Das Universitätsklinikum Leipzig zieht ein Jahr nach dem Start seiner Sprechstunde für Krebsüberlebende eine positive Bilanz. Das Angebot findet weit über Sachsen hinaus großen Zuspruch, weshalb die Behandlungskapazitäten bereits erweitert wurden.
Sprechstunde bereits nach wenigen Monaten erweitert
Die sogenannte „Cancer-Survivorship“-Sprechstunde am Universitären Krebszentrum Leipzig wurde im September 2025 eingerichtet. Sie richtet sich an Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben und Jahre nach dem Ende ihrer Therapie medizinische oder psychische Spätfolgen entwickeln können.
Die Nachfrage war von Beginn an hoch. Seit Januar 2026 bietet das interdisziplinäre Team um Professorin Judith Gebauer die Sprechstunde deshalb an drei statt zuvor zwei Tagen pro Woche an.
Anfragen erreichen das Universitätsklinikum nach eigenen Angaben nicht nur aus Leipzig und Sachsen. Auch ehemalige Krebspatienten aus Berlin, Thüringen und Nordbayern wenden sich an die Spezialsprechstunde.
Viele Betroffene hätten zuvor lange nach einer medizinischen Anlaufstelle gesucht, die sich umfassend mit möglichen Spätfolgen ihrer Erkrankung und Behandlung beschäftigt.
Spätfolgen können Jahrzehnte später auftreten
Die Arbeit der Sprechstunde unterscheidet sich von der üblichen Tumornachsorge. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Frage, ob der Krebs zurückgekehrt ist oder sich Metastasen gebildet haben. Untersucht werden vor allem die langfristigen Auswirkungen der Erkrankung und ihrer Behandlung.
Solche Folgen können erst zehn, 20 oder sogar 30 Jahre nach dem Abschluss einer Krebstherapie sichtbar werden. Dazu gehören Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge, hormonelle Störungen, chronische Schmerzen oder psychische Belastungen.
Auch neue Krebserkrankungen können durch frühere Bestrahlungen oder bestimmte Medikamente begünstigt werden. Deshalb sind langfristige medizinische Kontrollen für ehemalige Patienten besonders wichtig.
Fachärzte arbeiten gemeinsam an der Vorsorge
Das Team der Leipziger Sprechstunde setzt sich unter anderem aus Fachleuten der Kardiologie, Endokrinologie, Onkologie und Psychologie zusammen. Je nach früherer Erkrankung und Behandlung wird für jeden Patienten ein persönliches Vorsorgeprogramm entwickelt.
Dabei werden auch zusätzliche Gesundheitsrisiken berücksichtigt. Rauchen, Übergewicht oder eine beginnende Diabeteserkrankung können bestehende Belastungen verstärken und das Risiko weiterer Erkrankungen erhöhen.
Durch gezielte Untersuchungen sollen mögliche Spätfolgen früh erkannt und behandelt werden. Gleichzeitig erhalten die Betroffenen Empfehlungen, wie sie ihre Gesundheit langfristig schützen können.
Angebot gilt bislang für jüngere Erkrankte
Aktuell richtet sich die Sprechstunde an Menschen, die erstmals im Alter zwischen null und 39 Jahren an Krebs erkrankt sind. Voraussetzung ist außerdem, dass die Therapie seit mindestens fünf Jahren abgeschlossen ist.
Diese Patientengruppe besitzt nach einer überstandenen Erkrankung häufig eine besonders lange weitere Lebenserwartung. Damit steigt zugleich der Zeitraum, in dem sich gesundheitliche Folgen einer früheren Krebsbehandlung entwickeln können.
Das UKL möchte die Sprechstunde künftig für alle Krebsüberlebenden öffnen. Dafür müssen jedoch zusätzliche räumliche, personelle und zeitliche Kapazitäten geschaffen werden.
Zentrale Ambulanz als langfristiges Ziel
Langfristig strebt das Universitätsklinikum eine zentrale Survivorship-Ambulanz an. Dort sollen sich alle Krebsüberlebenden unabhängig von ihrem Alter, ihrer früheren Diagnose und der Art ihrer Behandlung mindestens einmal vorstellen können.
Für Menschen mit einem geringeren Risiko von Spätfolgen ist außerdem eine Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten denkbar. Patienten mit komplexen Beschwerden könnten weiterhin von dem spezialisierten Team am Universitätsklinikum betreut werden.
Mit dem geplanten Ausbau reagiert das UKL auf eine wachsende Patientengruppe. Dank verbesserter Früherkennung und moderner Therapien überleben immer mehr Menschen eine Krebserkrankung. Gleichzeitig nimmt damit der Bedarf an einer langfristigen und fachübergreifenden Betreuung zu.
Quelle: Universitätsklinikum Leipzig