Die Schwarz-Gruppe will in Dummerstorf bei Rostock bis zu 5,6 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum investieren, das Mecklenburg-Vorpommern zu einem bedeutenden Standort für künstliche Intelligenz und europäische Cloud-Dienste machen könnte.

Der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland plant ein Datencenter mit einer Leistung von bis zu 240 Megawatt. Die Fertigstellung ist nach bisherigen Angaben bis 2033 vorgesehen.

Das Projekt gehört zu den größten privatwirtschaftlichen Investitionsvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern. Es soll die digitale Infrastruktur stärken und der Schwarz-Gruppe größere Unabhängigkeit von amerikanischen Cloud-Anbietern ermöglichen.

Stromverbrauch übertrifft Rostock deutlich

Der wirtschaftlichen Bedeutung steht ein enormer Energiebedarf gegenüber. In der ersten Ausbaustufe könnte das Rechenzentrum jährlich bis zu zwei Terawattstunden Strom verbrauchen.

Damit läge der Verbrauch nach bisherigen Berechnungen mehr als doppelt so hoch wie der gesamte Strombedarf der Stadt Rostock. Der Betreiber will die Anlage überwiegend mit erneuerbaren Energien versorgen.

Mecklenburg-Vorpommern bietet dafür gute Voraussetzungen. Das Land erzeugt große Mengen Windstrom und verfügt über Flächen, auf denen weitere Energieanlagen entstehen können. Entscheidend wird jedoch sein, ob das Stromnetz den zusätzlichen Bedarf zuverlässig bewältigen kann.

Abwärme soll genutzt werden

Große Rechenzentren erzeugen beim Betrieb ihrer Server erhebliche Mengen Wärme. Die Schwarz-Gruppe prüft deshalb, ob die Abwärme in örtliche Wärmenetze eingespeist werden kann.

Eine solche Nutzung könnte Haushalte und kommunale Gebäude mit Wärme versorgen und den Gesamtenergieverbrauch des Projektes senken. Dafür müssten allerdings neue Leitungen und geeignete Abnehmer in der Umgebung vorhanden sein.

Auch der Wasserbedarf für die Kühlung spielt eine wichtige Rolle. Moderne Rechenzentren können verschiedene Kühlsysteme einsetzen. Welche Technik in Dummerstorf verwendet wird, soll im weiteren Planungsverfahren geklärt werden.

Mecklenburg-Vorpommern wirbt mit Standortvorteilen

Neben erneuerbarer Energie sprechen nach Einschätzung von Experten das vergleichsweise kühle Klima, verfügbare Gewerbeflächen und die Nähe zum Wirtschaftsraum Rostock für den Standort.

Eine leistungsfähige Glasfaseranbindung ist ebenfalls notwendig. Rechenzentren verarbeiten und speichern große Datenmengen und bilden die technische Grundlage für Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz, Onlinehandel und digitale Verwaltungsangebote.

Die Landesregierung verbindet mit dem Projekt die Hoffnung auf neue Arbeitsplätze, zusätzliche Steuereinnahmen und die Ansiedlung weiterer Technologieunternehmen. Wie viele dauerhafte Stellen entstehen könnten, ist bislang nicht bekannt.

Chancen und Belastungen abwägen

Das geplante Rechenzentrum bei Rostock befindet sich noch in einer frühen Phase. Vor dem Bau müssen unter anderem Genehmigungs-, Umwelt- und Beteiligungsverfahren abgeschlossen werden.

Für die Region bietet das Vorhaben eine ungewöhnlich große wirtschaftliche Chance. Gleichzeitig müssen Stromversorgung, Kühlung, Lärmschutz und Abwärmenutzung so geplant werden, dass auch die Einwohner von Dummerstorf und Rostock profitieren.

Die öffentliche Diskussion dürfte deshalb nicht nur um die Investitionssumme kreisen. Entscheidend wird sein, welchen dauerhaften Nutzen das Rechenzentrum für Mecklenburg-Vorpommern bringt und welche Kosten für den Ausbau der erforderlichen Infrastruktur entstehen.