Der Lausitzer Energiekonzern Leag bewirbt sich mit zwei ostdeutschen Standorten um neue wasserstofffähige Gaskraftwerke, und bis November sollen die ersten Zuschläge fallen, nachdem die Europäische Kommission eine milliardenschwere Förderung genehmigt hat.

Ins Rennen gehen der Industriepark Schwarze Pumpe bei Spremberg und der Kraftwerksstandort Lippendorf in Sachsen. Beide Standorte verfügen bereits über Netzanschlüsse und weitere technische Infrastruktur. Dadurch könnten neue Anlagen nach einem Zuschlag vergleichsweise schnell geplant und gebaut werden.

Die erste Ausschreibungsrunde endete in der Nacht zum 9. September. Bis November will die Bundesregierung Zuschläge für Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 4,5 Gigawatt vergeben.

Kraftwerke sollen bei Dunkelflauten einspringen

Die neuen Anlagen sollen nicht dauerhaft Strom erzeugen. Sie werden vor allem benötigt, wenn Windräder und Solaranlagen wegen der Wetterlage nicht genügend Energie liefern. Betreiber sollen deshalb auch für das Bereithalten der Kraftwerksleistung bezahlt werden.

> „Für Ostdeutschland gehen wir mit Schwarze Pumpe und Lippendorf mit Kraftwerksstandorten ins Rennen.“

Nach Angaben der Leag besitzen beide Standorte die erforderlichen Netzanschlüsse und eine leistungsfähige Energieinfrastruktur. Bei einem Zuschlag könne das Unternehmen deshalb zügig mit der Umsetzung beginnen.

Die Anlagen sollen zunächst Erdgas nutzen. Später ist eine Umstellung auf klimafreundlich erzeugten Wasserstoff vorgesehen.

Bund stellt bis zu 35 Milliarden Euro bereit

Insgesamt sollen in Deutschland neue steuerbare Kraftwerke mit einer Leistung von elf Gigawatt entstehen. Die Europäische Kommission hat dafür staatliche Förderungen von bis zu 35 Milliarden Euro genehmigt.

Die Förderung ist notwendig, weil die Kraftwerke nur in Zeiten mit geringer Wind- und Solarstromproduktion laufen sollen. Allein durch den Verkauf des erzeugten Stroms könnten sie nach Einschätzung der Betreiber nicht wirtschaftlich arbeiten.

Ab 2031 sollen die Kosten schrittweise über den Strompreis refinanziert werden. Wie stark Haushalte und Unternehmen dadurch zusätzlich belastet werden, steht bislang nicht fest.

Ein Drittel der Leistung für den Osten

Ursprünglich war ein Standortvorteil für Kraftwerke im Süden Deutschlands vorgesehen. Wirtschafts- und Arbeitnehmervertreter aus Ostdeutschland befürchteten deshalb, dass die Lausitz bei den Ausschreibungen leer ausgehen könnte.

Nach den überarbeiteten Regeln soll etwa ein Drittel der ausgeschriebenen Kapazitäten im Osten entstehen. Eine weitere Ausschreibungsrunde ist für Dezember vorgesehen. Im kommenden Jahr sollen die letzten Kapazitäten vergeben werden.

Spätestens 2031 sollen sämtliche neuen Kraftwerke betriebsbereit sein. Für die Lausitz sind die Entscheidungen besonders wichtig, weil die letzten Braunkohleblöcke spätestens 2038 abgeschaltet werden. Neue Kraftwerke könnten bestehende Energiestandorte sichern und einen Teil der wegfallenden Arbeitsplätze ersetzen.

Ob Schwarze Pumpe und Lippendorf einen Zuschlag erhalten, soll sich bis November entscheiden.