In Schönefeld ist auf einer Fläche von rund 76 Hektar eine neue Agri-Photovoltaikanlage in Betrieb gegangen, und unter den hoch aufgeständerten Solarmodulen wird weiterhin Landwirtschaft betrieben, sodass Energieerzeugung und Ackerbau miteinander verbunden werden.

Die Anlage befindet sich auf Flächen der Berliner Stadtgüter im Schönefelder Ortsteil Selchow. Insgesamt wurden 74.064 Solarmodule installiert. Sie sollen jährlich so viel Strom erzeugen, wie rechnerisch von etwa 16.500 Haushalten verbraucht wird.

Nach Angaben der Berliner Stadtgüter können durch die Anlage jedes Jahr rund 21.500 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden. Mindestens 90 Prozent der Fläche unter und zwischen den Modulen sollen weiterhin ökologisch bewirtschaftet werden.

Solarmodule stehen in 3,50 Metern Höhe

Die Module wurden rund 3,50 Meter über dem Boden angebracht. Zwischen den einzelnen Reihen liegen Abstände von etwa elf Metern. Damit bleibt ausreichend Platz für Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen.

Landwirt Sven Geelhaar will auf den Flächen unter anderem Roggen, Hirse und Luzernegras anbauen. Die Solarmodule könnten dabei nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die Pflanzen vor extremen Wetterbedingungen schützen.

> „Sie schützen vor Hitze, Frost und Starkregen.“

Ob sich diese Erwartungen erfüllen, soll in den kommenden Jahren untersucht werden. Die Berliner Stadtgüter betrachten die Anlage als Pilotprojekt für weitere Flächen.

Landwirtschaft und Stromerzeugung kombiniert

Bei herkömmlichen Freiflächenanlagen wird der Boden häufig nur noch für die Energieerzeugung genutzt. Agri-Photovoltaik verfolgt dagegen das Ziel, auf derselben Fläche weiterhin landwirtschaftliche Produkte anzubauen.

Die teilweise Beschattung kann in heißen und trockenen Sommern Vorteile bieten. Gleichzeitig besteht die Herausforderung darin, die Module so anzuordnen, dass genügend Sonnenlicht für die Pflanzen bleibt und landwirtschaftliche Maschinen weiterhin eingesetzt werden können.

Direkt unter den Modulen sollen Wildblumenstreifen mit regionalem Saatgut entstehen. Sie sollen Insekten und Kleintieren Nahrung sowie geschützte Rückzugsräume bieten.

Wissenschaft begleitet das Projekt

Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und die Technische Universität Dresden begleiten die Anlage wissenschaftlich. Unterstützt werden die Untersuchungen vom Bundesamt für Naturschutz.

Erforscht werden soll unter anderem, wie sich die Solarmodule auf Temperatur, Bodenfeuchtigkeit, Pflanzenwachstum und Artenvielfalt auswirken. Auch die Erträge der angebauten Kulturen werden mit herkömmlich bewirtschafteten Flächen verglichen.

Als Ausgleich für mögliche Eingriffe in die Landschaft werden in Ragow und Deutsch Wusterhausen weitere 17 Hektar bereitgestellt. Die Flächen sollen insbesondere Brutvögeln wie der Feldlerche zugutekommen.

Das Projekt in Selchow könnte zeigen, ob Agri-Photovoltaik einen praktikablen Weg bietet, den Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Schutz landwirtschaftlicher Flächen zu verbinden.