisse fachlich einzuordnen.

Denkbar ist außerdem die Einbindung eines KI-Assistenten. Mit ihm könnten die Studierenden über den Versuchsaufbau, Beobachtungen und mögliche Erklärungen diskutieren.

Fünf bis sechs Simulationen bis Ende 2027

Gemeinsam mit dem Doktoranden Florian Haselbach will Wagner fünf bis sechs digitale Experimente entwickeln. Eine erste Simulation entstand bereits mit Unterstützung des Innovationspools der Universität.

Die weiteren Anwendungen sollen über das Internet zugänglich sein und sowohl auf Computern als auch auf Smartphones und Tablets funktionieren. In erster Linie richten sie sich an Lehramtsstudierende höherer Semester.

Darüber hinaus sollen die digitalen Versuche im Chemieunterricht an Schulen verwendet werden können. Wagner war vor seinem Wechsel an die Universität Jena selbst als Lehrer für Chemie und Biologie in Potsdam tätig.

Bis Ende 2027 sollen die geplanten Simulationen fertiggestellt sein. Beide Jenaer Projekte verfolgen damit einen gemeinsamen Ansatz: Digitale Werkzeuge sollen die Lehre nicht lediglich vereinfachen, sondern Studierende zu einer genaueren und kritischeren Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Inhalten befähigen.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Pressemitteilung zur Förderung innovativer digitaler Hochschullehre