Die Universität Rostock erhält ihren ersten ERC-Gruppenleiter, und Alexander Brandt baut ab Juni 2027 ein fünfjähriges Forschungsprojekt auf, das neue Erkenntnisse über die Evolution stabiler Hybride liefern soll.

Europäische Union fördert fünf Jahre

Alexander Brandt erhält einen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats. Die Förderung beträgt 1,67 Millionen Euro und beginnt am 1. Juni 2027. Das Vorhaben läuft über fünf Jahre.

Das Projekt trägt den Titel „ERNStH: Evolution of Regulatory Novelty in Stable Hybrids“. Mit den Starting Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat herausragende Nachwuchswissenschaftler beim Aufbau eigener Forschungsgruppen und unabhängiger Projekte.

Für die Abteilung Populationsgenetik ist die Förderung eine Premiere. Brandt wird der erste ERC-Gruppenleiter am Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock.

Stabschrecken dienen als Modell

Im Mittelpunkt der Forschung stehen Stabschrecken der Gattung Bacillus, die im Mittelmeerraum verbreitet sind. Brandt will im Labor verschiedene Linien kreuzen und die Genregulation der entstandenen Hybridstabschrecken untersuchen.

Die Ergebnisse werden anschließend mit natürlich entstandenen Hybridpopulationen verglichen. Solche Populationen leben unter anderem auf Sardinien und in der italienischen Region Kampanien nahe Neapel.

Bacillus-Stabschrecken eignen sich besonders für die Untersuchungen, da selbst Kreuzungen zwischen unterschiedlich verwandten Linien lebensfähige Hybridnachkommen hervorbringen können. Einige Hybride haben zudem die sexuelle Fortpflanzung aufgegeben und nutzen alternative Fortpflanzungsstrategien.

Genregulation nach der Hybridisierung

Die Genregulation bestimmt, welche Gene zu welchem Zeitpunkt und in welchen Organen aktiv sind. Selbst eng verwandte Arten können dabei deutliche Unterschiede aufweisen.

Wenn sich solche Arten miteinander kreuzen, treffen unterschiedlich entwickelte Mechanismen der Genregulation aufeinander. Welche Folgen diese Vermischung für die Nachkommen und deren weitere Evolution hat, ist bislang nur unzureichend erforscht.

Brandt will klären, wie neue regulatorische Eigenschaften in stabilen Hybriden entstehen. Die verschiedenen Fortpflanzungsweisen der Stabschrecken ermöglichen es ihm außerdem, diese Entwicklung unter unterschiedlichen biologischen Bedingungen zu vergleichen.

Forscher wechselte 2026 nach Rostock

Alexander Brandt studierte Ökologie und Evolution an der Universität Göttingen und promovierte im Fach Evolutionsbiologie. Von 2021 bis 2025 arbeitete er als Marie-Skłodowska-Curie-Fellow und Postdoktorand an der Universität Lausanne.

Seit März 2026 ist Brandt wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Populationsgenetik der Universität Rostock. Die Hochschule sieht in der Förderung eine langfristige Stärkung ihrer evolutionsgenomischen Grundlagenforschung.

Quelle: Universität Rostock