Dummerstorf soll zum Standort einer der größten privaten Investitionen in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns werden. Die Schwarz Gruppe will bis 2033 bis zu 5,6 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum investieren, obwohl zentrale Angaben zu Arbeitsplätzen, Folgekosten und regionaler Wertschöpfung noch fehlen.

Rechenzentrum für Cloud und Künstliche Intelligenz

Der Handelskonzern hinter Lidl und Kaufland baut seit einigen Jahren eigene digitale Strukturen auf. Über die Cloud-Plattform Stackit bietet die Unternehmensgruppe Rechenleistung und Datenspeicherung an. Das geplante Rechenzentrum in Dummerstorf soll diese Kapazitäten erheblich erweitern.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnete die Ansiedlung als Gewinn für Mecklenburg-Vorpommern. Das Vorhaben verspreche Bauaufträge, neue Arbeitsplätze und eine größere Unabhängigkeit von außereuropäischen Cloud-Anbietern. Der Standort im Landkreis Rostock profitiert nach Angaben der Landesregierung vor allem von der Nähe zu einer 380-Kilovolt-Leitung und der Verfügbarkeit erneuerbarer Energie.

Die Investitionssumme ist eindrucksvoll. Sie sagt allerdings noch wenig darüber aus, welcher wirtschaftliche Nutzen langfristig im Land verbleibt.

Wie viele Arbeitsplätze entstehen wirklich?

Bislang wurde keine belastbare Zahl der dauerhaft entstehenden Arbeitsplätze veröffentlicht. Während der Bauphase ist mit einer hohen Nachfrage nach Planern, Bauunternehmen, Elektrikern und weiteren Fachbetrieben zu rechnen. Unklar ist jedoch, welcher Anteil dieser Aufträge an Firmen aus Mecklenburg-Vorpommern vergeben wird.

Auch moderne Rechenzentren benötigen nach ihrer Fertigstellung deutlich weniger Personal als klassische Industriebetriebe vergleichbarer Investitionsgröße. Gefragt sind vor allem hoch spezialisierte Fachkräfte aus den Bereichen Informationstechnik, Gebäudetechnik, Energieversorgung und Sicherheit.

Für eine ehrliche Bewertung muss deshalb zwischen vorübergehenden Bauaufträgen und dauerhaften Arbeitsplätzen unterschieden werden. Entscheidend ist außerdem, ob Hochschulen, Berufsschulen und Unternehmen der Region in das Projekt einbezogen werden.

Strom, Kühlung und Infrastruktur

Rechenzentren benötigen große Mengen elektrischer Energie. Die Landesregierung sieht in der Versorgung mit grünem Strom einen Standortvorteil. Noch nicht öffentlich beziffert wurde, welche Anschlussleistung das geplante Zentrum benötigt und ob zusätzliche Investitionen in Leitungen, Umspannwerke oder Speicher notwendig werden.

Ebenso offen ist das geplante Kühlsystem. Je nach Technik können Rechenzentren einen erheblichen Wasserbedarf verursachen. Moderne Anlagen arbeiten teilweise mit geschlossenen Kreisläufen oder Luftkühlung. Welche Lösung in Dummerstorf vorgesehen ist, wurde bislang nicht erläutert.

Von öffentlichem Interesse ist zudem die Frage, ob entstehende Abwärme genutzt werden kann. Denkbar wäre eine Versorgung benachbarter Gewerbegebiete, öffentlicher Gebäude oder neuer Wohnquartiere. Ohne ein entsprechendes Wärmenetz bleibt dieses Potenzial jedoch ungenutzt.

Das Land wird selbst zum Kunden

Die Zusammenarbeit reicht offenbar über die Ansiedlung hinaus. Mecklenburg-Vorpommern will für den digitalen Bauantrag künftig die Stackit-Plattform der Schwarz Gruppe einsetzen. Gespräche laufen außerdem über einen digitalen Arbeitsplatz für schulisches Personal auf Grundlage der Bürosoftware openDesk.

Damit könnte das Land nicht nur Standort, sondern zugleich Kunde des Konzerns werden. Für die Öffentlichkeit muss deshalb nachvollziehbar bleiben, nach welchen Vergabegrundsätzen Aufträge erteilt werden, welche Vertragslaufzeiten gelten und welche Kosten entstehen.

Milliarden allein sind noch kein Erfolg

Das Rechenzentrum kann Mecklenburg-Vorpommern als Digitalstandort stärken. Es kann Bauaufträge auslösen, neue Fachkräfte anziehen und Unternehmen zusätzliche digitale Dienstleistungen anbieten. Garantiert ist dieser Nutzen bisher jedoch nicht.

Vor Beginn des Baus müssen belastbare Angaben zu Arbeitsplätzen, Energieverbrauch, Kühlung, Abwärmenutzung und öffentlichen Vorleistungen vorliegen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob aus der Milliardeninvestition auch ein langfristiger Gewinn für Dummerstorf und die gesamte Region Rostock wird.

Quelle: Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, Angaben der Schwarz Gruppe, Mitteilung vom 27. August 2026