Neustrelitz, 6. September 2026. Rund 130 Vertreter aus Unternehmen, Wissenschaft und regionalen Netzwerken haben am ZMV+ KONNEKT im Leea teilgenommen. Im Mittelpunkt standen praktische Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen, die gleichzeitig mit Digitalisierung, Fachkräftemangel und weiteren Veränderungen umgehen müssen.
Die Veranstaltung fand am 2. September in Neustrelitz statt. Organisiert wurde sie vom Regionalen Zukunftszentrum Mecklenburg-Vorpommern+, kurz ZMV+. Die Universität Rostock ist Vorhabenträgerin des öffentlich geförderten Projekts.
Workshops, Gesprächsrunden und Praxisbeispiele sollten wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Erfahrungen der Betriebe verbinden. Neben Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz ging es um Unternehmensnachfolge, Nachhaltigkeit, Führung und Organisationsentwicklung.
Mehrere Veränderungen treffen Betriebe zugleich
Kleine und mittlere Unternehmen müssen häufig mehrere Aufgaben parallel bewältigen. Sie suchen Fachkräfte, führen digitale Anwendungen ein, reagieren auf veränderte Kundenanforderungen und bereiten teilweise einen Generationswechsel in der Unternehmensleitung vor.
Das Zukunftszentrum will die Betriebe dabei individuell begleiten. Nach eigenen Angaben beginnt die Unterstützung mit einer Analyse der jeweiligen Situation. Darauf sollen passende Lösungswege und konkrete Schritte für die Umsetzung folgen.
Projektleiterin Mirana Ohde betonte, wissenschaftliche Expertise müsse so mit der betrieblichen Praxis verbunden werden, dass umsetzbare Lösungen entstünden. Der Austausch zwischen Unternehmen spiele dabei eine wichtige Rolle.
Die Veranstaltung behandelte unter anderem den Einstieg in die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Weitere Programmpunkte beschäftigten sich mit der Bindung von Beschäftigten, nachhaltiger Unternehmensentwicklung, öffentlicher Wahrnehmung und dem Umgang mit Kundenrückmeldungen.
Welche konkreten Anwendungen oder Maßnahmen die teilnehmenden Betriebe künftig umsetzen wollen, geht aus der Veranstaltungsbilanz nicht hervor. Auch messbare Ziele oder verbindliche Zeitpläne werden nicht genannt.
Workshops sollen nächste Schritte vorbereiten
In den Arbeitsformaten konnten die Teilnehmenden eigene betriebliche Fragen einbringen. Dabei sollte nicht eine allgemeine Lösung für alle Unternehmen entstehen. Vielmehr ging es darum, Erfahrungen und Methoden auf ihre Eignung für den jeweiligen Betrieb zu prüfen.
Praxisberichte von Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern bildeten einen wichtigen Bestandteil des Programms. Sie sollten zeigen, wie Veränderungsprozesse unter realen betrieblichen Bedingungen verlaufen und an welchen Stellen Schwierigkeiten entstehen können.
Eine Hauptrede hielt Jens Hakanowitz, Sportvorstand der Rostock Seawolves. Er berichtete darüber, wie Wandel durch Zusammenarbeit und klare Ziele gestaltet werden könne. Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden auf unternehmerische Veränderungsprozesse übertragen.
Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ stellten Projekte, Initiativen und Institutionen aus Mecklenburg-Vorpommern ihre Unterstützungsangebote vor. Unternehmen konnten dort Kontakte knüpfen und sich über Beratungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten informieren.
Der Nutzen solcher Veranstaltungen hängt wesentlich davon ab, ob aus Gesprächen konkrete Veränderungen entstehen. Das ZMV+ kündigte deshalb an, interessierte Betriebe auch nach dem Treffen weiter zu begleiten.
Unternehmensnachfolge verlangt genaue Prüfung
Wie anspruchsvoll ein Führungswechsel sein kann, zeigte das Beispiel der Möwe Teigwarenwerk GmbH aus Waren an der Müritz. Mirko Bröcker berichtete über seine Erfahrungen seit der Übernahme im September 2023.
Für ihn bedeutete die Nachfolge nicht, sämtliche Abläufe sofort zu verändern. Zunächst sei es notwendig gewesen, herauszufinden, welche gewachsenen Strukturen den Betrieb tragen. Erst auf dieser Grundlage könne entschieden werden, wo Veränderungen sinnvoll sind.
Das Beispiel verdeutlicht einen Zielkonflikt vieler mittelständischer Unternehmen. Eine neue Leitung bringt eigene Vorstellungen mit, darf aber bewährte Arbeitsweisen, Erfahrungen der Beschäftigten und bestehende Kundenbeziehungen nicht unbedacht aufgeben.
Zugleich können Digitalisierung, veränderte Märkte und der Fachkräftemangel Anpassungen notwendig machen. Einen allgemeingültigen Weg für diesen Prozess gibt es nicht. Die vorgestellten Erfahrungen können anderen Betrieben jedoch helfen, eigene Entscheidungen vorzubereiten.
Beratung soll nach dem Treffen weitergehen
Das Zukunftszentrum MV+ berät und qualifiziert kleine sowie mittlere Unternehmen und deren Beschäftigte. Zu den Arbeitsfeldern gehören Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Fachkräftesicherung, Führung und Organisationsentwicklung.
Im Projekt arbeiten Partner aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Die Universität Rostock trägt die Verantwortung für das Vorhaben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Europäische Union finanzieren es im Rahmen des Programms „Zukunftszentren“ über den Europäischen Sozialfonds Plus.
Eine Fördersumme oder die genaue Laufzeit des Projekts werden in der Mitteilung zur Veranstaltung nicht genannt. Auch bleibt offen, wie viele der etwa 130 Teilnehmenden konkrete Beratungen mit dem Zukunftszentrum vereinbart haben.
Für interessierte Unternehmen endet das Angebot nach Angaben des ZMV+ nicht mit der Veranstaltung. Die Fachleute wollen betriebliche Herausforderungen analysieren, mögliche Maßnahmen entwickeln und deren praktische Umsetzung begleiten.
Damit richtet sich das Zentrum vor allem an Betriebe, denen für umfangreiche Veränderungsprojekte eigene Fachabteilungen oder zusätzliche personelle Kapazitäten fehlen. Ob die Unterstützung zu dauerhaften Verbesserungen führt, lässt sich erst anhand der später umgesetzten Maßnahmen bewerten.
Quelle: Regionales Zukunftszentrum Mecklenburg-Vorpommern+ und Universität Rostock; Veranstaltungsbilanz „ZMV+ KONNEKT verbindet Praxis und Wissenschaft für die Zukunft von KMU in Mecklenburg-Vorpommern“ vom September 2026