Das Senftenberger Start-up Quantum Grade Materials entwickelt hochreine Ausgangsstoffe für Quantencomputer, Spezialoptik und neue Halbleiterbauteile. Die Gründer wollen einen großen Teil des europäischen Bedarfs abdecken, indem sie bislang industriell kaum nutzbare Rohstoffe mit einem patentierten Verfahren in isotopenreine Materialien umwandeln.

Senftenberger Start-up produziert „Sternenstaub“

Der Lausitzbeauftragte des brandenburgischen Ministerpräsidenten, Klaus Freytag, besuchte das Unternehmen bei einer Arbeitsreise durch Senftenberg. Dabei informierte er sich über neue Technologien, die den wirtschaftlichen Wandel der Lausitz nach dem Ausstieg aus der Braunkohle unterstützen sollen.

Quantum Grade Materials wurde im Januar 2026 gegründet. Hinter dem Unternehmen stehen Dr. Owen C. Ernst, Anne Handschick-Ernst und Dr. David Uebel. Die wissenschaftliche Grundlage entstand im Forschungsprojekt HoCHQuant an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Die Bezeichnung „Sternenstaub“ beschreibt das Produkt in einer anschaulichen Form. Das Unternehmen verarbeitet keinen Staub aus dem Weltall. Es stellt im Labor hochreine Stoffe her, deren besondere Isotope in der Natur unter anderem durch Prozesse in Sternen entstehen.

Im Mittelpunkt stehen Silan-28 und German-73d. Dabei handelt es sich um isotopenreine Halbleitergase, die als Ausgangsstoffe für besonders anspruchsvolle technische Anwendungen dienen können.

Material wird für Quantencomputer benötigt

Gewöhnliche Halbleiterrohstoffe müssen bereits eine hohe chemische Reinheit erreichen. Für bestimmte Quantentechnologien reicht diese Eigenschaft jedoch nicht aus. Zusätzlich müssen die verwendeten Atome eine genau festgelegte Isotopenzusammensetzung besitzen.

Das Senftenberger Unternehmen verwendet dafür den Begriff „Quantum Grade“. Er orientiert sich an Bezeichnungen wie „Electronic Grade“ für die Mikroelektronik und „Solar Grade“ für die Photovoltaik.

Quantum Grade Materials hat nach eigenen Angaben ein Verfahren entwickelt und patentiert, mit dem sich Siliziumtetrafluorid und Germaniumtetrafluorid aufbereiten lassen. Diese Stoffe waren bislang industriell kaum nutzbar. Aus ihnen entstehen Silan-28 und German-73d.

Die besondere Reinheit soll störende Einflüsse auf empfindliche Quantenzustände verringern. Dadurch können die Stoffe als Grundlage für Halbleiterbauteile in künftigen Quantencomputern dienen. Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht das Unternehmen in der Röntgenoptik und in technischen Anwendungen bei sehr niedrigen Temperaturen.

Im weiteren Produktionsprozess können aus den Gasen kristalline Feststoffe hergestellt werden. Diese lassen sich in sehr dünne Schichten schneiden und anschließend für Halbleiterbauteile verwenden.

BTU-Campus bietet besondere Forschungsbedingungen

Die Entwicklung erfolgt auf dem Campus Senftenberg der BTU Cottbus-Senftenberg. Der Standort besitzt nach Angaben der Stadt besondere Erfahrung in der Siliziumchemie und zählt auf diesem Gebiet zu wenigen spezialisierten Forschungsorten in Deutschland.

Das Projekt HoCHQuant startete im Juni 2024. Es sollte den Herstellungsprozess vergrößern, hohe Qualitätsstandards der Halbleiterindustrie erreichen und die Gründung eines Unternehmens vorbereiten.

Bund und Europäische Union unterstützten das zweijährige Vorhaben über den EXIST-Forschungstransfer mit rund 900.000 Euro. Neben dem Senftenberger Campus nutzte das Team das Gründungs- und Industriezentrum Dock3 Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe.

Das Unternehmen will nun den Übergang von der Forschung zur kommerziellen Produktion schaffen. Dazu müssen die Verfahren nicht nur im Labor funktionieren. Sie müssen größere Mengen mit gleichbleibender Qualität, hoher Ausbeute und wirtschaftlich vertretbaren Kosten liefern.

Unternehmen verfolgt ehrgeizige Ziele in Europa

Quantum Grade Materials will nach Angaben der Stadt künftig zwischen 80 und 100 Prozent des europäischen Marktes mit seinen Produkten versorgen. Dieses Ziel zeigt die Größe der erwarteten Marktlücke. Es ist jedoch noch keine gesicherte Absatzprognose.

Erste Umsätze erwartet das Unternehmen für die Jahre 2026 und 2027. Zu den möglichen Kunden gehören Forschungsinstitute sowie internationale Halbleiterhersteller, die an Quantencomputern und anderen Hochleistungstechnologien arbeiten.

Bereits vor der eigentlichen Unternehmensgründung erhielt das Team mehrere Auszeichnungen. Im Jahr 2023 gewann es mit seiner Idee den Lausitzer Existenzgründerwettbewerb. Im Frühjahr 2025 erreichten die Forschenden den ersten Platz in der zweiten Phase des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg.

Quantum Grade Materials ist außerdem für den Brandenburger Innovationspreis 2026 nominiert. Die Bewerbung läuft in der Kategorie „Neues schaffen“.

Hochtechnologie soll Strukturwandel unterstützen

Senftenbergs Bürgermeister Andreas Pfeiffer sieht in dem Unternehmen eine neue wirtschaftliche Perspektive für die Stadt. Entscheidend sei, dass die Entwicklung am BTU-Campus bleibe und dort eine Technologie mit internationalem Marktpotenzial entstehe.

Der Strukturwandel in der Lausitz soll nicht allein durch öffentliche Projekte getragen werden. Dauerhafte wirtschaftliche Effekte entstehen vor allem dann, wenn aus Forschung marktfähige Produkte, Unternehmen und qualifizierte Arbeitsplätze hervorgehen.

Quantum Grade Materials befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Sollte der Aufbau der Produktion gelingen, könnte Senftenberg Teil einer europäischen Lieferkette für Quanten- und Halbleitertechnologien werden.

Das Vorhaben verbindet damit mehrere Ziele des Strukturwandels: wissenschaftliche Forschung, Unternehmensgründung, industrielle Produktion und eine stärkere technologische Unabhängigkeit Europas. Aus dem bildhaften „Sternenstaub“ soll in der Lausitz ein realer Zukunftsrohstoff werden.

Quelle: Stadt Senftenberg, Pressemitteilung „Von der Kohle zum Sternenstaub“ vom August 2026; [BTU Cottbus-Senftenberg](https://www.b-tu.de/news/artikel/27046-von-der-lausitz-auf-den-weltmarkt-neuartige-materialien-fuer-hochleistungstechnologien?utm_source=chatgpt.com); [Quantum Grade Materials](https://quantumgradematerials.de/?utm_source=chatgpt.com); [Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz Brandenburg](https://mweke.brandenburg.de/de/nominierte-f%C3%BCr-brandenburger-innovationspreis-2026-stehen-fest/brandenburg_06.c.905829.de?utm_source=chatgpt.com)